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Vegan bis Fitmacher: Die Eiszeit hat für jeden was

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Antonio Migliaccio vom Eiscafé Dolce & Gusto auf der Berger Straße lässt sich seinen Fruchtbecher schmecken. Der familiäre Kontakt zu den Stammkunden ist ihm und seiner Mutter, die alle als Mamma Rosa kennen, wichtig.
Antonio Migliaccio vom Eiscafé Dolce & Gusto auf der Berger Straße lässt sich seinen Fruchtbecher schmecken. Der familiäre Kontakt zu den Stammkunden ist ihm und seiner Mutter, die alle als Mamma Rosa kennen, wichtig. © Hamerski

Frankfurts Dielen erspüren die Trends in Sachen Geschmack, Ernährung und Umweltfreundlichkeit.

Frankfurt. Der Sommer naht. Mit steigenden Temperaturen steigen auch die Besucherzahlen in den Frankfurter Eisdielen, die während der Pandemie mitunter stark zu kämpfen hatten. Ein Klassiker, soviel steht fest, ist auch in diesem Jahr der Renner: Vanilleeis - auch wegen seiner häufigen Verwendung in anderen Eisspezialitäten wie Spaghettieis. Anders als Milcheis, das eher bei kälterem Wetter verzehrt wird, ist in den warmen Sommermonaten Fruchteis mehr gefragt. Und bei Kindern hat schon seit längerem das Cookie-Eis Schokolade abgelöst. Allgemein scheinen sich die Möglichkeiten der wiedergewonnenen Freiheiten auch in der Vielfalt der Eissorten widerzuspiegeln.

Sportler schlecken süße Proteine

So wie im Bizziice in der Koselstraße im Nordend, einer von drei Standorten in Frankfurt. Dort herrscht schon am frühen Mittag reges Treiben. Zwei Polizisten stehen an ihren Wagen gelehnt und lassen sich eine Eistüte schmecken, auch im Inneren des Ladens drängen sich nach und nach immer mehr Kunden, um eine der vielen ausgefallenen Sorten zu probieren. Die Auswahl ist groß: Chai, Orange-Minze, Blutorange-Vanille, Sanddorn, Gries-Karamell oder geröstete Zwetschgen, einer der Verkaufsschlager, sind nur einige der ausgefallenen Sorten, die es hier gibt. Eine Kundin steht etwas überfordert vor der großen Auswahl und entscheidet sich schließlich für die Geschmacksrichtung Karotte-Agave. Die Rohstoffe stammen aus ökologischem Anbau, auf Geschmacksverstärker, Fertigmischungen oder künstliche Aromen verzichtet das Bizziice.

Genauso wie das Dolce & Gusto in der Berger Straße. Insgesamt 50 Geschmacksrichtungen werden hier kreiert, von denen im täglichen Wechsel 22 Sorten zur Auswahl stehen: Pfefferminz, Banane-Stracciatella, Sauerkirsche oder der Renner, Wassermelone. Hinter der Sorte "Prime Time Fitness" steckt ein Joghurt-Eis mit Waldbeeren, ohne Zucker, dafür mit Proteinen. Diese Sorte entstand in Kooperation mit dem nahen Fitnessstudio, dessen Kunden sich hier nach dem Sport mit Eis zum halben Preis abkühlen können. Die Sorte griechischer Joghurt mit Mandeln und Honig sei im vergangenen Jahr gut angekommen, weshalb sie auch dieses Jahr wieder angeboten werde. Auch das Pistazieneis ist beliebt. Die Pistazien dafür kommen direkt aus Italien, sagt Chef Antonio Migliaccio. Er steht mit seiner Mutter "Mamma Rosa" hinter dem Tresen. Das Wort Familienbetrieb wird wörtlich genommen. "Wir behandeln die Leute wie Familie. Deshalb haben wir auch viele Stammkunden", ist sich Migliaccio sicher.

Die familiäre Atmosphäre ist spürbar. Kunden halten am Tresen einen kleinen Plausch, man kennt sich. Auch ein Grund, warum man gut durch die Pandemie gekommen sei. Die Mieten sind teuer, doch die Kunden hielten die Treue.

"Der bleibt offen, und wenn wir 24 Stunden am Tag Kaffee trinken müssen. Ich gehe nirgendwo anders hin", betont Doris Weber, eine treue Kundin des Dolce & Gusto. Ein anderer Gast fragt nach veganem Eis. Kurzerhand stellt Migliaccio ihm eine Kreation zusammen, statt 3 Kugeln Milcheis und Sahne gibt es 4 Kugeln Fruchteis, statt Schoko kommen bunte Zuckerstreusel auf die kalte Leckerei. "Wir passen uns an unsere Kunden an. Notfalls variieren wir, es gibt immer Möglichkeiten", sagt Migliaccio. Auch auf das neue Umweltbewusstsein hat er reagiert und alles Plastik durch umweltverträgliches Material ersetzt. "Wir gehen den Weg auf jeden Fall mit."

Die Pandemie kurbelte das Geschäft an

Diesen Weg ist das Eiscafé Lido in Eschersheim bereits gegangen, noch bevor anderen ihn beschritten hatten. 1985 eröffnet und 1987 an den heutigen Standort am Weißen Stein gezogen, verspricht das Café umweltfreundlichen Eisgenuss mit Holzlöffel und FSC-zertifiziertem Eisbecher. Veganes Eis hatte das Café bereits im Angebot, bevor es Trend wurde, berichtet Chef Ezio Franceschet. So werde zum Beispiel das dunkle Schokoladeneis Schoko Ecuador Vegan nur mit Wasser zubereitet. Sorten wie Zitrone-Minze, Karamell gesalzene Erdnussbutter oder das bei Kindern beliebte Cookie-Eis verkauft sich hervorragend.

In der Pandemie lief es für das Eiscafé gut, wie Franceschet sagt. 50 Meter lange Schlangen hätten sich vor dem Geschäft gebildet. Seit den Lockerungen würden die Menschen aber wieder vermehrt in den Urlaub fahren, deshalb wäre nun etwas weniger los, sagt der erfahrene Eismacher, der es sich nicht nehmen lässt, Pasteurisierung und Kontrolle seiner Ware noch selbst zu übernehmen. Dabei verrät er auch gleich sein bestes Rezept: gutes Eis machen. "Eis machen kann jeder. Gutes Eis machen nicht." Niklas Müller

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