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Durch diesen schmalen Weg wird seit Wochen der Durchgangsverkehr geleitet, weil es laut Stadt keine andere Lösung gibt. Anwohner versuchen mittels selbst gebastelter Puppen und Schilder, die Fahrer zum Bremsen zu bewegen.

Leute genervt

Verkehr rollt durch die unbefestigte Willemineallee – Anwohner sorgen sich um Kinder

Die Willemineallee ist ein Spazierweg. Hier führen Anwohner ihre Hunde Gassi, Kinder laufen auf den Spielplatz. Seit einigen Wochen brausen Autos durch den Weg, manche parken sogar. Die Anwohner sind entsetzt.

Abends nach Büroschluss fahren besonders viele Autos durch die Allee. „Man merkt es, wenn die Ampel an der Ecke Adolf-Miersch-Straße und Heinrich-Seliger-Straße grün geworden ist: Dann kommt ein ganzer Schwall durchgefahren,“ berichtet eine Anwohnerin, die gerade in Richtung Spielplatz in einem kleinen Seitenweg des Paul-Gerhardt-Rings, einem Schulweg vieler Kinder zur Friedrich-Fröbel-Schule, läuft. Genauso ist es: Durch den etwas mehr als eine Autobreite engen Korridor aus rot-weißen Baken rollen meist vier bis fünf Autos hintereinander. Sie fahren deutlich schneller als Schrittgeschwindigkeit.

Vor der Schulwegkreuzung müssen die Fahrer leicht abbremsen: Das bezweckt eine Schwelle aus Schotter, die hier aufgeschüttet worden ist, damit Autofahrer die Geschwindigkeit drosseln müssen. Anwohner haben eine Art Vogelscheuche gebastelt, die eine Warnweste und das Schild „Bitte langsam fahren“ trägt. Den Geländewagen, der als letzter kommt, beeindruckt das nicht, er braust ungebremst durch.

Weiträumiger absperren

„Am Anfang sind die hier ohne Rücksicht durchgerast,“ erzählt die Anwohnerin. „Inzwischen ist es etwas besser.“ Unverschämt wurde es, als zwischenzeitlich sogar rechts und links der Fahrspur wild geparkt wurde. Der Spielplatz, der eigentlich sehr beliebt ist bei Müttern mit kleinen Kindern, die hier stets frei laufen und klettern konnten, wird kaum noch besucht, berichtet die Anwohnerin.

Die Stadt hatte nach Protesten der Anwohner reagiert, die Baken aufgestellt und am Anfang des unbefestigten Wegs ein Schild aufgestellt, das Schrittgeschwindigkeit anmahnt. Der Grund für die Umleitung ist die Sanierung der nördlich gelegenen Heinrich-Seliger-Straße, einer Einbahnstraße, die erneuert und verengt wird. Am Anfang der Straße wurden „Anlieger-frei-“-Schilder angebracht – doch genützt hat dies nicht viel, wie an den vielen auswärtigen Nummernschildern der Autos zu sehen ist, die durchfahren.

Warum überhaupt so viel Durchgangsverkehr in den Wohnstraßen herrscht, der jetzt umgeleitet werden muss, ist unverständlich: Es sind keine Anwohner von Niederrad, die hier durchfahren. Vielmehr scheinen die meisten von der Bürostadt zu kommen und einen Schleichweg durchs Wohngebiet in Richtung Oberforsthaus-Kreisel und Bundesstraße 44 zu suchen.

Hier liegt der Hund begraben, sagt Stefanie Then (SPD), Stadtbezirksvorsteherin von Niederrad. „Wir sind mit der Stadt im Gespräch und ich lasse auch nicht locker, dass weiträumiger abgesperrt wird.“ Die Grenze des Erträglichen sei schon längst erreicht: „Wir sind in Niederrad genug belastet mit Verkehrslärm“, sagt Then. „Da ist vonseiten der Stadt etwas mehr Sensibilität gefragt.“

Schäden werden behoben

Das Amt für Straßenbau und Erschließung habe sich viele Gedanken gemacht, heißt es dort. Aber wenn die Heinrich-Seliger-Straße komplett gesperrt werde, müssten 150 Parkplätze wegfallen, heißt es in einem Schreiben, das vor wenigen Tagen nachträglich an die Anwohner ging. Außerdem hätten Eltern und Betreuer nicht mehr ihre Kinder zur Friedrich-Fröbel-Schule und in die Kindertagesstätte fahren können. Die Stadt habe wohl nicht geahnt, dass so viele Anwohner betroffen sind, da es keine Adressen an der Willemineallee gibt, vermutet Then. Doch der Spazierweg wurde rege genutzt, vor allem konnten sich Kinder frei bewegen.

Sorgen machen sich Anwohner auch, dass der unbefestigte Boden der Allee Schaden genommen hat. Entstandene Schäden würden alle behoben, beteuert die Stadt. Mitte Dezember soll der Spuk endlich vorbei sein.

Stefanie Wehr

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