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So zeigt sich der Turm heute . . .

Der „Franz“ wird wieder lang

Verein setzt sich für Rekonstruktion der Rathaustürme ein

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Mehrere Initiativen zum originalgetreuen Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Rathaustürme sind gescheitert. Doch jetzt soll aus der Idee, dem „Langen Franz“ sein Dach zurückzugeben, endlich etwas werden: Ein Verein unter der Führung des Architekten Christoph Mäckler sammelt Spenden – und wird unter anderem von der früheren Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) unterstützt.

Wenn man vom Hauptbahnhof aus in die Münchner Straße blickt, sieht man am Ende einen Turmstummel hervorspitzen. Es ist der „Lange Franz“, der größte Turm der Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Rathauserweiterung in der Bethmannstraße. Früher war der Turm dominanter. Mit einer Höhe von 70 Metern ragte er weit über die Dächer der Altstadt hinaus, war der höchste Profanbau der Stadt.

Im Krieg wurde der Turm schwer beschädigt und – ebenso wie sein kleinerer Bruder an der Südwestecke des Rathausneubaus – nur unvollständig wieder aufgebaut. Es fehlen zehn Meter, auf das prächtige Dach, das nach dem Vorbild des Ende des 17. Jahrhunderts abgerissenen Turms auf der Sachsenhäuser Seite der Alten Brücke entstand, wurde verzichtet.

Seitdem gab es mehrere Initiativen, die Rathaustürme zu rekonstruieren. Schon vor mehr als 30 Jahren zeichnete der Architekt Thomas Kästner Pläne im Auftrag des Hochbauamts. Umgesetzt wurden sie nie. Zuletzt scheiterte 2005 der Vorstoß des damaligen Baudezernenten Franz Zimmermann (FDP) aus finanziellen Gründen. Er schätzte damals den Aufwand auf rund 3,5 Millionen Euro.

Wie viel Geld heute nötig ist, steht noch nicht fest. Die schwarz-rot-grüne Koalition im Römer hat den Magistrat beauftragt, die Kosten zu ermitteln. Der Architekt Christoph Mäckler hat den Aufwand zwar bereits geschätzt, sagt aber nur so viel: Es werde kein zweistelliger Millionenbetrag nötig sein. Einen Teil des Geldes will der von Mäckler geleitete Brückenbauverein über Spenden auftreiben.

Die am Donnerstag im Römer präsentierte Spendenkampagne hat eine prominente Unterstützerin: Die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), die heute in der Paulskirche zur Ehrenbürgerin ernannt wird, will sich an der Spendensammlung beteiligen. „Ich will der Stadt etwas zurückgeben und ein Projekt ermöglichen, das eine Identifizierung mit der Vergangenheit ermöglicht“, sagte sie. Der „Lange Franz“ soll seine ursprünglich Gestalt in relativ kurzer Zeit wiederbekommen.

„Langer Franz“ heißt der Turm übrigens nach dem während der Bauzeit amtierenden Oberbürgermeister Franz Adickes. Der verlegte wegen der guten Aussicht sogar sein Dienstzimmer in den Turm. Sein Nachfolger Peter Feldmann (SPD) hat das auch nach der Rekonstruktion nach eigenem Bekunden nicht vor. Der niedrigere Turm wird meist „Kleiner Cohn“ genannt. Doch der Historiker Björn Wissenbach plädiert dafür, diese Bezeichnung nicht mehr zu verwenden, da sie auf einer antisemitischen Operette basiere.

Wann mit dem Turmbau am Rathaus begonnen werden könnte, ist noch nicht klar. Doch laut Mäckler sind alle Vorbereitungen getroffen: „Wenn uns morgen eine Bank 10 Millionen Euro gibt, fangen wir übermorgen an.“

(mu)

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