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Wirtschaftsclub Rhein-Main e.V. am Rathenauplatz 2-8 in Frankfurt am 18.08.2016.

Innovationspreises der Deutschen Wirtschaft

Vergabe des Innovationspreises der Deutschen Wirtschaft: Gekaufter Ruhm?

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Nach dem Bekanntwerden von Unregelmäßigkeiten im Wirtschaftsclub Rhein-Main e. V. werden weitere Vorwürfe laut: Der renommierte „Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft“ soll in Teilen an Unternehmen vergeben worden sein, die entsprechende Sponsorengelder überwiesen hatten.

Im Wirtschaftsclub Rhein-Main e. V. schlagen die Wellen hoch: Vorwürfe der Vorteilsnahme und der Veruntreuung von Vereinskapital stehen im Raum (wir berichteten). Nun rückt auch der „Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft“, das Aushängeschild des Clubs, in den Fokus: Wurde einer der vergebenen fünf Preise gegen die Überweisung von Sponsorengeldern in fünfstelliger Höhe vergeben – wie es ein internes Papier zumindest vermuten lässt.  Fakt ist: Hier sollen Unregelmäßigkeiten bei der Preisvergabe aufgetreten sein, die den Compliance-Beauftragten eines jeden Unternehmens sofort auf den Plan gerufen hätte.

 

Der viel gerühmte Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft – keine Anerkennung für erfolgreiches Unternehmertum, sondern käufliche Trophäe für potente Geldgeber? Der neue Präsident des Clubs, Thomas Kremer, ist dabei, für Aufklärung zu sorgen. Er hat ein Untersuchungsgremium eingesetzt, das den Auftrag hat, die Unregelmäßigkeiten in Bezug auf den Club zu überprüfen. Mitte Oktober wird der Bericht vorliegen.

 

Die Mainzer Schott AG zahlte zum Beispiel für Tische und Karten 14 350 Euro – und bekam in diesem Jahr den Innovationspreis in der Kategorie „Großunternehmen“ zugesprochen. Der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf aus Baden-Württemberg steuerte als „Classic-Stifter“ 20 000 Euro bei – und bekam den Innovationspreis in der Kategorie Industrie 4.0.

Diese Preise wurden allerdings erst nach einem aufwendigen Auswahlverfahren vergeben. Es ist bei solchen Veranstaltungen durchaus üblich, dass vorher Sponsorengelder von den Firmen eingetrieben werden, die auch als Preisträger infrage kommen. Das Kuratorium weiß nicht, wer wie viel Geld gesponsert hat. Insofern ist durch den Kuratoriumsentscheid sichergestellt, dass kein Zusammenhang zwischen Preisverteilung und Sponsoring besteht.

Fragen werfen allerdings der Fall der Preisverleihung an die Firma Syntellix AG aus Hannover im Jahr 2013 und der Preis an deren Aufsichtsratsvorsitzenden im Jahr 2015/16 auf. Aufsichtsratsvorsitzender des Medizintechnik- Unternehmens ist der ebenso streitbare wie umstrittene Manager Utz Claassen. Ein Mann, der große Energie-Unternehmen führte und der zeitweise auch einen Fußballclub sein eigen nannte. Er sitzt mit 23 weiteren Personen auch im Kuratorium des Innovationspreises.

Utz Claassen bekam in diesem Jahr die Auszeichnung „Innovativster Unternehmer International“ zugesprochen. Und es ist nicht die erste Auszeichnung, die er  beim Wirtschaftsclub Rhein-Main e. V. abholte: Eben bereits 2013 erhielt Syntellix den Innovationspreis in der Kategorie „Start-up- Unternehmen“. Auch damals war Claassen schon Mitglied in dem Kuratorium. Ein bisschen viel Ehre für ein Unternehmen, das über seinen Aufsichtsratsvorsitzenden unmittelbar Einfluss auf die Ehrung nehmen könnte? Es gestaltet sich nicht gerade einfach, den Sachverhalt zu hinterfragen.

Auf die Frage, ob Syntellix oder Claassen persönlich als Sponsor an den Wirtschaftsclub oder die „Innovationspreis GmbH“ Geld gezahlt haben, antwortet die Pressestelle des Unternehmens mit einem unmissverständlichen Satz: „Es gab kein Sponsoring-Engagement unserer Firma.“ Utz Claassen hingegen lässt ausrichten: „Syntellix hat die Gala der Preisverleihung nicht ,finanziell stark unterstützt’.“

Beiden Aussagen widerspricht eine interne Liste des Wirtschaftsclubs, die der FNP vorliegt: Darauf steht der Name Syntellix – als Sponsor mit einer Summe von 25 000 Euro. Da die Eigenschaft als Sponsor per se auch als Preisträger zulässig ist, warum leugnen Syntellix und Claassen diese Leistung dann?

25 000 Euro sind ein Betrag, der in der Höhe ganz weit oben auf der Liste der Sponsorenliste steht. Auf der Liste tauchen 32 Firmen auf, die größten Summen kamen von  AT Kearney, Silkom, Trumpf, Heinze Group, Fraport und Infraserv und eben von Syntellix.

Utz Claassen argumentiert so, dass er laut Vertrag mit der Sxntellix erst für das Jahr 2016/17 eine Sponsorenverpflichtung  abgeschlossen hat. Warum die Summe doch bereits  für 2015/16 erscheint, kann er sich nicht erklären.

 

Und dann gibt es noch eine Auffälligkeit, die zu klären wäre: Über die Vergabe des Innovationspreises (mit den vier Kategorien „Großunternehmen“, „Industrie 4.0“, „Mittelstand“ und „Start-up“) entscheiden die Mitglieder eines Kuratoriums in einem aufwendigen Verfahren. Das hochkarätig besetzte Gremium – in dem neben Utz Claassen auch weitere 23 Unternehmer, aber auch Vorstandschefs (etwa der Fraport) oder verdiente Politiker wie die Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth sitzen – tagte Mitte April dieses Jahres, am Ende standen die vier Preisträger dieses Jahres fest.

Der Gewinner des fünften Preises – „Innovativster Unternehmer International“ – wurde nicht zuvor in der Kuratoriumssitzung besprochen. Dies ließe sich eventuell zunächst damit erklären, dass Claassen wohl als Kuratoriumsmitglied nicht über eine Preisvergabe an sein Unternehmen oder seine Person mitentscheiden sollte.

Wie der zusätzliche Preis, der dann letztendlich an Utz Claassen ging, zustande kam, das können sich viele der beteiligten Kuratoriums-Mitglieder, mit denen die FNP sprach, nicht erklären. Auch mehrere Anfragen dieser Zeitung an den Wirtschaftsclub Rhein-Main e. V. und die „Innovationspreis GmbH“, wo der fünfte Preis für Herrn Claassen plötzlich herkam und wer den Unternehmer mit welcher Begründung ausgewählt hat, blieben unbeantwortet.

Utz Claassen spricht immerhin – besser: er lässt mailen. Wann die Nominierung erfolgt sei, „wissen wir natürlich nicht“. Ebenso wenig habe er Kenntnis „von den Details des ihn betreffenden Entscheidungsprocedere“. Weiter sagt Claassen: „Der von Ihnen hinterfragte Zusammenhang (zwischen Preisvergabe und Sponsoring) kann schon im Ansatz nicht bestehen. Die Syntellix AG als Bewerber um den Preis hat in keiner Weise Einfluss genommen und hätte dazu auch keinerlei Möglichkeit gehabt.“

Darüberhinaus verbittet sich der Unternehmer weitere Fragen. Utz Claassen möchte offensichtlich nicht, dass der ihm verliehene Innovationspreis kritisch hinterfragt wird. Über die „Sozietät für Kommunikation“ lässt er schriftlich ausrichten, die FNP solle die „Geschäftsschädigung durch die verdeckte Publikation von Anfragen einstellen".

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