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Hildegard Becker-Toussaint (l.) und Anne Carina Hashagen engagieren sich für den Verein.

Stadtgeflüster

Damit Opfer nicht vergessen werden

Der Verein "Hilfe für Helfer" unterstützt Opfer und Hinterbliebene, wenn Polizisten oder andere Helfer verletzt oder getötet werden.

Der Fall des am Heiligen Abend vor drei Jahren erstochenen Polizisten Christoph Rehm  in Herborn ging Hildegard Becker-Toussaint  nah. Die ehemalige leitende Staatsanwältin wollte für die Hinterbliebenen spenden. Der Getötete hatte vier Kinder, das jüngste war damals gerade mal acht Monate alt, die Mutter nicht mit Rehm verheiratet. Keine einfache Familienkonstellation. Becker-Toussaint wollte helfen, konnte aber nicht. „Es gab sehr viele Traueranzeigen, aber nirgends eine Kontonummer“, erinnert sich die 74-Jährige, die schon zu ihrer aktiven Zeit bedauerte, dass sich Prozesse stets nur um die Täter drehten. Die Opfer dürften aber nicht in Vergessenheit geraten, so Hildegard Becker-Toussaint. Und deren Angehörigen auch nicht.

Deshalb gründete sie vor zwei Jahren den Verein „Hilfe für Helfer“. Sie habe damals gemerkt, wie kompliziert es sei, die Hinterbliebenen zu unterstützen. „Man schickte mich von Pontius zu Pilatus, bis ich schließlich bei der Polizeidienststelle Herborn landete.“ Becker-Toussaint kritisiert, dass die Beihilfe für Opfer von Seiten des Staates nur schleppend funktioniere. „Das müsste alles viel unproblematischer und schneller kommen.“ Und großzügiger müsse die Hilfe auch sein. Denn: „Wenn jemand für die Allgemeinheit sein Leben geopfert hat, sollte man ihm mehr gönnen.“

Zurück nach Herborn: Schließlich kamen alle dort in der Polizeiwache zusammen und Becker-Toussaint überreichte der Lebensgefährtin des Polizisten und dem zu diesem Zeitpunkt dreijährigen Jungen einen Scheck. „Wenn es sich so umständlich gestaltet und ich mich als erfahrene Oberstaatsanwältin so durchfragen muss, wie geht es dann erst anderen“, habe sie sich damals gefragt. Denn Angehörige von Gewaltopfern seien schließlich nicht so erfahren im Umgang mit Behörden, trauerten und seien sehr mitgenommen. „Deshalb habe ich den Verein ins Leben gerufen. Die Opfer können nicht für sich kämpfen und die Hinterbliebenen meist auch nicht“, sagt die 74-Jährige. Die Mehrheit von ihnen käme mit der Situation nicht zurecht und nicht über die Tat hinweg. „Da braucht’s ein gewisses Maß an Durchsetzungsvermögen“, sagt Becker-Toussaint. Und über das verfügten diese Menschen in diesen schwierigen Momenten ihrer Leben nicht.

Das sei auch im Fall von Johannes Weber  so gewesen. Dem Polizisten wurde dreimal in den Kopf geschossen – 1981 und 1991. „Er sitzt seit 27 Jahren im Rollstuhl und seine Frau pflegt ihn“, erzählt Becker-Toussaint. „Wir haben ihm einen ordentlichen Rollstuhl beschafft“, sagt sie. Es folgten ein Unterstand, damit er auch in den Garten konnte, und ein Hebekran. Doch „Hilfe für Helfer“ unterstützt auch noch andere Menschen. So übergab der Verein kürzlich insgesamt 17 000 Euro an verschiedene Helfer. „In den vergangenen zwei Jahren haben wir 250 000 Euro zusammenbekommen.“ Für so einen Verein könne nie genug Geld da sein, deshalb freue sie sich über Spenden.

Neun Mitglieder hat der Verein, mehr sollen es nicht werden, weil die Verwaltungsarbeit so klein wie möglich gehalten werden soll, wie Becker-Toussaint erklärt. Ein Mitglied ist neben der Autorin Anne Hashagen auch Karl-Heinz Reinstädt. Der Präsident des Polizeipräsidiums für Technik in Wiesbaden gebe Tipps, wer Hilfe benötigen könnte. Doch der Verein erhalte auch Hinweise anderer. Wir freuen uns über jeden, der sich meldet“, sagt Hashagen. „Wichtig ist uns, dass wir nicht nur die Sachspenden übergeben, sondern das mit einer kleinen Feier verbinden“, erklärt Becker-Toussaint. Zu diesem Fest kämen meist auch Vorgesetzte und Verantwortliche. „So haben die Opfer Gelegenheit, über ihre Fälle zu sprechen und erhalten auch die Würdigung durch Kollegen und Vorgesetzte“. Das sei sehr wichtig.

Spendenkonto

Wer „Hilfe für Helfer“ unterstützen möchte, kann einen Betrag seiner Wahl an die Frankfurter Sparkasse IBAN DE95 5005 0201 0200 6216 88 überweisen..

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