Corona-Pandemie

UV-Licht ist eine starke Waffe gegen Viren

Heraeus hat spezielle UV-Licht-Geräte entwickelt, die gegen Viren wirken. Die Politik auch in Frankfurt zeigt aber wenig Interesse .

Frankfurt -In die Kritik an der Corona-Politik und der Schwerfälligkeit der Verwaltung mischt sich eine bittere Erkenntnis: Ausgerechnet Deutschland kommt mit dem Einsatz technischer Waffen gegen das Virus nicht voran. Die gescheiterte App und die digitale Rückständigkeit von Gesundheitsämtern sind dafür zum Symbol geworden. Aktuell wird eine weitere Waffe von Bund, Ländern und Kommunen eher mit Zurückhaltung verfolgt, auch in der hessischen Regierung und in Frankfurt. Dabei sitzt ein Hersteller dieser Technik vor der Haustür.

Egal ob Hände, Luft oder den Boden: UV-C-Lampen sollen Viren und Bakterien bekämpfen (Symbolbild).

Es geht um UV-Licht, das bekanntermaßen Viren und Keime außer Gefecht setzt; nicht von ungefähr wird es unter anderem in Kläranlagen eingesetzt und in der Medizin. Die Firma Heraeus Noblelight in Hanau, seit einem Jahrhundert auf UV-Licht-Lampen spezialisiert, hat entsprechende Luftreinigungsgeräte mit UV-Lichtfallen sowie Lichtfallen für bereits bestehende Lüftungsanlagen entwickelt, testen lassen und zur Serienreife gebracht.

Das Fraunhofer Institut für Bauphysik in Bayern hat sie unter Realbedingungen eines Klassenraums geprüft, Ergebnis: Die Luftfiltergeräte mit Lichtfalle töten mindestens 95 Prozent der Viren ab und gefährden Menschen nicht mit frei werdenden Strahlen. Die Stadt Hanau setzt deshalb die Geräte bereits punktuell ein.

Welche Chancen die neue Technik im Kampf gegen Pandemien birgt, scheint sich vor allem unter Gewerbetreibenden wie Gastwirten und Einzelhändlern herumzusprechen. Privat werde reichlich bestellt, sagt ein Sprecher von Heraeus. Schließlich verheißen die Geräte, zu denen auch andere Spezialisten Konkurrenzprodukte entwickeln, einen Ausweg aus der Lockdown-Schleife.

Umso mehr wundert man sich bei Heraeus: "Man sollte eigentlich denken, die Politik unterstützt den Einsatz solcher Geräte auf breiter Front", sagte im Februar Noblelight- Geschäftsführer Martin Ackermann in der FAZ und kritisierte, "dass außer Lippenbekenntnissen nicht viel kam". Auch Frankfurt, sagt ein Unternehmenssprecher, habe keinen Informationsbedarf angemeldet.

Fürs Gewerbe: Der Bund

fördert die Anschaffung

So haben die Länder UV-Licht-Filter auch nicht in ihre Corona-Förderprogramme aufgenommen. Das wiederum könnte auf das Umweltbundesamt zurückzuführen sein. Die Bundesbehörde äußerte sich anfangs skeptisch. Noch im November wies sie vor allem auf die Gefahr frei werdender UV-Strahlen hin und mahnte Prüfungen unter Realbedingungen an. Da lagen die guten Ergebnisse des Fraunhofer Instituts längst vor. Erst im Januar erhob das Umweltbundesamt keine Einwände mehr, das Bundesprogramm Überbrückungshilfe fördert mittlerweile die Anschaffung von UV-Licht-Technik.

Nicht erst seither beobachten vor allem Verkehrsbetriebe die Hanauer Entwicklung mit Interesse. "Das ist spannend", sagt Klaus Linek, Sprecher der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Gleichwohl glaube er nicht, dass Busse und Bahnen ein Pandemie-Treiber seien. Er bezieht sich auf Luft- und Oberflächenproben, die vier Wochen lang in der Londoner U-Bahn genommen worden sind: Allesamt waren sie negativ.

London verhängt schmerzhafte Geldstrafen für jeden Masken-Sünder, das mag zur Disziplin der Fahrgäste beitragen. Auch bei Heraeus betont man, dass das UV-Licht nicht die alleinige Wunderwaffe sei, sondern eine starke Ergänzung zu allen Pandemie-Maßnahmen. In Israel, wo sie dank ihres Impftempos wieder in Clubs tanzen und Restaurants speisen, schützen sie sich dennoch zusätzlich mit einer UV-Licht-Offensive.

Stadt Hanau ist mit

Praxistests zufrieden

In Deutschland ist es die Heraeus-Heimat Hanau, die sich am Projekt beteiligt und mit an der Optimierung feilt. In 16 Bussen wurde UV-Licht in die Lüftungsanlagen integriert; in schlecht zu lüftenden Räumen mit viel Betrieb wurden die Luftreinigungsgeräte mit Lichtfalle installiert: in Schulmensen und Turnhallen etwa. Mittlerweile hätten Arztpraxen ihre Wartezimmer aufgerüstet, berichtet Erika Schulte von der Wirtschaftsförderung der Stadt Hanau, Einzelhändler und Gastwirte hofften sehr auf die neue Technik. Vereinzelt setzen auch Bad Vilbel und weitere Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis die Viren-Killer ein.

Auf die Pandemie-Dynamik wirkt sich das Projekt noch nicht aus, in Hanau stieg die 7-Tage-Inzidenz zuletzt steil an auf knapp unter 200. "Wir setzen das UV-Licht ja noch nicht in der Fläche ein", sagt Wirtschaftsförderin Schulte. Vorerst macht die Stadt vereinzelt Alltagstests. Sind die Geräte leise genug, um den Unterricht nicht zu stören? Wie stark ist der Luftzug, wenn man unter ihnen sitzt? "Wir sind zufrieden", zieht Schulte Zwischenbilanz.

In Frankfurt dürfen die Schulen nach langem Warten nun herkömmliche Hepa-Luftfiltergeräte aufstellen. Hier war es das Gesundheitsamt, das die Technik-Initiative vieler Eltern und Schulleiter im Herbst mit Bedenken ausbremste. Monatelang prüfte das Schulamt verschiedenste Produkte auf ihre Unbedenklichkeit. Anfang März kam das Okay für Geräte mit Mindeststandard. Nun sammeln die Schulen und ihre Fördervereine Spenden bei den Eltern, fast 50.000 Euro braucht zum Beispiel die Wöhlerschule am Dornbusch.

Rüdiger Niemann vom Bildungsdezernat findet die UV-Licht-Geräte "natürlich interessant". Zeit, sich damit zu beschäftigen, habe er noch keine gehabt. Er war zuständig für das Genehmigungsverfahren für die Hepa-Geräte. "Das war viel Arbeit." Ob irgendwer in der Stadt eine Initiative Richtung Hanau und UV-Licht startet? Im Dezernat für Bau und Immobilien heißt es, man beobachte das, mehr noch nicht. Mark Obert

Rubriklistenbild: © imago images / JOKER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare