Tier ist einer von mehreren E-Scooter-Anbietern in Frankfurt. Der Verleiher fischt bereits teilweise seine Fahrzeuge aus dem Main, nachdem Vandalen sie in den Fluss geworfen haben.
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Tier ist einer von mehreren E-Scooter-Anbietern in Frankfurt. Der Verleiher fischt bereits teilweise seine Fahrzeuge aus dem Main, nachdem Vandalen sie in den Fluss geworfen haben.

Umweltgefahr

Weiter Chaos um E-Scooter in Frankfurt: Verleiher ergreift jetzt Maßnahmen

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Dutzende E-Scooter sollen in Frankfurt mutwillig im Main versenkt worden sein. Der Vandalismus ist eine Gefahr für die Umwelt. Die Verleiher reagieren.

Frankfurt – Mit dem Anbieter Tier hat ein erster Verleiher damit begonnen, in den Main geworfene E-Scooter zu bergen. Das erklärt das Unternehmen und kommt damit dem Branchenzusammenschluss Plattform Shared Mobility (PSM) zuvor, der angekündigt hatte, die in den Fluss geworfenen Batteriefahrzeuge wieder an die Oberfläche holen zu wollen. Nach Schätzung von Fischern dürften an die 100 E-Scooter im Innenstadtbereich in Frankfurt im Main liegen.

Stadtweit sind die E-Scooter seit einigen Wochen in Verruf geraten. Mit Voi und Bolt hatten zwei weitere Anbieter die Stadt mit den Tretrollern und Dumpingangeboten geflutet. Viele, besonders junge Nutzer fahren rücksichtslos. Die kleinen Fahrzeuge parken mitten auf Gehwegen, vor Einfahrten und Zugängen, werden zu gefährlichen Stolperfallen oder Hindernissen. Immer wieder werfen Rabauken die Tretroller in Grünflächen oder sogar in Bäche und Flüsse.

E-Scooter in Frankfurt: Bergung an Brücken schwierig

Der Berliner Anbieter Tier, der ebenso wie die Konkurrenten Lime und Bird schon seit 2019 in Frankfurt aktiv ist, nimmt sich seiner versenkten Fahrzeuge jetzt schon an. Man reagiere schon länger sofort darauf, wenn Tier-Scooter "im Main oder anderen Gewässern landen", erklärt Florian Anders, der Sprecher von Tier für Deutschland, Österreich und die Schweiz. "Unser lokales Team bemüht sich, E-Scooter, die in Ufernähe im Wasser gelandet sind, möglichst zeitnah zu bergen."

Allerdings räumt Anders ein: Die schnelle Bergung sei nur möglich, sofern dies "mit der uns zur Verfügung stehenden Ausrüstung" gelinge. Das sei nicht immer der Fall, etwa im Bereich der Brücken und in anderen "schwierigen Wasserlagen". Dafür seien die normalen Tier-Mitarbeiter weder ausgerüstet, noch ausgebildet. Anders: "Dafür benötigen wir bei der Bergung professionelle Unterstützung von Fachkräften."

E-Scooter in Frankfurt: Fischerboote suchen Main nach Rollern ab

Diese professionelle Bergung hatte der Branchenzusammenschluss für die vorige Woche in Köln angekündigt gehabt. Dort liegen mehrere hundert E-Scooter im Rhein, was für viel Kritik auch an den Verleihfirmen sorgte. Die PSM kündigte neben der Bergungsaktion in Köln eine solche auch für Frankfurt an. Einen Termin dafür konnte ein Sprecher noch nicht nennen. Allerdings sollten die Bergungen regelmäßig stattfinden.

Dutzende E-Scooter liegen nach Sichtungen und Schätzungen der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft von 945 im Innenstadtbereich im Main. Das hatte Vorsitzender Daniel Göz kürzlich in dieser Zeitung erklärt. "Es wird knapp eine dreistellige Zahl sein." Die Fischer- und Schifferzunft hält die Fischereirechte für die Befischung des Mains im Stadtgebiet. Per Scheinwerfer hatten die Fischer Teile des Flusses nach den E-Scootern abgesucht.

Frankfurt: E-Scooter werden oft am Eisernen Steg in den Main geworfen

Hineingeworfene Roller finden sich ihnen zufolge direkt an den Ufern sowie entlang der Brücken, von denen aus sie hinein geworfen werden - besonders am Eisernen Steg. An Brücken ist die Bergung schwierig, weil die Batteriefahrzeuge tief in der Fahrrinne liegen - und damit eben just dort, wo auch die großen Schiffe fahren.

Dass die E-Scooter im Main landen, ärgert Anbieter Tier selbst, sagt Sprecher Anders. Dabei handele es sich "in der Regel um gezielten Vandalismus". Die Firma verurteile "alle Formen von Vandalismus und Umweltverschmutzung". Tier versuche dem vorzubeugen, indem die E-Scooter recht schwer sowie mit Diebstahlsicherung und blockierten Rädern beim Parken ausgestattet seien. Nutzer könnten die Miete nicht an Brücken und am Ufer beenden, damit dort keine E-Scooter abgestellt werden. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Die Stadt Frankfurt will mit festen Parkzonen für E-Scooter gegen das Chaos in der Innenstadt vorgehen.

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