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Ganz normal im Tannenkopfweg: An den künstlichen Verengungen staut sich der Verkehr, und so mancher glaubt, dass der, der am lautesten hupt, den Vorrang hat.

Verkehrskonzept bleibt Zukunftsmusik

Brummis stehen dort im Stau - wie geht es weiter im Tannenkopfweg? 

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Die Anwohner im Tannenkopfweg sind sauer: Weil es sich in ihrer Straße regelmäßig staut, gibt es ebenso regelmäßig Hupkonzerte.

Goldstein - Ein fertiges Verkehrskonzept für Goldstein bleibt zwar Zukunftsmusik - die Zukunft könnte aber immerhin dank einer lebendigen und konstruktiven Bürgerfragestunde auf Initiative des SPD-Abgeordneten Michael Wanka bei der Sitzung des Ortsbeirates 6 am Dienstagabend im Saalbau Goldstein ein Stück näher gerückt sein. 

Dort präsentierte Bernd Krause, Sprecher der 2011 gegründeten Bürgerinitiative, die mit der Siedlergemeinschaft und vielen weiteren Bürgern gemeinsam erarbeiteten Verbesserungsvorschläge, die sie den Verkehrsplanern der Stadt an die Hand geben. Seit Monaten gibt es sogenannte Werkstattgespräche zwischen dem Referat Mobilitäts- und Verkehrsplanung der Stadt Frankfurt und der Bürgerinitiative; auch der Ortsbeirat ist im Boot.

Frankfurt: Umfahrung gefordert

Im Mittelpunkt steht der Gedanke einer kreisförmigen Umfahrung von Goldstein mit Anfahrt nach Goldstein-Süd, zur Carl-von-Weinberg-Schule und zum Rewe-Markt über die Autobahn, wo aber erst ein Rechtsabbieger eingerichtet werden müsste, und einer Ausfahrt über den Tannenkopfweg (mit einem Teilstück als Einbahnstraße) beziehungsweise über die Straßburger Straße und die Bürostadt Niederrad. Dazu kommt die Regulierung des Schul-Verkehrs von Norden über die Straße Zur Waldau per Einbahnstraßenregelung zwischen Am Wiesenhof und der Goldsteinstraße. Ebenso fordert die Initiative, den Verkehrsflusses im Tannenkopfweg und Zur Waldau zu verbessern und zu beruhigen.

Denn der Tannenkopfweg wird als einzige Durchfahrt vom Wald zum Schwanheimer Ufer vom Verkehr aus dem Lyoner Quartier (ehemals Bürostadt Niederrad) und verbotenerweise auch durch Brummis regelmäßig verstopft. Krause verwies auf einen Bericht dieser Zeitung über das Ehepaar Preisendörfer, das wie andere Anwohner seit Jahren unter Hupkonzerten der im Stau steckenden Fahrern leidet.

Als eine Gegenmaßnahme empfiehlt die Bürgerinitiative, die Verkehrsinsel am südlichen Ende der Straße zu entfernen. Denn das System funktioniere nicht zu den Verkehrsspitzen: "Alles staut sich auf und blockiert die nächste Kreuzung Tannenkopf- / Sonnenweg gleich mit", so Krause. Vorrang sollte der ausfahrende Verkehr haben, nicht der in den Stadtteil führende Verkehr. Im Norden der Straße soll außerdem zwischen Sonnen- und Libellenweg in Richtung Ortsausgang eine Einbahnstraßenregelung gelten. Zudem müsse das morgendliche und mittägliche Verkehrschaos vor der Carl-von-Weinberg-Schule beseitigt werden. Das freilich beginne in den Köpfen der Eltern: "Lassen sie ihre Kinder doch mal drei Schritte alleine gehen anstatt sie mit dem Eltern-Taxi zu transportieren", appellierte Krause.

Einen "zähen Prozess" nannte Jens Wöbbeking vom Referat Mobilitäts- und Verkehrsplanung die Entwicklung eines Verkehrskonzeptes. "Das Dilemma ist, einerseits den Bürgern zu ermöglichen, das eigene Haus schnell und staufrei zu erreichen - es aber andererseits dem Durchgangsverkehr so schwer wie möglich zu machen, die Straßen Goldsteins zu blockieren."

Das Problem ist die Autobahn

Für eine der wichtigsten Forderungen der Bürgerinitiative und des Ortsbeirats, nämlich einer Rechtsabbiegemöglichkeit an der Autobahnabfahrt, gab es einen Dämpfer von Wöbbeking - begleitet vom Murren vieler Bürger. Obwohl eine Erhebung zeige, dass 500 Autos pro Tag verbotenerweise rechts abbiegen, bedürfe es dafür eines Planfeststellungsverfahrens - "und das dauert eher zehn als zwei Jahre."

Eine Entscheidung über Maßnahmen im Tannenkopfweg sei noch nicht gefallen. Erst müssten umfangreiche Verkehrserhebungen ausgewertet werden, die im Frühjahr gemacht wurden. Alternativ zu den Ideen der Bürgerinitiative erwägen die Planer eine nördliche Verlängerung des Tränkwegs ans Schwanheimer Ufer, um den Tannenkopfweg zu entlasten. Möglich wäre auch, den westlichen Abschnitt der Frankenfurt für beide Fahrtrichtungen zu öffnen.

Schnell umsetzbar seien, wenn der Ortsbeirat zustimme, zwei Minikreisel an der Kreuzung Tannenkopfweg / Frankenfurt und der Kreuzung mit dem Schüttenhelmweg. Eine Ortsbegehung habe aber auch gezeigt, dass ein Minikreisverkehr am Knotenpunkt Straßburger Straße so nicht umsetzbar wäre. Dort könne ob der vielen Autos nur ein richtiger Kreisverkehr helfen, "bei dem die Mittelinsel nicht überfahrbar ist". Dafür müsse das Amt für Straßenbau und Erschließung erst eine Planung erarbeiten.

Ideen gegen den Stau 

Nach einer intensiven und temperamentvollen Diskussion, in der sich unter anderem einige Bürger gegen die Öffnung der Schranke an der Straße zur Waldau aussprachen ("Man würde nur einen zweiten Tannenkopfweg schaffen!"), gab es immerhin Einigkeit über das weitere Vorgehen in Sachen Verkehrskonzept: Die Ideen und Anregungen des Abends, so formulierte es Edwin Euler, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft, sollen der Bürgerinitiative zukommen. Die führt die Werkstattgespräche mit den Verkehrsplanern fort. Das fertige Gesamtkonzept soll dann dem Ortsbeirat vorgestellt werden, der darüber berät und den Beschluss an den Magistrat weitergibt. Der solle die Goldsteiner dann zu einer Bürgerversammlung einladen.

So, hofft Euler, werde das Thema Verkehrskonzept "keine unendlichen Schleifen mehr ziehen" und eine Lösung nicht erst in zehn Jahren erreicht werden. Im Zweifel müsse man auch Zwischenschritte gehen - "im Interesse der kleinen Kinder, die jetzt in die Grundschule gehen, und der alten Menschen, die mit ihrem Rollator über die Straße wollen."

Kommentar: Die Quadratur des Kreises

Den Stein der Weisen fanden sie nicht in der Bürgerversammlung zum Thema Verkehrskonzept in Goldstein. Damit konnte angesichts der achtjährigen Vorgeschichte, der komplexen Zusammenhänge und auseinanderstrebenden Interessen ernsthaft auch keiner rechnen. Was hier gelingen soll, gleicht nicht nur dem vielzitierten Bohren dicker Bretter, sondern ähnelt manchmal gar - mit Blick auf das Chaos im Tannenkopfweg - der Quadratur des Kreise(l)s. 

Redakteur Michael Forst

Sicher scheint: Erfolg bringen wird hier kein Masterplan, sondern nur viele Weichenstellungen, kleinere und größere. Nichts ist in Stein gehauen. Es muss - Stichwort geöffnete Schranke - ausprobiert werden, wie der Grünen-Fraktionsvorsitzende Thomas Schlimme richtig feststellte. Und es bedarf einer Priorisierung der Maßnahmen: So verlangt die Sicherheit der Schüler der Carl-von-Weinberg-Schule schnelles Handeln.

Wie temperamentvoll, dabei überwiegend konstruktiv und fair, die Bürger über ihre Belange diskutierten, macht Mut. Um es mit den Worten des Siedlergemeinschafts-Vorsitzenden Edwin Euler zu sagen: Der Abend zeigte ein lebendiges Stück Goldstein - mit funktionierender demokratischer Teilhabe.

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