Erbaute das Schloss: Philipp Wilhelm von Riedt.
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Erbaute das Schloss: Philipp Wilhelm von Riedt.

Stadtteilgeschichte

Ihm verdanken wir das Heddernheimer Schloss

  • vonGernot Gottwals
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Buch von Stadtteilhistoriker Lothar Kilian erzählt die Geschichte der prunkvollen Baus in Alt-Heddernheim

Als Sophie von Hatzfeld 1866 in das Heddernheimer Schloss einzieht, ist sie längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Denn die "rote Gräfin" ist die Lebensgefährtin Ferdinand Lassalles, eines der Gründungsväter der SPD. Doch anders als für den Politiker und die Sozialdemokratie vermag sie für das Schloss offenbar keine rechte Liebe aufzubringen: "Zu vermieten: großes, zweistöckiges Wohnhaus, 23 Wohnzimmer", ist bereits einige Monate später wieder im General-Anzeiger zu lesen.

"Das Heddernheimer Schloss war hauptsächlich von 1740 bis 1768 durch seine Besitzer bewohnt, die Herren von Ried", stellt Lothar Kilian fest, Stadtteilhistoriker der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Der 70-jährige Fastnachter und Vorsitzende des Bürgervereins Heddernheim hat sich in den Barockbau inzwischen durchaus verliebt, wie er bekennt. Auch wenn es zuweilen eine schwierige Liebe sei: "Denn da sich das Quellenmaterial an vielen Orten verstreut findet, ist die Recherche für mein Buch oft aufwendig und mit vielen Reisen verbunden", so Kilian. Auch Enttäuschungen gehörten zuweilen dazu.

Barocker Zeitgeschmack

So auch die Enttäuschung, dass über die historische Inneneinrichtung des Schlosses, das heute Wohnungen und Büroräume enthält und innen eher zeitlos und zweckmäßig wirkt, auch bei den Denkmalbehörden kaum etwas bekannt oder erhalten ist. Denn einige Rechnungen über Möbel und Vorhänge reichen nicht aus, um sich ein schlüssiges Gesamtbild zu machen. Ob es da je gelingen kann, einen Raum nach dem barocken Zeitgeschmack einzurichten?

Zunächst beschloss Kilian, sein Buch "Das Heddernheimer Schloss und die Herren von Breidbach-Bürresheim" zu betiteln und auch verstärkt auf die Herkunft der Bewohner einzugehen. Er selbst stammt aus Baunatal und kam erst 1970 durch seinen Beruf als Polizist dauerhaft nach Frankfurt. "Eine Rückversetzung nach Nordhessen war nicht mehr möglich, also wurde ich hier heimisch und widmete mich in meiner Freizeit der Geschichte und Archäologie", sagt er.

In seiner Untersuchung geht er zunächst auf die Vorgeschichte ein: So ist das Schloss der dritte herrschaftliche Bau der Umgebung nach der 1194 erstmals erwähnten Burg Klettenberg in der Straße "Am Alten Schloss" und der 1584 errichteten Burg Philippseck. 1618 wurden die Freiherren von Riedt als Erben von Philipp Wolfgang von Praunheim-Klettenberg mit Heddernheim belehnt. "Die katholische Adelsfamilie stammte aus dem Rheingau, Philipp wurde als Obrist eines Dragonerregiments späterer General des Kurfürstentums Mainz sowie Gouverneur der gleichnamigen Stadt und Festung", erklärt Kilian.

Das Schloss ließ Philipp Wilhelm von Riedt als barocken zweigeschossigen Bau mit zwei L-förmigen Flügeln errichten, zu der Gesamtanlage gehörten eine Remise mit Pferdestall und das Hofmannshaus des Schlossverwalters. Für Aufsehen sorgte die Schlosskapelle mit einem imposanten Turm, der 1840 in den Bau der katholischen Kirche von Heddernheim integriert wurde.

Auch der Herzog feierte an der Nidda

"Da Philipp Wilhelm nur zwei Töchter hatte, gelangte das Schloss nach seinem Tod 1764 an die Freiherren von Breidbach-Bürresheim", erklärt Kilian weiter. Diese Adelsfamilie wiederum besitzt seit 1878 das Schloss Fronberg in Schwandorf (Oberpfalz), wohin einzelne Einrichtungsgegenstände gelangten. Da Heddernheim 1806 an das Herzogtum Nassau gelangte, dürfte das Schloss auch Schauplatz mancher Festlichkeit des Nassauer Hofes gewesen sein.

"Um das Jahr 1840 ist ein großer Umbau des Schlosses mit dem heute noch sichtbaren Treppenhaus belegt, das jedoch von seinen Herren kaum noch selbst genutzt wurde", erläutert Kilian. Nun folgten häufige Vermietungen, 1878 wurde ein Mietvertrag an das adlige Altersstift "Auguste-Victoria-Stift" umgewandelt und 1908 das Schloss mit seinen Ländereien für 355 000 Goldmark (nach heutigem Wert ca. 2,1 Millionen Euro) an die Stadt Frankfurt verkauft. "Ab 1910 wurden ein Krankenhaus und ab 1922 bis zu zwölf Wohnungen eingerichtet, 1923 der Schlosspark der Öffentlichkeit zugänglich gemacht", so Kilian. Nach der Kriegszerstörung und dem Wiederaufbau 1954 begann die jüngere Geschichte bis zur gegenwärtigen Nutzung durch den Bürgerverein und das Archäologische Forum Nida. "Wir möchten gerne das Heddernheimer Schloss zu einem Bürgertreffpunkt umbauen und könnten nach dem Vorbild von Schloss Fronberg auch einen historischen Raum mit Nussbaummöbeln und Seidentapeten einrichten, der die barocke Einrichtung des Heddernheimer Schlosses etwas nachempfindet", hofft Kilian. Gernot Gottwals

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