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Kolumne der Reihe "Unterwegs"

Verkehrschaos und seltsame Begründungen bei Störungen

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Ganz gleich, ob man in Frankfurt zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist: Es wächst der Eindruck, dass die Stadt kurz vor dem Verkehrskollaps steht.

Ganz gleich, ob man in Frankfurt zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist: Es wächst der Eindruck, dass die Stadt kurz vor dem Verkehrskollaps steht. Kaum noch etwas funktioniert reibungslos. Dieser Tage bin ich, was früher nie, jetzt aber oft vorkommt, von der Tram auf die U-Bahn umgestiegen, weil die Zeit knapp und oben alles dicht war.

Doch auch in der Unterwelt erwartete mich eine Überraschung: Es gab eine Störung. Ich musste viel länger warten als gewohnt und kam äußerst knapp zur Arbeit. Beim Warten wusste ich nicht, ob ich mich amüsieren oder ärgern sollte. Die Begründung für die Verspätung lautete nämlich: „Wegen einer Störung im Betriebsablauf.“ Hätte statt dieser Nullerklärung „Störung“ nicht gereicht?

Der Soziologe Harald Welzer hat wegen solch absurden Amtsdeutsches mal einen Briefwechsel mit der Bahn geführt und die „Störung im Betriebsablauf“ zum Titel einer Aufsatzsammlung gemacht. Die Begründungen für Verspätungen, die man immer hört (wie „Oberleitungsschaden“, „Weichenstörung“), sollen, wie aus Insiderkreisen zu vernehmen ist, manchmal frei erfunden sein, um den genervten Fahrgästen eine plausible Begründung für die häufigen Ausfälle vorzugaukeln. Hoffentlich macht sich keiner einen Spaß mit der Begründung „Personenschaden“, für die jeder Verständnis hat. Das wäre zynisch.

Mein persönlicher Favorit ist, wenn ich auf einer Tram, in die ich nicht einsteigen darf, das Wort „Betriebsfahrt“ lese. Denn eigentlich ist diese Bahn ja gerade nicht im Betrieb, oder?

Das wird in solchen Außer-Dienst-Fällen nur noch getoppt durch das Wort „Dienstfahrt“.

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