Stephan Hartung, Vorsitzender des Arbeitskreises Eschersheimer Vereine, sowie die Stadtverbands-Vorstandsmitglieder Uwe Lüdicke (Foto- und Videograf), Lisa Retsch (Schriftführerin) und Uwe Serke (Vorsitzender) präsentieren an der Hauptwache das Plakat zur Aktion.
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Stephan Hartung, Vorsitzender des Arbeitskreises Eschersheimer Vereine, sowie die Stadtverbands-Vorstandsmitglieder Uwe Lüdicke (Foto- und Videograf), Lisa Retsch (Schriftführerin) und Uwe Serke (Vorsitzender) präsentieren an der Hauptwache das Plakat zur Aktion.

Pandemie

Vereine wollen Corona-Lähmung abschütteln

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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Die Aktion "Raus aus de Schlabbe" soll stadtweit den Neustart fördern und neue Mitglieder werben.

Frankfurt. "Raus aus de Schlabbe!" - das Ende der Corona-Lethargie ruft der Stadtverband der Frankfurter Vereinsringe aus. Seit März 2020 liegt das Vereinsleben brach; Trainings- und Vereinszentren sowie Bürgerhäuser, Schwimmbäder und Sportanlagen sind geschlossen, Feste und Veranstaltungen mussten abgesagt werden. "Am Anfang war das eher ein finanzieller Aspekt", sagt Uwe Serke, der Vorsitzende des Stadtverbands. Seit Ende vorigen Jahres brächen in vielen Vereinen aber nun verstärkt tragende Strukturen weg: "Leute, die sich engagiert haben, bleiben zu Hause und liegen auf dem Sofa." Aus den "Schlabbe" holen will der Stadtverband der Vereinsringe nun diese Ehrenamtlichen - und andere neu gewinnen.

Von heute an hängen in der ganzen Stadt Plakate, die auf die Aktion aufmerksam machen. In den Sozialen Medien wird ein kurzes Video unter #vereintinfrankfurt und auch #rausausdeschlabbe geteilt. "Zu sehen sind keine Darsteller, sondern echte Vereinsgesichter", sagt Serke: Fußballer, Fastnachter, Sportschützen, Big-Band-Musiker und andere Mitglieder Frankfurter Vereine haben mitgemacht, in Licht und Szene gesetzt von Uwe Lüdicke. Bis zum Sonntag läuft eine Aktionswoche. Höhepunkte sind eine Vereins-Flaggenparade am Samstag, 28. August, die um 11 Uhr vor der Alten Oper beginnt und durch die große Bockenheimer Straße über die Hauptwache zum Römer führt. Dort werden die Vereinsvertreter gegen 12 Uhr von der Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner (Grüne) und Bürgermeister Uwe Becker (CDU) begrüßt. Mundart-Musiker Rainer Weisbecker wird das Lied "Neue Freunde" vorstellen, in dem auf Frankforderisch dazu aufgerufen wird, in den Vereinen mitzumachen - egal, woher man kommt. Am Sonntag, 29. August, gibt es lokale Aktionen in verschiedenen Stadtteilen.

Stadtweit mehr als 350 000 Mitglieder

In den vergangenen acht Wochen ist die Aktion vorbereitet worden, trotz der Sommerferien. "Die Idee zu einer Aktionswoche kam bereits Anfang des Jahres auf, da wir uns gedacht haben, dass es nach einem solch umfassenden Stillstand, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hat, einen besonderen Anschub benötigt, um das ehrenamtliche Engagement neu zu starten", sagt Uwe Serke, der seit 2017 den Stadtverband der Frankfurter Vereinsringe führt, den Dachverband von 34 Frankfurter Vereinsringen mit mehr als 1100 Clubs und etwa 350 000 Mitgliedern. Gemeinsam mit dem Vorstand des Stadtverbands haben sich die Vereinsringe Bergen-Enkheim, Bornheim, Harheim, Sossenheim und Zeilsheim sowie der Arbeitskreis Eschersheimer Vereine bereitgefunden, die Organisation der Aktion "Verein(t) in Frankfurt - Raus aus de Schlabbe" zu übernehmen. "Der Stadtverband hätte es alleine nicht schaffen können", dankt Uwe Serke für die Unterstützung.

Einerseits sollen damit Vereine und ihre Mitglieder beim Neustart unterstützt werden; andererseits geht es darum, eine hohe Aufmerksamkeit für das große Frankfurter Vereinsangebot und das Ehrenamt zu erreichen. "Wir haben in Frankfurt ein sehr vielfältiges und sehr buntes Vereinsleben", wirbt Serke. Es sei kaum abzuschätzen, was "an tausenden und abertausenden Stunden ehrenamtlicher Arbeit Jahr für Jahr von den Aktiven in den Vereinen geleistet werde - teils zur Pflege eines Hobbys, oft aber auch in so wichtigen Bereichen wie der Kultur oder Sozialem. "Wir erhoffen uns, mit der Aktionswoche das Zusammengehörigkeitsgefühl der Vereinsmitglieder nach der langen Auszeit wieder zu stärken, Stadt und Land für die Situation und Bedeutung der Vereine zu sensibilisieren und auch neue Mitglieder für ein Engagement in den Vereinen zu begeistern", sagt Serke. Auch nach der Aktionswoche gehe das Engagement weiter: Geplant seien in Nord und Süd, Ost und West Info-Stammtische, um die Vereinsringe besser zu vernetzen, Workshops und eine Online-Stellenbörse für freie Ehrenamts-Positionen.

Anmelden für die Flaggenparade

An der Vereinsparade "Vereine zeigen Flagge" am Samstag können noch Vereine teilnehmen - am Besten mit ihrer Fahne oder einem Banner. Anmelden können sich Vereine bei der Schriftführerin des Stadtverbands Lisa Retsch per E-Mail an l.retsch@stadtverband.de. Auch eigene Aktionen in den Stadtteilen sind noch möglich und werden vom Stadtverband unterstützt. hv

Mehr Infos zur Aktionswoche

unter https://vereintinfrankfurt. stadtverband.de

Kommentar: Gemeinsam die Gesellschaft gestalten

Eine Lähmung liegt über der Stadt - erst langsam versucht man bei den Vereinen, zum Tagesgeschäft zurückzukehren. Auch wenn wieder Übungsstunden in Präsenz erlaubt sind, Training und Chorproben anlaufen, Vereinsheime aufgeschlossen und der Staub von den Möbeln gepustet wird: Anderthalb Jahre Aus-Zeit, nur unterbrochen im vergangenen Herbst vom kurzen Versuch, Alternativen zu etablieren, haben große Schäden im Vereinsleben hinterlassen. Nicht nur, dass bei Vereinen, die von manchen nur als Dienstleister zur Jugendbespaßung gesehen werden, Hunderte, vielleicht Tausende Mitgliedschaften gekündigt wurden - viel schwerer wiegt der Verlust von ehrenamtlichen Helfern, die sich in der Resignation eingerichtet haben und erst wieder dazu motiviert werden müssen, sich Woche für Woche in ihrer Freizeit für andere einzusetzen. Es wird viel gelästert über die "Vereinsmeierei" der Deutschen, aber dabei übersehen, dass das Vereinsleben die größte Bürgerinitiative dieser Republik ist - die Initiative, etwas für andere zu tun, gemeinsam die Gesellschaft zu gestalten. Wer beim Fußballverein die Bambini trainiert oder die Gardemädchen, wer bei der Feuerwehr für Weiterbildung sorgt oder im Chor für die Gemütlichkeit, wer Altenclubs leitet und Sitzgymnastik für Senioren anbietet, tritt ein für ein fruchtbares Miteinander, das von der Pandemie in Mitleidenschaft gezogen worden war. Es möge wieder auferstehen!

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