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Spaziergänger am Goetheturm in Frankfurt am Main: Der Goetheturm war einer der höchsten hölzernen Aussichtstürme Deutschlands. Foto: Arne Dedert

Täterprofil

Verheerendes Feuer am Goetheturm: Kriminologe vermutet Jugendbande

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Nach Erfahrungen des Experten Christian Pfeiffer wollen Jugendliche aus ihrer gefühlten Ohnmacht ausbrechen. Sie sind fasziniert von der Macht der Flammen, sagte er im Gespräch mit Jörn Tüffers.

Was für ein Täter kommt für die Brandstiftung am Goetheturm oder für die Serie in Frage?

CHRISTIAN PFEIFFER: Es gibt drei Gruppen. Bei der ersten handelt es sich um eine Jugendbande. Deren Mitglieder stacheln sich gegenseitig an. Sie sind fasziniert vom Feuer und vespüren Macht – weil sie sich ansonsten in ihrem Leben machtlos fühlen. Es gibt aber ab und zu auch Feuerwehrmänner, die zu Tätern werden: Das ist die zweite Gruppe. Manch einer ist reichlich gefrustet, weil er immer nur Keller auspumpen und Katzen von Bäumen holen muss. Er will, dass es endlich mal brennt und er seine Power zeigen kann. Die dritte Gruppe sind Männer, die im Leben gescheitert sind und die Brandstiftung wie eine Machtdroge benötigen, um endlich Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Was sagt die Wahl der Anschlagsorte über einen möglichen Serientäter aus?

PFEIFFER: In Süddeutschland hat es mal einen Mann im Gartenbauamt gegeben, der Bäume ansägte – sie fielen dann bei Stürmen um. Er fühlte sich von seinen Vorgesetzten schlecht behandelt und wollte sich rächen. Auf Frankfurt übertragen: Ist da ein Täter, der mit der Vernichtung herausragender Kulturdenkmäler jemand Bestimmtem Schmerz zufügen möchte? Das hat dann nichts mit Rausch zu tun.

Halten Sie das für wahrscheinlich?

PFEIFFER: Ich tendiere dazu, dass es sich um eine Jugendgruppe oder den Einzelgänger handelt. Manchmal ist es recht simpel: Die Ziele waren frei zugänglich. Die Täter mussten nicht befürchten, erwischt zu werden. Und: Holz brennt gut.

Wieso sind nach den beiden ersten Bränden mehrere Monate vergangen?

PFEIFFER: Das kann ähnlich wie bei einem Vergewaltiger sein – nach seiner Tat beschleicht ihn die Angst vor dem Erwischtwerden. Dann aber wird der Drang zu großund es passiert wieder.

Sie gehen davon aus, dass es erneut brennen wird?

PFEIFFER: Das ist zu befürchten.

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