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Scheidet aus dem Römer aus: Helmut Heuser.

Helmut Heuser macht Schluss

Der Verkehrsexperte steigt aus

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Helmut Heuser hat die Frankfurter CDU verkehrspolitisch auf einen Kurs gebracht, der die Koalition mit den Grünen erst möglich machte. Heute leitet der 68-Jährige zum letzten Mal den Verkehrsausschuss im Römer. Bei der Kommunalwahl am 6. März tritt der frühere Fraktionschef nicht mehr an.

Wenn Helmut Heuser durch die Stadt fährt, ist er schon ein wenig stolz. Denn viele Verkehrsprojekte, die erfolgreich umgesetzt wurden, hat er mit auf den Weg gebracht. Die Mainbrücke-Ost zählt dazu, aber auch die Straßenbahn in der Stresemannallee. Diese ist so sehr mit dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses im Römer verbunden, dass die Gegner von der „Heuser-Bahn“ sprachen. Heute sind sie verstummt, die Straßenbahn wird gut angenommen. Heuser fährt aber auch mit einer gewissen Wehmut durch die Stadt. Viele Vorhaben, über die er vehement diskutierte, hätte er gerne weiter politisch begleitet. Die U-Bahn ins Europaviertel und die Regionaltangente West (RTW) gehören dazu. Aber Heuser hat sich entschieden, nach 36 Jahren Kommunalpolitik nicht noch einmal zu kandidieren. Der frühere Fraport-Mitarbeiter will mehr Zeit haben für die Familie mit insgesamt fünf Enkeln und für sein großes Hobby, das Reisen. Außerdem ist er gesundheitlich angeschlagen, will sich nicht mehr so stark aufregen müssen.

Und aufregen kann sich der Schwanheimer, wenn ihm etwas nicht gefällt. Nicht nur über politische Gegner, sondern auch über Parteifreunde, die das gerade in seiner Zeit als Fraktionsvorsitzender (2010 bis 2012) leidvoll erfahren mussten. Wobei Heuser politische Freunde oft bei den Stadtverordneten fand, die nicht seiner Partei angehören. Der mittlerweile verstorbene Grünen-Fraktionschef und spätere Verkehrsdezernent Lutz Sikorski gehörte dazu. Mit ihm lotete Heuser schon lange vor der Bildung der ersten schwarz-grünen Koalition aus, wo es Gemeinsamkeiten zwischen CDU und Grünen geben könnte. An langen Abenden wurden Konzepte ausgeheckt; es floss viel Rotwein – „aber immer erst hinterher“, wie Heuser heute betont.

Er hat seine Partei vom Auto-fixierten Kurs abgebracht und damit einen Grundstein für die Zusammenarbeit mit den Grünen gelegt. Berühmt ist die von ihm initiierte Exkursion der CDU-Fraktion in Deutschlands Fahrradhauptstadt Münster. Nach der Rückkehr musste er sich von der Jungen Union vorwerfen lassen, er sei dem „Fahrradwahn“ verfallen. „Es ist die Aufgabe der Politik, nicht allen nach dem Mund zu reden“, beschreibt Heuser einen seiner Grundsätze.

Seit er 1980 als Nachrücker ins Stadtparlament einzog, widmet er sich der Verkehrspolitik, erarbeitete sich großes Fachwissen. Die Leidenschaft für „alles, was Räder hat“, geht auf seine Vater zurück, der – wie schon der Großvater – ebenfalls in der CDU aktiv war. Einen seiner größten Wünsche hat dem Schienen-Fan die städtische Verkehrsgesellschaft erfüllt: Er durfte den Straßenbahn-Führerschein machen, saß selbst an den Schalthebeln, als nach der Trauung seiner Tochter im Römer die Hochzeitsgesellschaft mit der Tram ins heimische Schwanheim fuhr.

Heusers Karriere im Römer war stetig: Er wurde verkehrspolitischer Sprecher und stellvertretender Fraktionsvorsitzender. 2006 schien er an der Reihe zu sein, als ein neuer Fraktionsvorsitzender gesucht wurde. Doch dem CDU-Wirtschaftsflügel, dem Heuser angehört, war er nicht linientreu genug. 2010, nach dem plötzlichen Tod des Fraktionsvorsitzenden Horst Kraushaar, fiel die Wahl doch auf Heuser, der die CDU dann auch als Spitzenkandidat in die Kommunalwahl 2011 führte. Im Jahr darauf musste er nicht ganz freiwillig sein Amt an Michael zu Löwenstein abgeben.

Hätte er gerne als hauptamtlicher Dezernent noch mehr Einfluss auf die Politik genommen? „Erst als ich schon zu alt dafür war“, sagt Heuser rückblickend. So scheidet er als Vorsitzender des Verkehrsausschusses aus der Politik. Vermissen werde er „viele Menschen, mit denen ich gerne zusammen bin“. Einmischen in die Arbeit seiner Nachfolger will er sich nicht. Doch er macht eine Einschränkung: „Wenn die CDU auf die Idee kommt, in der Verkehrspolitik in überkommene Muster zurückzufallen, dann werde ich mich dazu äußern.“

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