Tiernotrettung

Verein „Union für das Leben“ kümmert sich um kranke und verletzte Stadttiere

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Eine angefahrene Katze, ein dehydriertes Kaninchen oder eine verirrte Schlange: Die Tiernotrettung ist der erste Ansprechpartner für verängstigte Tierbesitzer, Polizei und Feuerwehr.

Der Notruf geht um 23.20 Uhr am Dienstagabend ein: Eine Katze liegt verletzt in einem Treppenhaus in Eckenheim. Tiernotfallsanitäterin Anja Friedrich schnappt sich Handy und Schlüssel, setzt sich ans Steuer des Geländewagens mit den orangefarbenen Warnleuchten auf dem Dach und braust los. „Tiernotrettung“ steht auf dem Einsatzfahrzeug. Was sie in Eckenheim erwarten wird, weiß Friedrich nicht. Wird die Katze zahm sein, wird sie kratzen und beißen? Lässt sie sich überhaupt gut einfangen? Und wie schwer ist das Tier verletzt?

Eine gewohnte Situation für die 41-Jährige. Seit fünf Jahren arbeitet sie für die Tierrettung des Vereins Union für das Leben (UNA), schiebt regelmäßig Zwölf-Stunden-Schichten und rückt aus, wenn ein Tier in Not ist. Normalerweise muss die ehemalige Landwirtin alleine zum Einsatz. Auch nachts, in fremde Wohnungen oder bei aggressiven Tieren. Eine Schicht mit zwei Leuten zu besetzen, ist im Rhein-Main-Gebiet zurzeit nicht möglich, der Verein sucht dringend weitere Mitarbeiter.

Hinter Friedrich am Sitz baumelt ein schwerer Feuerwehrhelm. Den brauche sie, falls sie von der Feuerwehr nach einem Brand gerufen werde und in einer Wohnung nach einem Tier suchen oder es versorgen müsse. Heute in Eckenheim sind nicht mal die dicken Handschuhe, die immer an Friedrichs Gürtel hängen, notwendig. Eine Frau hatte eine fremde, hinkende Katze im Treppenhaus gefunden und die Polizei alarmiert. Diese alarmierte Friedrich. Sie prüft zunächst die Vitalzeichen des zahmen Tieres – Puls, Atmung, Herzschlag. Alles gut. Nur mit dem Hinterbein scheint etwas nicht zu stimmen. Eine offene Wunde kann Friedrich nicht entdecken.

Tierärztin ist die 41-Jährige nicht, trotzdem kann sie helfen. „Ich darf das Tier untersuchen, ein homöopathisches Schmerzmittel geben, einen Zugang legen, Glucose- und Kochsalzlösungen verabreichen und ich kann natürlich Blutungen stillen“, zählt Friedrich auf. Wie das geht, hat sie während ihrer Ausbildung zur Tiernotfallsanitäterin gelernt. Vor allem aber beruhigt Friedrich auch die oft aufgeregten Tierbesitzer, entscheidet, ob Hund, Katze, Maus oder Igel zum Tierarzt oder gleich in die Tierklinik müssen und übernimmt den Transport, falls die Besitzer das nicht selbst machen möchten oder können.

Falls überhaupt ein Besitzer vor Ort ist. Bei Unfallopfern oder Fundtieren wie der Katze im Treppenhaus holt Friedrich erst einmal das Chip-Lesegerät aus dem Kofferraum. Tatsächlich ist die humpelnde Katze gechipt, aber nun kommt der frustrierende Part: „Der Chip ist nicht registriert. Das ist ein Riesenproblem. So etwas passiert immer wieder“, sagt Friedrich. Die Tierärzte setzten nur den Chip, der Besitzer müsse sein Tier mit der Chipnummer dann registrieren lassen. So bleibt Friedrich nichts anderes übrig, als die Katze ins Fechenheimer Tierheim zu bringen. Um 0.55 Uhr ist ihr Einsatz beendet, es geht zurück auf den Campingplatz in Mörfelden, der UNA-Zentrale.

Seit 2013 ist der Verein mit Sitz in Baden-Württemberg auch für die Tiernotrettung in Frankfurt und Umgebung zuständig. Zuvor habe das hier die Feuerwehr gemacht.

Bei ihren Einsätzen hat es Friedrich längst nicht nur mit den üblichen Haustieren zu tun. „Wir haben in den Frankfurter Parks durchaus auch eine Ringelnatter-Population. Manchmal verirrt sich da eine Schlange.“ Dann fängt sie mit dem Schlangenstab das Tier ein und steckt es in die blaue Kühltruhe in ihrem Kofferraum. Die glatten Wände seien ideal für Transport: „Da kann die Schlange nicht hoch – und reinbeißen kann sie auch nicht“, erklärt Friedrich.

„Bisse von Katzen oder Hunden kommen schon immer mal vor“, erzählt Anja Friedrich. Und auch die Besitzer der Tiere werden manchmal ungemütlich. „Tätlich angegriffen hat mich noch keiner, verbal schon.“

Ihren bislang außergewöhnlichsten Einsatz hatte Friedrich vor zwei Wochen. Da war ein Leguan aus einer Wohnung ausgebüchst. Friedrich ist dann durchs Gebüsch gekrochen, bis sie das Tier wiedergefunden hatte.

zu erreichen unter (07 00) 95 29 52 95 (12 Cent/Minute aus dem Festnetz).

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