Die Seilbahn auf dem Gelände der Internationalen Gartenausstellung im Osten der Stadt ist ein attraktives Touristenziel, aber kein Alltagsvehikel für die Bürger. Ob es eine in Frankfurt sein könnte? Mit großem Ehrgeiz werden mögliche Projekte nicht gerade untersucht.
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Die Seilbahn auf dem Gelände der Internationalen Gartenausstellung im Osten der Stadt ist ein attraktives Touristenziel, aber kein Alltagsvehikel für die Bürger. Ob es eine in Frankfurt sein könnte? Mit großem Ehrgeiz werden mögliche Projekte nicht gerade untersucht.

Nahverkehr

Löst die Seilbahn die Verkehrsprobleme in Frankfurt? Experten äußern klare Meinung

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Lassen sich Frankfurts Verkehrsprobleme mit Seilbahnen lösen? Es gibt mehrere Gründe, warum Fachleute und Politik zweifeln.

Frankfurt - Ob der Traum vom lautlosen Schweben per Seilbahn über den Stau in Erfüllung gehen wird, wird auch von der neuen Stadtregierung noch nicht beantwortet. Heiko Nickel, der die Strategische Verkehrsplanung im Verkehrsdezernat leitet, verweist auf den Masterplan Mobilität, der im Januar 2023 vorliegen soll, in mehr als einem Jahr also.

„Wir sind weder Freund noch Feind einer Seilbahn“, sagt Nickel, „wir sehen es unideologisch.“ Im Masterplan Mobilität solle beurteilt werden, welche Art von Fortbewegung benötigt wird und wie die Bedürfnisse der Frankfurter und der Pendler effektiv, sauber und sicher erfüllt werden können. „Der Masterplan ist ganz nüchtern. Dabei kann eine Seilbahn vorgeschlagen werden, oder auch nicht“, so Nickel.

Seilbahn in Frankfurt? In vielen Städten gibt es sie bereits

Seilbahnen wurden vor einigen Jahren für Frankfurt prominent ins Gespräch gebracht von Thomas Horn, dem Direktor des Regionalverbands Frankfurt. Dort leitet Georgios Kontos die Abteilung Mobilität. Er berichtet: "Wir als Regionalverband sitzen im Beirat des Frankfurter Masterplans und können uns gut beteiligen." Die Gefahr, dass Frankfurt an den Bedürfnissen der Region vorbei plane, bestehe nicht.

Seit 2020 kann der Bund den Bau von Seilbahnen fördern, unter bestimmten Voraussetzungen. Und in vielen Städten beginnen die Überlegungen, in manchen sind die Bahnen schon errichtet.

Seilbahn in Frankfurt gut für den Tourismus, aber in der Rush-hour problematisch

Allerdings ist es meist eine lediglich für touristische Zwecke gedachte Anlage. So in Berlin, wo seit 2017 eine Seilbahn auf den idyllischen Kienberg im Osten der Stadt fährt. Gebaut wurde sie anlässlich einer Gartenausstellung. So wie auch in Koblenz, wo eine Seilbahn über den Rhein entgegen den ursprünglichen Plänen nicht nach Ende der Bundesgartenschau 2011 abgebaut wurde, sondern bis mindestens 2026 weiter fährt. Bonn, neidisch geworden auf Koblenz, plant jetzt auch eine Seilbahn über den Rhein. Indes sind dies alles Bahnen, in denen eben weniger Pendler oder Einheimische fahren, sondern es sind Touristen und Städtereisende.

Verkehrsprobleme in Metropolen wie Frankfurt lassen sich dadurch eher nicht bewältigen. Thomas Horn hatte 2019 vorgeschlagen, Park+Ride-Plätze am Stadtrand zu errichten und dann die Pendler in Gondeln zur nächsten großen U-Bahn-Station zu fahren. Ein Problem dabei: Pendler müssen zur Arbeit, sie können nicht lange warten. Eine Seilbahn mit kleinen Gondeln wird in der Rush-Hour den Bedarf nicht decken können, eine mit großen Gondeln hingegen ist teuer und fährt die meiste Zeit des Tages leer.

Mit der Seilbahn bald durch Frankfurt? Professor untersucht mehrere Trassen

Prof. Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt hat von Studenten planen lassen: Eine Seilbahn, die das Terminal 3 des Flughafens anbindet an Frankfurt. Mit Haltestellen in Zeppelinheim, Neu-Isenburg und dem Waldparkplatz endet ihre Plan-Bahn an der Haltestelle Louisa in Sachsenhausen. Sei es, dass Fluggäste die Bahn nutzen, sei es, dass es Fußballfans sind: Insgesamt errechnen die Darmstädter Techniker ein Potenzial von 16 bis 20 Millionen Fahrten pro Jahr. Wobei es, wenn Stadionbesucher nach Eintracht-Spielen in die Gondeln drängen, zu Wartezeiten kommen muss, während die Fluggäste wohl durch die über den Tag verteilten Abflugzeiten tatsächlich eine Alternative zur Autofahrt haben könnten.

Weitere Vorschläge sind eine Verbindung vom Deutsche Bank Park über Stresemannallee zum Hauptbahnhof und eine Seilbahn von der Raststätte Taunusblick über die A5 zur U-Bahn-Endhaltestelle Heerstraße. Dann könnte der Taunusblick als Pendler-Parkplatz attraktiv werden. Aber bei beiden Vorschlägen Thomas Horns stellt sich die Frage, ob eine Seilbahn überhaupt geeignet ist, zu Stoßzeiten das hohe Fahrgastaufkommen aufzunehmen. Das ist sie nämlich nicht. Sie ist geeignet, einen einigermaßen gleichmäßigen Betrieb zu gewährleisten, so wie in Skigebieten oder bei Reisezielen.

Im Nahverkehrsplan 2025+ der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq wird vorgeschlagen, die Strecke zwischen Kaiserlei und der Haltestelle Eissporthalle/Festplatz mit einer Gondelbahn zu verbinden. Ein Zwischenstopp wäre am Straßenbahnhalt Riederhöfe möglich. Mehrere andere untersuchte Trassen bieten weniger Chancen für einen wirtschaftlichen Betrieb.

Dezernat in Frankfurt setzt mehr auf Busse und Bahnen - aus zwei Gründen

Heiko Nickel vom Verkehrsdezernat ist nicht optimistisch, wenn es um die Frage geht, ob Frankfurt unter der Viererkoalition eine Seilbahn bekommt. „Seilbahnen sind gut bei Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Haltestationen sind schwieriger“, sagt er. „Man muss sich fragen, wo es Sinn hat.“ Fast immer sei es sinnvoller, Straßenbahnen und U-Bahnen zu verlängern, denn dann entfallen die Umsteigezwänge. Dies ist auch bei der Heerstraße und der Raststätte Taunusblick so.

Wie immer in Verkehrsfragen, müsse eine Kosten-Nutzen-Rechnung angestellt werden, erläutert Nickel. Das Argument der Befürworter, die Seilbahnen seien schnell gebaut, lässt er dabei nicht gelten: „Die meiste Zeit vergeht während der Planfeststellung“, sagt Nickel. In Deutschland dauern Großprojekte 50 Jahre, und alleine 30 bis 35 Jahre nehmen die juristischen und gutachterlichen Auseinandersetzungen in Anspruch. „Das wird bei einer Seilbahn nicht anders sein“, so der Chefplaner im Verkehrsdezernat.

So oder so: Der Masterplan Mobilität liege 2023 vor, und dann könne man Vorschläge diskutieren. "Unabhängig davon gibt es aber auch einen Mobilitätsplan Schiene, und vielleicht werden dort Seilbahnen vorgeschlagen. Das werden wir nicht behindern", versichert Nickel. Ob und wann eine Seilbahn kommt, könne auch ganz unabhängig vom Masterplan Mobilität entschieden werden. (Thomas J. Schmidt)

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