Das renommierte Verkehrsmuseum an der Straßenbahn-Endhaltestelle Rheinlandstraße in Schwanheim ist geschlossen und kann aus Brandschutzgründen nicht wieder geöffnet werden. Bei der VGF und im Römer wird das Thema jedoch tunlichst klein gehalten.
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Das renommierte Verkehrsmuseum an der Straßenbahn-Endhaltestelle Rheinlandstraße in Schwanheim ist geschlossen und kann aus Brandschutzgründen nicht wieder geöffnet werden. Bei der VGF und im Römer wird das Thema jedoch tunlichst klein gehalten.

Kultur

Verkehrsmuseum wird so bald nicht wieder öffnen

  • Holger Vonhof
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Verschleppte Brandschutzsanierung - Weichen noch nicht gestellt

Frankfurt -Wir befinden uns im Jahre 2022 nach Christus. Ganz Frankfurt ist von Corona belagert, aber alle großen Museen der Stadt haben nach zeitweiser Schließung wieder geöffnet. Alle Museen? Nein! Das Verkehrsmuseum in Schwanheim bleibt zugesperrt. Und das wohl noch auf längere Zeit, weil ein bereits vor zehn Jahren mit großem Straßenbahn-Gebimmel vorgestelltes Neubaukonzept wieder verworfen wurde und die alte Halle inzwischen wegen Verstößen gegen den Brandschutz geschlossen ist.

Das Verkehrsmuseum, Bestandteil der "Route der Industriekultur", ist der Nahverkehrsgeschichte Frankfurts und des Rhein-Main-Gebiets gewidmet. Zugleich ist es Firmenmuseum der Stadtwerke Frankfurt und der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Die Fahrzeugsammlung - Trambahnen, Pferdebahnwagen, Oberleitungsbusse und mehr - gehört zu den traditionsreichsten und vollständigsten im weiten Rund: Schon in den 1950er Jahren fiel in Frankfurt die Entscheidung, von jeder ausgemusterten Wagen-Baureihe ein Exemplar zu erhalten. Ausgemusterte Fahrzeuge wurden fortan in der Stadtwerke-Hauptwerkstatt restauriert und ab den 1960er Jahren in den beiden Wagenhallen der ehemaligen Frankfurter Waldbahn in Schwanheim untergestellt. So entstand eine Sammlung, die von einigen Kennern als "weltweit einmalig" gezeichnet wird.

Provisorium wurde

zur Dauerlösung

Das Museum war jedoch zunächst provisorisch untergebracht und kaum öffentlich zugänglich. Die Planungen für ein richtiges Museum begannen in den 1970er Jahren; 1984 konnte es in der Westhalle, die von einer Trambahnschleife umfahren wird, eröffnet werden. Die Osthalle wurde drei Jahre später dazugenommen, was die Ausstellungsfläche auf rund 2200 Quadratmeter erweiterte. Damals wurden die beiden Fahrzeughallen jedoch nicht unter heutigen Brandschutz-Aspekten ertüchtigt. Dieses Problem ist seit knapp zehn Jahren bekannt, doch getan hat man seitdem nicht viel - ein großer Neubauplan, vor zehn Jahren mit vielen Simulationen publikumswirksam vorgestellt, verschwand schnell wieder in der Schublade.

Museum ist nicht Teil

des Kerngeschäfts

Denn das Museum gehört, so sagt man heutzutage unter Managern, nicht zum Kerngeschäft der VGF. Schon Anfang der 2000er wollte die städtische Verkehrsgesellschaft die Betriebskosten nicht länger alleine tragen. Deshalb ist am 1. Mai 2005 der Verein Historische Straßenbahn der Stadt Frankfurt am Main (HSF) gegründet worden, der den Museumsbetrieb zum 16. April 2006 dauerhaft von der VGF übernommen hat - mit unbezahlten Ehrenamtlichen, die dort in ihrer Freizeit Dienst tun.

Doch das Problem des Brandschutzes schwelte quasi im Hintergrund. Vor zwölf Jahren stand die Frage der Grundsanierung an, und man stellte fest: Ein Neubau rechnet sich. Der sollte knapp 5 Millionen Euro kosten, eine Sanierung 2,5 Millionen. Warum neu bauen? Der damalige Geschäftsführer der VGF, Michael Budig, teilte mit: "Die ganze Tragkonstruktion des Gebäudes ist marode, was man von außen nicht sieht." Ein Plan wurde vorgestellt, bei dem das alte Bahnhofsgebäude der Waldbahn in einen Komplex mit Museum und Gastronomie integriert wurde. 2012 sollte der Neubau fertig sein, "wenn's nicht gut läuft, 2013", sagte Budig. Jetzt ist es 2022, und passiert ist nichts.

Inzwischen dürfte der Neubau, so hört man hinter vorgehaltener Hand, knapp acht Millionen kosten. Viel Geld - weswegen man im Römer der Führungsriege der VGF mit auf den Weg gegeben hat, es doch so günstig wie möglich anzugehen. Die Geschäftsführung der Verkehrsgesellschaft Frankfurt hat daraufhin den Entschluss gefasst, eine schnöde Industriehalle als Ersatz auf das Grundstück zu stellen, das sich im VGF-Eigenbesitz befindet. Dieser Vorstandsbeschluss ist aber vom Aufsichtsrat der VGF seit geraumer Zeit nicht abgesegnet worden. Der Aufsichtsrat setzt sich aus Oberbürgermeister Peter Feldmann, Kämmerer Bastian Bergerhoff, Stadtrat Stefan Majer, mehreren Stadtverordneten sowie Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsvertretern zusammen.

Die VGF hat auf unsere Anfrage vom Dienstag zur Zukunft des Museums bislang nicht reagiert. Geändert wurde nur unlängst der Eintrag auf der Homepage. Las man dort im Spätsommer noch, das Museum bleibe "aufgrund der aktuellen Situation bis auf weiteres geschlossen", heißt es nun konkreter: "Aufgrund dringend nötiger Renovierungsarbeiten muss das Verkehrsmuseum bis auf weiteres leider geschlossen bleiben. Wir hoffen im Laufe des Jahres 2022 wieder für Sie öffnen zu können." Holger Vonhof

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