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Frankfurt am Main 26.11.2017, Stadtteil Sachsenhausen, Alt-Sachsenhausen, Gang durch das Vergnügungsviertel nach Mitternacht. (c) Foto: Rainer Rüffer

Sachsenhausen

Verheerende Hygiene-Mängel im Kneipenviertel

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Bei einer gemeinsamen Kontrollaktion haben Polizei und Ordnungsamt Lokale in Alt-Sachenhausen unter die Lupe genommen. Sie entdeckten gestohlene Geldbeutel, illegale Spielautomaten und eine Kneipe, in der an Ausschank nicht mehr zu denken gewesen sei. Sie musste wegen Hygienemängeln schließen. Welche Lokale dies waren, geben die Behörden allerdings nicht bekannt.

Gegen 19.30 Uhr legten die Polizeibeamten und die Kontrolleure des Ordnungsamts los. Die gemeinsame, groß angelegte Aktion im Kneipenviertel Alt-Sachenhausen dauerte bis Donnerstagfrüh. 16 Gaststätten wurden überprüft. Für zwei Wirte endete die Kontrolle besonders unangenehm: Sie mussten wegen „verheerender Hygienemängel“ sofort schließen, teilten Polizei und Ordnungsamt hinterher mit. Um welche Lokale es sich dabei handelte, geben die Behörden nicht bekannt. Der Datenschutz erlaube das nicht, heißt es zur Begründung.

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Immerhin so viel: In einem Fall geht es um eine Speisegaststätte in der Wallstraße, die unter starkem Ungezieferbefall leidet. Dass es in Alt-Sachenhausen immer wieder Probleme mit Kakerlaken gebe, berichten Gastronomen hinter vorgehaltener Hand. „Die Gebäude sind alt, es gibt so viele Ritzen. Da muss der Vermieter ständig hinterher sein und den Kammerjäger immer wieder schicken“, sagt ein Barbetreiber.

Stark vermüllt und verdreckt

Das andere dichtgemachte Lokal ist eine Schankwirtschaft. Es sei „stark vermüllt und verdreckt“ gewesen, teilten die beteiligten Behörden mit. „An einen Ausschank wäre hier nicht mehr zu denken gewesen.“

In welcher Straße es sich befindet, könne nicht mitgeteilt werden, sagte eine Polizeisprecherin. Denn in diesem Fall wäre der betroffene Betrieb leicht zu identifizieren. Es muss sich laut dem in der Pressemitteilung genannten Einsatzbereich um die Färberstraße, Frankensteiner Straße, Große Rittergasse, Klappergasse, Kleine Rittergasse oder Paradiesgasse handeln.

Geschlossen bleiben müssen die beiden Lokale aber nicht auf Dauer. Denn die betroffenen Wirte hätten nun die Möglichkeit, die festgestellten Mängel zu beseitigen, erklärt Matthias Heinrich, stellvertretender Leiter des Frankfurter Ordnungsamts. „Sie werden dann erneut kontrolliert und können, wenn dann alles in Ordnung ist, ihre Gaststätte wieder öffnen.“

Auch deshalb sollen wohl die Namen der Schmuddelbetriebe nicht bekanntwerden. Die Behörden wollen ihnen einen Neustart ermöglichen. Rufschädigende Zeitungsberichte wären dabei ein Hindernis. Für die betroffenen Gäste ist dies natürlich unbefriedigend.

Bei der nächtlichen Aktion im Kneipenviertel wurden nicht nur Hygieneprobleme festgestellt, sondern auch andere Verstöße. Einige Lokale hatten zum Beispiel Geldspielgeräte aufgestellt, deren Zulassung längst abgelaufen war oder die gar keine Zulassung haben.

In zwei verschiedenen Gaststätten wurden insgesamt drei Geldbeutel gefunden, die bereits vor Monaten als gestohlen gemeldet wurden. Außerdem traf die Polizei auf einen Mann, gegen den ein Haftbefehl vorlag. Der 43-Jährige kam ins Gefängnis.

Auffällig waren laut Polizeibericht zudem einige Falschparker: „Sie hatten ihre Fahrzeuge im Halteverbot abgestellt und hielten sich anschließend geschlossen in einem Lokal in der Färberstraße auf. Die Herren dürfen allesamt für diese Ordnungswidrigkeit aufkommen.“

„Noch ein weiter Weg“

Gastronom Jürgen Vieth, der mehrere Kneipen in Alt-Sachsenhausen betreibt, sagt: „Wir begrüßen solche Aktionen. Regelmäßige Kontrollen helfen, den Ruf des Viertels zu verbessern.“ Denn unter den Fehlern Einzelner würden letztendlich alle Wirte in Alt-Sachsenhausen leiden. Er hoffe, dass irgendwann keine größeren Verstöße mehr entdeckt werden. „Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg“, seufzt Vieth.

Ein Problem der örtlichen Kneipenszene sei, dass die Betreiber mancher Lokale häufig wechseln. „Da wird eine Bar geschlossen, kurz darauf macht sie ein Onkel oder eine Tante wieder neu auf“, sagt Vieth. Das mache es auch für das städtische Ordnungsamt so schwierig.

Die beteiligten Behörden kündigten bereits an, nicht locker zu lassen: „Das Ergebnis der Kontrollen zeigt, wie wichtig diese sind.“ Daher würden Polizei und Ordnungsamt auch zukünftig gemeinsam Gaststättenkontrollen durchführen, heißt es in der gestern veröffentlichten Pressemitteilung.

Darin steht am Ende noch ein versöhnlich gemeinter Satz: „Glücklicherweise gab es auch Gaststätten, bei denen kaum oder keine Mängel festzustellen waren.“

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