+
Der Auftakt des S & K-Prozesses (Foto) liegt schon fast vier Monate zurück, die erste Zeugenvernehmung ist aber noch lange nicht in Sicht.

Prozess um Anlagebetrug

S & K: Verlesung der Anklage beendet

  • schließen

Im Mammutprozess um die mutmaßlichen Anlagebetrüger der S & K-Gruppe hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft gestern die Verlesung der Anklage beendet – nach fast vier Monaten.

Es war gestern genau 10.10 Uhr, als Dennis Bodenbenner von der Frankfurter Staatsanwaltschaft die Verlesung des Anklagesatzes im S & K-Prozess beendete. 1774 Seiten umfasst das Papier. Um zur letzten Seite zu gelangen, benötigten die Strafverfolger fast vier Monate und, während des Vortrags, immer wieder einen Schluck Wasser für die trockene Kehle.

Die lange Verlesungszeit ist vor allem auf Anträge und juristische Spitzfindigkeiten aus den Reihen der Verteidigung zurückzuführen. Deren Strategie, den Verhandlungsfortschritt zu hemmen, war offenkundig. Immer wieder musste der Prozess unterbrochen werden, immer wieder fielen Sitzungen aus.

Beobachter spekulieren, dass die Rechtsanwälte auf Zeit spielen, weil sie wissen, dass die Justiz ihre Mandaten nicht ewig in der Untersuchungshaft belassen kann. Die sechs Angeklagten sitzen schon fast drei Jahre hinter Gittern. Eine übermäßig lange Untersuchungshaft könnte sich am Ende auch mildernd auf das Strafmaß auswirken.

Nach dem Ende der Anklageverlesung im Frankfurter Landgericht gestern Morgen gingen die juristischen Scharmützel sofort weiter: Eigentlich hätte nun die formale Eröffnung des Mammutprozesses erfolgen können. Ein Verteidiger grätschte aber sofort mit einem Befangenheitsantrag gegen die Schöffen dazwischen. Diese könnten infolge der tendenziösen Darstellung der Staatsanwaltschaft nicht mehr über die für ihr Amt nötige Unparteilichkeit verfügen, lautete der Tenor. Der Anwalt verwies auf etliche, aus seiner Sicht „subjektiv gefärbte, interpretativ genutzte Worte“ in der Anklageschrift. Oberstaatsanwalt Andreas Hohmann wies den gegen ihn und seine Kollegen erhobenen Vorwurf der Suggestion und Manipulation vehement zurück. Der Anwalt habe die Anklageschrift offenbar weder selbst gelesen noch bei der Verlesung richtig zugehört.

Ein weiterer Verteidiger sprang seinem Kollegen allerdings zur Seite: Er beantragte die zusätzliche Verlesung der Seiten des Anklagesatzes, die lediglich gleichartige Aufzählungen und Tabellen enthalten. Die Strafkammer hatte unter Verweis auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) auf den Vortrag der entsprechenden Seiten verzichtet. Der Verteidiger betonte nun, dass eine Verlesung der Informationen, zu denen auch Anlegerdaten gehören, im Hinblick auf die Schöffen unerlässlich sei. Diese müssten ausschließen können, dass unter den betroffenen Anlegern Verwandte von ihnen sind. Wäre dies der Fall, läge nämlich eine Befangenheit vor.

Nachdem der Vorsitzende Richter den Antrag auf Verlesung der ausgesparten Seiten unter abermaligem Verweis auf die BGH-Entscheidung abgelehnt hatte, wurde ein Kammerbeschluss beantragt, dem sich mehrere Rechtsanwälte anschlossen. Über den Vortrag der Aufzählungen und Tabellen muss nun eine andere Strafkammer entscheiden. Der Prozess soll morgen im Gebäude E des Landgerichts fortgesetzt werden.

(chc)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare