Nahverkehr

Verbände: ÖPNV-Tickets trotz Ermäßigungen noch zu teuer

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Erstmals sinken zum Jahreswechsel die Preise für Busse und Bahnen in Frankfurt. Das gilt allerdings nur für bestimmte Ticketarten, andere werden teurer. Fahrgastverbände loben die Rabatte, doch ihnen gehen die Schritte noch nicht weit genug: „Pro Bahn“ fordert Ermäßigungen für Kinder, der Verkehrsclub VCD hält es für nötig, die Preissprünge an den Tarifgrenzen zu beseitigen.

Jahrelang kannten die Fahrpreise für Busse und Bahnen nur eine Richtung: Sie kletterten Jahr für Jahr nach oben. Auch dieses Mal steht beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zum 1. Januar eine Erhöhung an. Um durchschnittlich 1,5 Prozent steigen die Preise – nach Angaben des RMV ist das die niedrigste Erhöhung seit Gründung des Verbundes vor 22 Jahren. Aber es gibt auch Ausnahmen – vor allem in Frankfurt. Hier weichen die Preisänderungen in beide Richtungen vom Durchschnitt ab. Die weit verbreitete Monatskarte für Erwachsene wird um 1,9 Prozent teurer und kostet künftig 89,10 Euro. Bei der 9-Uhr-Monatskarte liegt die Preissteigerung in einer ähnlichen Größenordnung. Sie kostet künftig 71,20 Euro.

Aber es gibt auch deutliche Preissenkungen. Die bisherige CleverCard, die für Schüler und Auszubildende mit Wohnsitz in Frankfurt 417,90 Euro im Jahr kostete, wird abgelöst durch das neue, landesweit gültige Schülerticket für 365 Euro, das auf Initiative von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) eingeführt wurde. Das ist eine Ermäßigung um rund 13 Prozent.

Auch Senioren können sparen. Den Preis für das klassische 65plus-Jahresticket lässt der RMV zwar unverändert bei 699 Euro. Doch auf Wunsch von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wird für Frankfurt ein abgespeckte Version eingeführt, die nur 550 Euro kostet. Dafür gibt es einige Einschränkungen: Im Gegensatz zum klassischen Seniorenticket ist die vergünstigte Variante erst ab 9 Uhr gültig, die Nutzung der ersten Klasse, die Mitnahme weiterer Personen sowie kostenlose Fahrten im gesamten RMV-Gebiet am Wochenende sind nicht dabei.

Freuen können sich auch diejenigen, die nur gelegentlich mit Bussen und Bahnen fahren und sich deshalb Einzeltickets kaufen. Deren Preis wird in Frankfurt auf Feldmanns Initiative von 2,90 Euro auf 2,75 Euro gesenkt (minus fünf Prozent). Kinder zahlen 1,55 Euro, 10 Cent weniger als bisher (minus sechs Prozent). Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) rechnet damit, dass die Preissenkungen durch zusätzliche Nutzer kompensiert werden. Falls nicht, kommt die Stadt für die Ausfälle auf.

Besonders deutlich (minus 26 Prozent) wird der Preis für Tageskarten gesenkt. Erwachsene zahlen künftig 5,35 Euro statt 7,20 Euro. Damit gilt auch in Frankfurt das aus dem Umland bekannte Prinzip, dass eine Tageskarte weniger kostet als zwei Einzelfahrten. Das Tagesticket lohnt sich also bereits für die Fahrt zum Einkaufen und zurück. Unverändert bei 11,30 Euro bleibt der Preis für die Gruppentageskarte, die für fünf Personen gilt.

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ bezeichnet die moderaten Erhöhungen und vor allem die Preissenkungen als „lobenswert“. Man müsse auch die „enormen Angebotsverbesserungen“ der jüngsten Zeit berücksichtigen, meint Sprecher Wilfried Staub. Der Preis für die Seniorenkarte sei aber „immer noch kein absoluter Renner“, findet er. Denn Rentner seien ja meist nicht jeden Tag unterwegs. In Berlin gebe es zum Beispiel ein günstigeres Angebot. Auch sei der RMV nicht auf die Pro-Bahn-Forderung eingegangen, den Preis für Kinderfahrscheine auf die Hälfte des Tickets für Erwachsene zu begrenzen. Das wäre eine „familienfreundliche Tarifpolitik“, meint Staub.

Auch der Verkehrsclub VCD begrüßt die Preissenkungen in Frankfurt. Gerade das günstige Tagesticket sei ein großer Anreiz, das Auto stehen zu lassen, meint der VCD-Landesvorsitzende Mathias Biemann. Jetzt müsse sich eine Reform anschließen, mit der die großen Preissprünge an den Tarifgrenzen beseitigt werden, etwa bei Fahrten von Frankfurt nach Offenbach.

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