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Zu den Aufgaben von Lebensmittelkontrolleuren gehören nicht nur die Kontrollen der rund 8500 Betriebe in Frankfurt, sondern auch viel Laborarbeit.

Lebensmittelkontrollen

Ekel-Pranger gefordert: Verbraucherschützer wollen Namen beanstandeter Betriebe im Internet veröffentlichen

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Die Lebensmittelkontrolleure des Frankfurter Ordnungsamts prüfen Gaststätten, Supermärkte und Bäckereien. Sie stoßen auf verdreckte Kühlschränke und Kakerlaken in der Küche. Verbraucherschützer wollen, dass dies alles öffentlich wird. Die Behörde warnt hingegen vor "totaler Transparenz".

Frankfurt - Die Internetseite der Aktion „Topf Secret“ ist verlockend einfach gestaltet. Auf der Stadtkarte von Frankfurt sind Restaurants, Supermärkte, Imbissbuden und andere Lebensmittelbetriebe markiert. Ein Mausklick auf „Hygienekontrolle anfragen“ genügt, dann öffnet sich ein vorformulierter Antragstext, der per E-Mail direkt an das Frankfurter Ordnungsamt geschickt wird.

„Wann haben die beiden letzten lebensmittelrechtlichen Betriebsüberprüfungen im folgenden Betrieb stattgefunden“, lautet die erster Frage an die Behörde. Die zweite: „Kam es hierbei zu Beanstandungen? Falls ja, beantrage ich hiermit die Herausgabe des entsprechenden Kontrollberichts an mich.“

Hygiene-Bericht auf der Internetseite "Topf Secret"

Hat der Antrag Erfolg, kann der Hygiene-Bericht  direkt auf der Internetseite von „Topf Secret“ veröffentlicht werden. Die Geheimniskrämerei der Kontrollbehörde hätte damit ein Ende. Bisher sind die Prüfergebnisse der Frankfurter Lebensmittelkontrolleure, wie in den meisten anderen Städten und Landkreisen auch, nicht öffentlich zugänglich. Die Transparenz-Offensive, hinter der die Verbraucherschützer von Foodwatch stecken, läuft deutschlandweit sehr erfolgreich.

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In Frankfurt sind seit dem Start der Aktion vor gut zwei Wochen bereits 291 „Topf-Secret“-Anfragen eingegangen. So Ordnungsamtssprecher Michael Jenisch. Doch wie genau man mit den Informationsanträgen umgehen soll, weiß in der städtischen Behörde noch niemand. „Wir warten auf Handlungsanweisungen aus Wiesbaden“, sagte Jenisch. „Wenn wir tatsächlich alle Prüfberichte einscannen, die betroffenen Unternehmen womöglich noch beteiligen müssen, dann haben wir viel Arbeit.“

Rund 8 500 Lebensmittelbetriebe gibt es in Frankfurt. Also Betriebe, die Getränke und Nahrung herstellen, verkaufen oder verarbeiten. Sie alle bekommen mehr oder weniger häufig unangemeldeten Besuch der amtlichen Hygieneprüfer. „Das reicht von wöchentlich bis zu alle drei Jahre“, erklärt Jenisch. Die Kontrolldichte sei von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Je nach Risiko und den bisher gemachten Erfahrungen.

„Wer rohes Fleisch anbietet oder verarbeitet, wird häufiger kontrolliert als ein Getränkemarkt“, nennt der Behördensprecher ein Beispiel. Und ein Betrieb, der einmal mit Hygienemängeln aufgefallen sei, werde danach regelmäßiger inspiziert. „Wir wollen dadurch herausfinden, ob ein dauerhafter Lerneffekt eingesetzt hat“, so Behördensprecher Jenisch.

Frankfurter Ordnungsamt: 6000 Kontrollen pro Jahr

Insgesamt arbeiten beim Frankfurter Ordnungsamt momentan 14 Lebensmittelkontrolleure. Zwei weitere sollen noch hinzukommen, sobald sie ihre Ausbildung beendet haben. Im Jahr kommen sie auf 5000 bis 6000 Routinekontrollen. Ihre handschriftlich ausgefüllten Prüfberichte sollen nach den Vorstellungen von Foodwatch künftig auf der „Topf-Secret“-Seite veröffentlicht werden.

„Verbraucherschutz ist wichtig, aber diese totale Transparenz  geht unserer Ansicht nach zu weit“, sagt Jenisch. „Jedes Unternehmen hat eine zweite Chance verdient. Aber wenn ein solcher Bericht einmal im Internet ist, bleibt er da. Selbst wenn die Hygienemängel längst wieder behoben sind.“ Außerdem seien die Kontrollberichte für Laien schwer zu verstehen.

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In besonders krassen Fällen ordnen die Kontrolleure die sofortige Schließung eines Betriebs  an. Zum Beispiel bei Schädlingsbefall, also wenn Schaben, Mäuse oder Ratten entdeckt werden. Der Betreiber beeile sich dann meist, das Problem zu beseitigen. Gelingt dies, darf er nach einer erneuten Kontrolle seine Gaststätte oder seinen Laden wieder öffnen, erklärt Jenisch.

„In gravierenden Fällen informieren wir die Öffentlichkeit, allerdings dürfen wir den Namen des Betriebs dabei nicht nennen“, sagt der Sprecher des Ordnungsamts. „Das ist natürlich unbefriedigend, denn die Kunden wollen wissen, woran sie sind.“ Wenn die Landesregierung eine Möglichkeit findet, künftig mehr Transparenz zu ermöglichen, sei dies zu begrüßen.

Aus dem Wiesbadener Umwelt- und Verbraucherschutzministerium  heißt es, Hessen habe „mit der Planung für eine eigene landesweite Plattform zur Veröffentlichung von Kontrollergebnissen begonnen“. Wann diese Plattform starten wird und welche Daten dort veröffentlicht werden sollen, sei aber noch unklar. Das „Top-Secret“-Projekt, das maximale Transparenz  durchsetzen will, kommt dem Ministerium nun zuvor.

Kommentar: 

Die Prüfberichte der städtischen Hygienekontrolleure waren bisher Geheimsache. Von dem Verbraucherinformationsgesetz, das Foodwatch nun für Massenanfragen nutzt, wusste bisher offenbar kaum jemand. Die Aktion setzt Lebensmittelbehörden in ganz Deutschland unter Druck. Nicht nur in Frankfurt stapeln sich die Informationsanträge. So werden die Prüfberichte für jede Pommesbude und jede Pizzeria einzeln abgefragt. Das ist mühsam und kann dazu führen, dass Betriebe wegen einzelner Verstöße vorschnell als Schmuddellokale angeprangert werden. Der bessere Weg wäre es daher, wenn die Behörden von sich aus über gravierende Fälle informieren würden. Und zwar so, dass der Kunde damit auch etwas anfangen kann: Der Name des Betriebs muss genannt werden.

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