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Ansgar Wucherpfennig, abgesetzter Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen, steht auf dem Campus der Hochschule und sagt, er erlebe eine ?Sternstunde der

Jesuitenpater

Der Vatikan lässt Ansgar Wucherpfennig schmoren

Ob er auch künftig Rektor der katholischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt sein wird, weiß Ansgar Wucherpfennig derzeit nicht. Der Vatikan prüft, ob der Jesuit und Theologieprofessor im Amt bleiben darf. Viele Theologen stärken Wucherpfennig den Rücken.

Im Verfahren um den Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, Ansgar Wucherpfennig, ist nach Angaben des Vatikans das letzte Wort noch nicht gesprochen. Im Fall des Jesuitenpaters laufe das Prüfungsverfahren noch, teilte die Pressestelle des Vatikans mit. Zuvor war bekannt geworden, dass Rom den Jesuitenpater wegen liberaler Äußerungen über Homosexualität und Frauen in der Kirche aus dem Amt drängen will. Die jetzige Aussage des Vatikans bedeutet, dass Wucherpfennig bisher weder diese Unbedenklichkeitserklärung zugesprochen wurde, noch dass ein Veto gegen ihn eingelegt wurde. Auslöser für das Prüfungsverfahren sind Äußerungen Wucherpfennigs zu Homosexualität und Frauen in der Kirche in einem vor zwei Jahren erschienenen Interview in der Frankfurter Neuen Presse (wir berichteten). Der Fall sorgt mittlerweile bundesweit für Schlagzeilen.

„Ich hatte den Eindruck, dass die kirchlichen Diskurse unter Papst Franziskus wieder geöffnet werden – gerade auch im Unterschied zu seinen beiden Vorgängern - und hatte gedacht, in dem Zug lässt sich wieder freier denken“, sagt Wucherpfennig über seine damaligen Äußerungen. „Ich war dann schon überrascht, dass so ein Schreiben von Rom kam.“

Noch prüft der Vatikan. Das habe ihn anfangs verletzt, gibt Wucherpfennig zu. Angesichts der Reaktionen, die nun täglich aus Stadtpfarreien und bischöflichen Generalvikariaten eintreffen, fühlt er sich aber auch gestärkt. Auch der Fachbereich Katholische Theologie an der Goethe-Universität verurteilte in einer eigenen Erklärung den Vatikan scharf. Sie sprach von einem „Angriff auf die Integrität und Reputation eines in wissenschaftlichen Fachkreisen hochgeschätzten und weithin anerkannten Kollegen und eine extreme Gefährdung der Freiheit theologischer Forschung und akademischer Selbstverwaltung.“ Die Theologen fordern Rom auf, „ihre Entscheidung zu überdenken und zu korrigieren“.

„Ich hätte durchaus mit einem größeren Shitstorm gerechnet“, sagt der schlanke Niedersachse, der mit Hemd ohne Priesterkragen und Janker auf den ersten Blick nicht als Priester zu erkennen ist. Was er nun sehe, sei eine „

Sternstunde der Kirche

in Deutschland.“

„Ich habe den Eindruck, die Solidarität, die sich jetzt zeigt, ist auch noch mal ein Ergebnis der Diskussion der deutschen Bischöfe in den letzten Wochen“, erklärt er. So seien in der Diskussion über sexuellen Missbrauch durch Geistliche Diskurse geöffnet worden, „von denen man gar nicht gedacht hat, dass sie überhaupt geöffnet werden und dass die Kirche in diese Richtung weiterdenken konnte“.

Ob Sexualmoral, Homosexualität oder die Rolle der Frau: „Ich glaube, die Zeiten sind vorbei, in denen sich kirchliche Diskurse so beherrschen lassen, dass eine Kommission in Rom darüber entscheidet, wie weltweit mit den Interessen der Kirche umgegangen wird“, sagt Wucherpfennig selbstbewusst. Viele Reaktionen aus kirchlichen Kreisen in Deutschland sind eindeutig: „Die Zeiten, wo Menschen – auch Amtsträger in der Kirche - sich von römischen Behörden vorschreiben lassen, worüber nachgedacht und diskutiert werden darf, sind Gott sei Dank endgültig vorbei“, heißt es in einer Erklärung Frankfurter Pfarrer. Für den Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) steht die „Glaubwürdigkeit der Kirche“ auf dem Spiel.

Der Fall Wucherpfennig wiegt umso schwerer, weil Papst Franziskus eigentlich immer wieder predigt, dass die Ortskirchen selbstständiger werden und nicht mehr nur auf Rom hören sollen. Außerdem betont der Argentinier stets, etwa Homosexuelle nicht durch die strikte Sexualmoral der Kirche auszugrenzen. Die Causa Sankt Georgen zeugt allerdings eher vom Gegenteil. Zuletzt gab es Ärger zwischen Rom und Deutschland, als es um den Kommunionsstreit innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz ging. Die Frage war, ob protestantische Ehepartner von Katholiken in der Messe zur Kommunion gehen dürfen. Den Vorstoß einiger Bischöfe zur Teilnahme protestantischer Ehepartner stoppte der Pontifex dann allerdings. Denn er war der Auffassung, dass ein von der Bischofskonferenz verabschiedetes Dokument nicht zur Veröffentlichung reif war. Für den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, war das eine herbe Niederlage.

Seine Lehrerlaubnis, das macht Wucherpfennig deutlich, steht nicht auf dem Spiel. Doch wenige Tage vor Beginn des neuen Semesters dürfte der Streit um die Unbedenklichkeitserklärung – das „nihil obstat“ - für den seit 2014 als Rektor amtierenden Wucherpfennig bei Priesteramtskandidaten, die ihr Studium an der renommierten Hochschule aufnehmen, Nachdenklichkeit auslösen. Immerhin: Der Namensgeber, der heilige Georg, steht als „Drachentöter“ für eine kämpferische Haltung. Sollte der Vatikan ein negatives Urteil fällen, müsste Wucherpfennig seinen Posten als Rektor endgültig räumen. Der Pater hat seit 2008 den Lehrstuhl für Exegese des Neuen Testaments in Sankt Georgen inne,

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