+
Die Kliniken in Höchst müssen künftig effizienter arbeiten, um das jährliche Defizit abzubauen. Die Fusion mit den Krankenhäusern im Main-Taunus-Kreis soll dabei helfen. Foto: Maik Reuß

Klinikfusion

Verdi sagt „Ja, aber nicht um jeden Preis“

Die Gewerkschaft Verdi warnt davor, die angestrebte Fusion des Höchster Krankenhauses mit den Main-Taunus-Kliniken zur Tarifflucht zu nutzen.

Die Gewerkschaft Verdi ist der Ansicht, dass bei den Fusionsverhandlungen des Klinikums Höchst mit den Main-Taunus-Kliniken die Interessen der Arbeitnehmer nicht ausreichend berücksichtigt werden: „Das alarmiert uns in höchstem Maße“, sagt Gewerkschaftssekretärin Hilke Sauthof-Schäfer. Die Fusion wird seit vergangenem Jahr diskutiert; erste Beschlüsse auf kommunaler Ebene sind auf beiden Seiten bereits gefasst (wir berichteten).

Die Interessen der Beschäftigten würden dabei weitgehend nicht beachtet; eine Einbeziehung der Beschäftigten an beiden Kliniken finde nicht statt, bemängelt Verdi. „Ökonomie, also sparen, ist offenbar das einzige Argument, das zählt. Alle Möglichkeiten, Beschäftigte und deren Vertretungen sowie die Gewerkschaft in Fragen der zukünftigen Mitbestimmung einzubeziehen, werden außer Acht gelassen“, sagt Sauthof-Schäfer.

Die Kliniken, so die Gewerkschaftssekretärin, wollen einen Verbund bilden, in dem der Grundsatz der Tarifbindung kommunal nicht mehr gelte. Tarifbindung bedeutet für Verdi die Anwendung des TVöD (Tarif der Kommunen und Städte). Die jetzt noch bestehende Tarifbindung des Klinikums Höchst werde „durch die Hintertür Stück für Stück beendet“, kritisiert Sauthof-Schäfer. Der tariflose Zustand der Main-Taunus-Kliniken solle beibehalten werden, und die neu zu gründenden Servicegesellschaften würden ebenfalls nicht an den TVöD gebunden. Sauthof-Schäfer warnt: „Das bedeutet Löhne nach Marktlage und Komplettunterwerfung unter ökonomische Maßstäbe. Wir fragen uns, was an diesem Verbund dann noch kommunal ist. Denn kommunal heißt für uns auch immer die Gewährleistung bestimmter Niveaus, was die Qualität der Arbeit, Mitbestimmung und Bezahlung angeht.“

Die Weichenstellung liege in der Verantwortung der politischen Akteure in Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis. Dazu gehöre auch, dass für die Arbeits- und Lohnbedingungen aller Beschäftigten der Tarif des öffentlichen Dienstes zur Anwendung komme. Das unter den schwierigen gesetzlichen Bestimmungen Handlungsbedarf bestehe und die Zusammenschlüsse von kommunalen Kliniken ihr Überleben sichern könnten, sei auch aus Sicht von Verdi richtig. Hilke Sauthof-Schäfer schränkt aber ein: „Wir tragen grundsätzlich solche Entscheidungen mit, aber nicht um jeden Preis.“

(hk)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare