Sabine Lauer (rechts) von PolymerFM und Thomas Bäder vom Grünflächenamt planen die Sanierung des Gebäudes.  foto: holger menzel
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Sabine Lauer (rechts) von PolymerFM und Thomas Bäder vom Grünflächenamt planen die Sanierung des Gebäudes. foto: holger menzel

Fechenheim: Galerie auf dem Friedhof

Verein will alte Totenhalle für Ausstellungen nutzen

  • vonFriedrich Reinhardt
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Polymer FM braucht noch Unterstützung für Umbau des alten Häuschens. Grünflächenamt kümmert sich um Dach und Elektrik

Wie eine vergessene Ruine steht die alte Totenhalle auf dem Fechenheimer Friedhof. Genutzt wird sie lange nicht mehr, höchstens als Abstellkammer für das Friedhofsamt. Viel wisse man über das Gebäude nicht, sagt Thomas Bäder, Leiter der Abteilung Friedhofsangelegenheiten im Grünflächenamt. Nur das Baujahr ist bekannt: 1846. Bei Recherchen unter anderem im Historischen Museum fand der Verein Polymer FM zudem Hinweise, dass das Häuschen als Lagerraum für sogenannte "Fundleichen" genutzt wurde, sagt Sabine Lauer, Vorsitzende von Polymer FM.

Der Verein und das Grünflächenamt wollen dem kleinen Häuschen neues Leben einhauchen. Polymer FM entwickelt ein Konzept für Kulturveranstaltungen, sagt Lauer, ,die die Pietät wahren und sensibel mit dem Ort der Trauer und Ruhe umgehen, aber den Friedhof stärker als einen Ort der Lebenden verstehen. Zunächst muss das Gebäude erst auf Vordermann gebracht werden.

Feuchter Putz an fleckigen Wänden

Drinnen fällt an einigen Stellen der feuchte Putz von den fleckigen Wänden, an der Decke hängen unansehnliche Leuchtstoffröhren. An den Fenstern blättert die Farbe ab. Draußen fließt das Regenwasser aus kaputten Regenrinnen, die Dachschindeln sind fast komplett von Moos überwuchert. Und am kritischsten: Ein Riss zieht sich senkrecht über die Fassade. "Wir wissen noch nicht, ob es nur ein tiefer Riss im Putz ist oder im Mauerwerk", sagt Bäder. Das wird zurzeit noch untersucht.

Für die Sanierung haben das Grünflächenamt und der Verein Polymer FM eine Vereinbarung getroffen. Das Amt kümmert sich um die Arbeiten am Dach und der Fassade. Die Elektrik hat es bereits erneuert, eine Abdeckung für den Schornstein soll noch kommen. Rund 10 000 Euro werde es kosten, sagt Bäder.

Der Verein kümmert sich um den Eingang und Innenraum. Der Putz solle ausgebessert, die Wände gestrichen, Leuchtstoffröhren gegen Lampen ausgetauscht und die Türen und Fenster restauriert werden. 5000 Euro könne der Verein aus seiner Kasse beisteuern, sagt Lauer. Zudem werden die Vereinsmitglieder und eine Bundesfreiwilligendienstlerin mit anpacken. Die Fensterrahmen und Türen müssen abgeschliffen werden. "Wir wollen sie erhalten", erklärt Lauer. "Etwas, das einen historischen und ästhetischen Eindruck hinterlässt, sollte in seiner Optik bewahrt werden". Mit 500 Arbeitsstunden rechne der Verein. "Wer mitarbeiten möchte, kann sicher gerne melden."

Ortsbeirat unterstützt das Projekt

Doch die 5000 Euro des Vereins reichen nicht aus, um die Innensanierung zu finanzieren. Mindestens weitere 5000 Euro bräuchte es, eigentlich 7724 Euro, wenn man die frei stehende Heizung mitrechnet. Dafür hat sich Lauer an den Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) gewandt. Die Stadtteilvertreter waren begeistert von der Idee. Diskussion gab es nur über die Frage, ob der Ortsbeirat 5000 Euro dazugibt oder gleich den ganzen Betrag. "Mit 5000 Euro ist das Projekt gesichert", sagte Sebastian Schugar (CDU) und über die 2724 Euro für die Heizung solle der neugewählte Ortsbeirat nach der Wahl entscheiden. Linke und SPD sprachen sich dafür aus, gleich den vollen Betrag freizugeben. Benjamin Wiewiorra (CDU) argumentierte, man solle den Eindruck vermeiden, der Ortsbeirat "verprasse" in seiner letzten Sitzung das ganze Budget. Ortsvorsteher Werner Skypalle (SPD): "Wir haben die letzten beiden Jahre Geld vor uns hergeschoben. Knapp 49 000 Euro lägen auf dem Konto und ein vergleichbares Projekte sei nicht in Aussicht. Letztlich entschied das Argument von Stefan Klee (Linke) "Es macht wenig Sinn Räume zu renovieren, wenn man sie dann nicht heizt und der Putz wieder von den Wänden fällt." Mit 7724 Euro fördert so der Ortsbeirat das Projekt.

Lauer ist von der allseitigen Unterstützung überrascht. Vom Grünflächenamt habe sie mit mehr Widerstand gerechnet. "Wir haben uns über die Anfrage gefreut", sagt Bäder. An dem Haus hätte ohnehin etwas gemacht werden müssen und Lauer achte darauf, dass die Pietät gewahrt bleibe. Friedrich Reinhardt

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