Nur ein Fall von vielen in Frankfurt: In Bornheim wurden SPD-Plakate gezielt überklebt.
+
Nur ein Fall von vielen in Frankfurt: In Bornheim wurden SPD-Plakate gezielt überklebt.

Alle Parteien betroffen

Kommunalwahl in Frankfurt: Vandalismus von neuem Ausmaß

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
    schließen

Gruppierungen beschädigen vor der Kommunalwahl in Frankfurt gezielt Wahlplakate aller Parteien. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei und der Staatsschutz.

Frankfurt - In der Endphase des Wahlkampfs nimmt der Vandalismus zu. Alle Parteien leiden darunter und bezeichnen es in Pressemitteilungen als "undemokratisch". Neu ist offenbar, dass die Täter nicht nur mit Edding-Stift, sondern auch mit Messer und Seitenschneider unterwegs sind und damit erheblichen Schaden anrichten. Die jüngste Zerstörung in der Senckenberganlage und der Ludwig-Erhard-Anlage war so heftig, dass sie der Polizei eine Pressemeldung wert war. Inzwischen ermitteln auch die Kripo und der Staatsschutz in dieser Sache.

Laut Pressemeldung hatten Unbekannte bereits am frühen Donnerstagmorgen gegen 5.45 Uhr in der Friedrich-Ebert-Anlage, der Ludwig-Erhard- und der Senckenberganlage insgesamt sechs SPD- und zwölf CDU-Wahlplakate beschädigt. Am Donnerstagabend habe hingegen je ein Plakat der BFF und der AfD in Flammen gestanden. Auch ein Laternenmast wurde beschädigt. Die Polizei bittet unter Telefon (0 69) 7 55-5 31 11 um Hinweise.

Neue Qualität des Vandalismus vor Kommunalwahl in Frankfurt

Ann-Kristin Müller, Kreisgeschäftsführerin der CDU, war schockiert, als sie an der Ludwig-Erhard-Anlage angekommen ist: "Es sind so viele Plakate zerstört worden", sagt sie. "Ich war eine Stunde beschäftigt, die Trümmer einzusammeln." Alleine drei "Wesselmänner", große Plakatwände, waren beschädigt. "Man muss erst mal da hochkommen, um ein Plakat abzureißen." Es sei brutal und gezielt vorgegangen worden, schimpft Müller.

Bemerkt hatte den Schaden die Polizei: "Sie haben mich angerufen", berichtet die CDU-Kreisgeschäftsführerin. Zunächst sei sie relativ entspannt gewesen: "Dass man eine Brille angemalt bekommt oder die Zähne geschwärzt, das kennt man ja." Der Vandalismus an der Ludwig-Erhard-Anlage jedoch habe eine neue Qualität. Noch an anderen Stellen sind CDU-Plakate und zum Teil auch Plakatständer aus Metall zerstört worden, so in Sossenheim, in Rödelheim und Hausen. Der Schaden betrug, wie auch in der Ludwig-Erhard-Anlage, jeweils mehrere hundert Euro. Insgesamt hängen rund 10 000 Plakate der CDU in Frankfurt.

Kommunalwahl in Frankfurt: SPD in Bornheim von Beschädigungen betroffen

Sebastian Maier, Geschäftsführer der SPD Frankfurt, sieht ebenfalls eine neue Qualität - und Quantität: "Die Zahl der Beschädigungen, von Vandalismus über manchmal witzige Bemalungen bis hin zu systematischen Zerstörungen, die offenbar von Gruppierungen vorsätzlich begangen werden, die mit Seitenschneider unterwegs sind und Plakate abschneiden, geht schon fast ins Vierstellige", sagt er. So viel sei es noch nie gewesen - und dass ganze Gruppierungen mit Seitenschneider oder Cutter ausrücken, um gezielt Wahlplakate zu demolieren, auch das sei neu in diesem Wahlkampf. Dabei, sagt der SPD-Geschäftsführer, sei es unterschiedlich, wie sehr die SPD betroffen sei: "In Bornheim wurden so weit ich weiß nur unsere Plakate abgehängt oder überklebt. In der Senckenberganlage und der Ludwig-Erhard-Anlage waren alle Parteien geschädigt." Die SPD hat in Frankfurt etwa 14 000 Plakate gestellt.

Mathias Mund, Chef der BFF, hat eine Reihe weiterer Schäden zu verzeichnen: "In der Senckenberganlage haben wir alle Plakate neu geklebt", sagt er. Häufig werden BFF-Plakate gestohlen, zum Teil ganze Straßenzüge leergeräumt. "Dann haben wir nach der Wahl weniger Arbeit mit dem Einsammeln", sagt Mund bitter. Viel sagen möchte er nicht: "Damit animiert man nur Nachahmer." Auch Anzeige erstattet er nicht mehr: "Das bringt gar nichts." Eine BFF-Politikerin beobachtete zwei junge Frauen, die mit einem Cutter oder Messer Plakate der BFF im Vorbeigehen einfach beschädigten. "Als sie sie angesprochen hat, sind die weggerannt." Seiner Einschätzung nach hat die Sachbeschädigung jetzt, in der heißen Wahlkampfphase, erheblich zugenommen.

Kommunalwahl in Frankfurt: FDP-Plakate „Fridays for Future“-Aufklebern beklebt

Andere Parteien sind weniger betroffen: Für die Grünen berichtet Vorstandssprecher Bastian Bergerhoff von "unspezifischem Vandalismus wie sonst auch, vereinzelt Hakenkreuze, aber keine Steigerung im Vergleich zu anderen Wahlen". Die Grünen haben rund 7500 Plakate draußen. Thorsten Lieb, Kreisvorsitzender der FDP, nennt die Zahl von rund 10 000 Plakaten, die auch nicht häufiger als sonst verunstaltet werden. "Hin und wieder werden sie abgehängt, also gestohlen", sagt er und ärgert sich besonders über Aufkleber von "Fridays for Future" auf den FDP-Plakaten: "Wir haben extra Plakate aus recyceltem Material geordert und wollen alle Plakate nach dem Wahlkampf wieder in den Recycling-Kreislauf zurückführen. Aber das geht nicht, wenn da jetzt PVC-Folien draufkleben", sagt er: "Herzlichen Glückwunsch an FFF."

Für die Linken, die 5000 bis 6000 Plakate gehängt haben, sieht Kreisvorstand Axel Gerntke keine größeren Häufungen. "Im Riederwald wurden 20 Plakate mit einem Messer beschädigt." In Höchst gab es Hakenkreuz-Schmierereien, aber davon abgesehen gebe es keine außergewöhnlich große Zerstörung.

Kerry Reddington, der stellvertretende Vorsitzende der Kommunalen Ausländervertretung, hat ein mit Hitlerbärtchen verunstaltetes Bild von sich einfach weggeräumt. "Das nehme ich doch nicht ernst", sagt er. Je mehr darüber geredet werde, um so mehr provoziere man solche Aktionen. (Thomas J. Schmidt)

In ihren Wahlprogrammen zur Kommunalwahl 2021 werben die Parteien dafür, die Stadt Frankfurt auf Vordermann bringen zu wollen. Wir haben die wichtigsten Punkte verglichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare