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Die einen freuen sich, mit dem Flieger schnell ans Ziel zu kommen, andere sitzen mit einem schlechten Gewissen in der Kabine wegen der hohen Umweltbelastung.

Flug-Charme statt Flugscham

Gegen den Trend: "Pro Flughafen" macht sich stark für Flugverkehr 

Die Zukunft des Fliegens ist höchst umstritten. Während die Menschheit und ihr Mobilitätsbedürfnis wachsen, drängen Klimaaktivisten und Lärm-Gegner darauf, den Flugverkehr einzuschränken. Doch es gibt auch klare Plädoyers für die immense gesellschaftliche Bedeutung des Fliegens - nicht nur aus der Industrie.

Frankfurt/Darmstadt - Das Fliegen ist in Verruf geraten. Es sind nicht länger nur die Fluglärm-Gegner im Rhein-Main-Gebiet, die sich dem Wachstum des Luftverkehrs entgegenstellen. Die von der Umweltaktivistin Greta Thunberg angestoßene Klimadebatte hat zudem bei vielen Menschen eine Flugscham ausgelöst. Eine Entwicklung, die der Luftverkehrswirtschaft Sorgen bereitet.

Doch die Unternehmen erhalten auch Unterstützung - von Frankfurter Wissenschaftlern, von Politikern und von Unternehmen aus der Region. Zusammengeführt wurden die Befürworter am Mittwochabend vom Verein "Pro Flughafen" auf dem Gelände der Firma Merck in Darmstadt.

"Fliegen bietet Mobilität und Lebensqualität", erklärt Professor Yvonne Ziegler von der Frankfurt University of Applied Sciences. Mit anderen Verkehrsmitteln würde eine Reise von Frankfurt nach Peking mindestens sieben Tage dauern, nach Sydney gar 43 Tage, rechnet die Luftfahrtexpertin vor, um zu veranschaulichen, dass gerade Geschäftsreisende kaum auf Flugreisen verzichten könnten.

Luftverkehr für Gütertransport unerlässlich

Und zwischenmenschliches Vertrauen sei über Telefonkonferenzen eben doch nicht in gleicher Weise herzustellen wie durch persönliche Begegnungen, gibt Ziegler zu bedenken. "Das Fliegen führt auch Familien zusammen", erläutert die Expertin. Auch für den Gütertransport sei der Luftverkehr unerlässlich. Etwa für den schnellen Transport von sensiblen Medikamenten wie Insulin oder Impfstoffen, die "zur rechten Zeit am rechten Ort" sein müssten. "Auch für die Hochschulen ist das internationale Vernetzen wichtig", ergänzt die Wirtschaftsprofessorin. Der Austausch mit Hochschulen in aller Welt liege auch den Studierenden am Herzen.

Für die Gesellschaft sei das Fliegen auch deshalb bedeutsam, weil Reisen den Geist öffne und zum Abbau von Vorurteilen beitrage, resümiert die Frankfurter Wissenschaftlerin über den Charme des Fliegens.

Auch für die Wirtschaft komme dem Fliegen ein hoher Stellenwert zu, betont Frank Gotthardt, Leiter Unternehmens- und Regierungsbeziehungen beim Chemie- und Pharmakonzern Merck. Die 11 000 Merck-Mitarbeiter am Standort Darmstadt flögen 543 Millionen Kilometer im Jahr. Hinzu kämen 10 000 Tonnen Fracht im Jahr, die Merck mit dem Flugzeug von Frankfurt aus in alle Welt exportiere. "Das zeigt: Wir brauchen den Flughafen in der Region", bekräftigt Gotthardt. Anders sei eine Exportquote von 86 Prozent nicht realisierbar. Es gehöre etwa zum Geschäft von Merck, Labore am anderen Ende der Welt innerhalb von 24 Stunden mit wichtigen Materialien zu beliefern.

Durch technische Veränderungen und bessere Auslastung Akzeptanz erzielen

Als Beitrag zum Klimaschutz hält der Merck-Manager wenig von Flugscham oder vom CO2-Zertifikate-Handel. "Wir müssen für die Freiheit der Gesellschaft kämpfen", fordert der frühere CDU-Landtagsabgeordnete und ehemalige Umweltstaatssekretär und resümiert: "Die Probleme der Zukunft lösen wir nicht durch Verzicht, sondern durch die Technologie der Zukunft".

Diese These unterstreicht auch Professor Karl-Rudolf Rupprecht von der Frankfurt University of Applied Sciences. Um das Fliegen künftig umweltschonender zu gestalten, fordert der Wissenschaftler effizientere Triebwerke, eine bessere Auslastung der Flugzeuge auch im Frachtverkehr, alternative Brennstoffe wie Algenkerosin, eine bessere Aerodynamik der Flugzeuge und eine Gewichtsreduzierung durch neuartige Faserverbundstoffe. "Die Fluggesellschaften müssen die technischen Möglichkeiten ausschöpfen", betont Rupprecht. Dann könne der Luftverkehr auch in Zukunft gesellschaftliche Akzeptanz erzielen.

Bürgeraktion "Pro Flughafen": Diskussions-Forum von Bürgern im Rhein-Main-Gebiet

Genau darauf zielt auch die Bürgeraktion "Pro Flughafen" ab, die von den Experten hören wollte, wie man trotz Flugscham auch weiterhin für das Fliegen werben kann und wie das Fliegen der Zukunft aussieht.

Der Verein versteht sich als Diskussions-Forum von Bürgern im Rhein-Main-Gebiet. "Wir bekennen uns zum Frankfurter Flughafen und dessen Wachstum und verstehen uns als Bindeglied zwischen den Menschen und der Wirtschaft zum Flughafen", heißt es auf der Homepage des Vereins. Das Bündnis will auch ein Gegengewicht bilden zu den zahlreichen Bürgerinitiativen gegen Fluglärm.

In dem Verein sind 150 Unterstützer des Frankfurter Flughafens organisiert: Bürger, Unternehmensvertreter wie Wisag-Gründer Claus Wisser sowie Politiker wie der FDP-Landtagsabgeordnete Jörg-Uwe Hahn und der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch.

von Christiane Warnecke

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