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Hat sich aus Frankfurt nach kurzer Zeit wieder zurückgezogen: die Deutsche Bahn mit ihrem Clevershuttle.

Verkehr

Stadt Frankfurt bremst Sammel-Shuttles aus

Sogenannte "Ridepooling"-Shuttles sind wesentlich günstiger als Taxis und flexibler als Busse. In Frankfurt haben es Anbieter allerdings schwer. 

Frankfurt - Flexibel wie im Taxi fahren, aber gemeinsam mit anderen Fahrgästen wie im Bus: So funktioniert das Ridepooling, denn es bündelt (englisch: "pooling") Mitfahrten (englisch: "Ride"). Das Angebot ist eine der vielen Ideen, die derzeit auf den Mobilitätsmarkt drängen. Die Benutzung ist simpel: Fahrgäste bestellen die Mitfahrt per Smartphone-App aus ab der nächsten Straßenecke. Das Fahrzeug holt dann mehrere Fahrgäste aus einem Gebiet ab und rollt zu ähnlich gelegenen Zielen. Die Fahrtroute ist ganz flexibel, richtet sich nach den Wünschen der Kunden.

Verkehr Frankfurt: Sammeltaxis haben es schwer - Shuttle wird nicht überall genutzt

Durch die gemeinsame Nutzung werden die Fahrten teils sehr günstig, kosten nur zwei bis drei Euro - deutlich günstiger als Taxifahrten und oft auch billiger als Bus und Bahn. Es sind Minivans oder Kleinbussen, die durch diverse deutsche Städte rollen. 

In Berlin heißen sie Berlkönig: Die Verkehrsbetriebe BVG lassen 75 Mercedes-Vans durch einige Stadtteile fahren. In Hannover ist die VW-Tochter Moia unterwegs, ebenso in Hamburg - hier mit 200 gold-schwarzen Elektro-Kleinbussen. Elektro- ud Wasserstofffahrzeuge von Clevershuttle, einer Tochter der Deutschen Bahn, rollen durch Berlin, München, Leipzig, Dresden, Düsseldorf, Kiel.

Auch wenn Moia in Hamburg kürzlich stolz 770.000 Fahrgäste binnen des ersten halben Jahres bilanzierte, scheint die Idee andernorts bisher nicht zu zünden. Mangels Nachfrage reduziert Moia sein Angebot aktuell in Hannover. Und die Bahn hat Clevershuttle vor kurzem aus Hamburg und Stuttgart zurückgezogen - ebenso wie aus Frankfurt. So richtig ins Laufen gekommen war der im Frühjahr begonnene Betrieb in der Main-Metropole nicht einmal. Von der Stadt gab es keine Genehmigung, erklärte ein Clevershuttle-Sprecher. Ohne diese habe mit dem Dienst kein Gewinn erzielt werden dürfen.

Verkehr Frankfurt: Sammeltaxi und Shuttle bringt auch Nachteile mit sich

Im Verkehrsdezernat sieht man das Ridepooling kritisch - zumindest in der bisherigen Art. "Als rein eigenwirtschaftlich orientiertes Angebot wird sich Ridepooling immer auf die nachfragestarken Zentren konzentrieren", erklärt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage von Ingeborg Leinweber (BFF). Damit sei Clevershuttle eine Konkurrenz für Busse und Bahnen, und es entzöge dem ohnehin defizitäten Nahverkehrssystem Einnahmen aus den Fahrkarten. Nicht nur: "Durch die zusätzlichen Kraftfahrzeuge" würde es "die Verkehrsdichte auf den Straßen eher steigern", warnt der Verkehrsstadtrat.

Durch die Konkurrenzsituation sieht er eine Genehmigung über das Personenbeförderungsgesetz als notwendig an - was offenbar nicht zur Finanzplanung der Anbieter passt. Oesterling beteuert, dass er Neuem nicht prinzipiell im Wege stehe: "Solange zumindest die Chance besteht, dass ein innovatives Verkehrskonzept einen sinnvollen Beitrag zur Ergänzung des Gesamtverkehrssystems darstellt, ist die Stadt grundsätzlich aufgeschlossen." 

Er gesteht Anbietern wie den Ridepooling-Firmen auch eine gewisse Narrenfreiheit für die Startphase ein: "Aufgrund des Innovationscharakters" sei die tatsächliche Wirkung solcher Innovationen auf den übrigen Verkehr ja "zunächst oft nicht klar belegbar". Damit sei aber offen, ob ein solches Angebot den "verkehrsplanerischen Zielsetzungen der Stadt" entspreche.

Verkehr Frankfurt: Shuttle-Service und Sammeltaxis gehören zum Nahverkehr vieler Orte

Allerdings gibt Oesterling zu bedenken, dass für die Anbieter "zumindest mittel- bis langfristig" der wirtschaftliche Erfolg des Konzepts im Vordergrund stehe. Sprich: Sie wollen damit Geld verdienen - nach der Einschätzung der Stadt aber eben auf Kosten der Allgemeinheit. Gerade wo sich kein Geld verdienen lässt, sieht Oesterling durchaus eine Marktnische für die Shuttles - als Teil des Nahverkehrs, auch fest integriert in dessen Tarif. So könne "Ridepooling in Zeiten und Räumen schwacher Nachfrage einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Umweltverbundes leisten", findet der Verkehrsdezernent.

Ein solches Angebot wäre zwar in Frankfurt neu, allerdings beileibe keine Innovation. Denn Fahrgäste im Umland kennen es schon lange: Es heißt Sammeltaxi und gehört zum festen Bestandteil der Nahverkehrsangebote vieler Orte, beispielsweise im Vor- und Hochtaunus, in Karben, Neu-Isenburg, Heusenstamm oder Dreieich.

Vor allem Betriebe verzweifeln an der Verkehrssituation in Frankfurt. Dass Stadtrat Klaus Oesterling die Kritik zurückweist, frustriert sie.

In Frankfurt sollen nun künftig Bus und Tram schneller fahren. Dabei gibt es jedoch ein entscheidendes Problem.

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