Eintracht Frankfurt

So verlief die Saison für Gelson Fernandes

Gelson Fernandes zählt zu den erfahrensten Spielern bei Eintracht Frankfurt. Der 31 Jahre alte Defensivspieler lief bereits für Manchester City auf, ist beim heimischen Bundesligisten im Herbst seiner Laufbahn aber nicht gesetzt. Der Schweizer Nationalspieler murrt deswegen allerdings nicht, sondern erledigt seinen Job unaufgeregt.

Gelson Fernandes ist ein fröhlicher Mensch. Er ist begeisterungsfähig, lacht gerne – und bringt andere gerne zum Lachen. Als er darauf angesprochen wird, ob er am kommenden Samstag gegen den FC Schalke 04 spielen werde, entgegnet er: „Ich mache mich bereit. Wenn es mehr als 33 Sekunden werden, wäre es nicht schlecht.“ Die versammelte Journalistenschar lacht – und Fernandes grinst schelmisch. 33 Sekunden? Da war doch was. Im Pokal-Halbfinale auf Schalke vor drei Wochen sah der Defensivspieler die Rote Karte. In der Schlussphase gerade erst eingewechselt, musste er nach einem Foul an Leon Goretzka schon wieder vom Platz. Im Finale der gegen Bayern München (19. Mai) ist Fernandes folglich gesperrt.

„Ich denke nicht, dass ich in Deutschland noch in vielen Pokalfinals spielen kann – hoffentlich dann in der nächsten Saison“, sagt Fernandes, der im vergangenen Sommer zur Eintracht stieß und in dieser Saison in 18 Bundesliga-Einsätzen insgesamt 989 Minuten auf dem Feld stand. Das ist nicht viel für einen, der bereits in der Premier League für Manchester City kickte. Aber der Schweizer Nationalspieler akzeptiert seine Rolle. Er akzeptiert, dass er im Herbst seiner Laufbahn nicht jedes Wochenende spielen darf – und stellt sich in den Dienst der Mannschaft. „Unser Kader ist groß. Dass wir so viele hungrige Spieler haben, ist sehr gut für uns“, hatte Fernandes vor einigen Wochen mal gesagt. Zuletzt durfte er gegen den Hamburger SV (3:0) zum elften Mal von Beginn an ran – und bedankte sich mit einer sehr soliden Vorstellung. Er zeigte sich lauffreudig, ging verbissen in die Zweikämpfe und lief viele Bälle prima ab. Zum Offensivspiel trug er hingegen wenig bei. Er ist eben eher ein Zerstörer als ein Gestalter.

Fernandes war im Sommer 2017 vor allem deshalb nach Frankfurt gekommen, weil im defensiven Mittelfeld Not am Mann war. Makoto Hasebe und Omar Mascarell waren verletzt, so dass die Verpflichtung des sehr erfahrenen Fernandes Sinn machte. „Wir erwarten uns direkte Unterstützung. Er wird unserem Spiel mehr Stabilität verleihen“, hatte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic damals zu Protokoll gegeben. Rund 350 000 Euro überwiesen die Frankfurter an Stade Rennes – und bekamen einen Mann, der während seiner Profilaufbahn schon viel erlebt hat. Seit 2004 wechselte er vierzehn Mal den Club und nahm an den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 teil. Fernandes kickte nicht nur in Frankreich, sondern auch in England, Italien und Portugal. Bei der Eintracht war er zunächst Stammspieler, ehe er sich Ende September im Spiel bei RB Leipzig (1:2) einen Muskelfaserriss zuzog und eine sechswöchige Zwangspause einlegen musste.

Als er wieder fit war, war er nicht mehr erste Wahl und wurde in einigen Spielen nicht einmal eingewechselt. Doch er murrte nicht, sondern ordnete seine Bedürfnisse den Zielen der Mannschaft unter. „Wir haben von Anfang an sehr hart gearbeitet und haben es verdient, in die Europa League zu kommen. Dafür müssen wir aber gegen Schalke etwas holen“, weiß Fernandes, der am letzten Bundesliga-Spieltag ein hart umkämpftes Match erwartet: „Schalke will sicher Revanche für das Pokal-Halbfinale nehmen. Solche Spiele machen Spaß.“ Mit einem weiteren guten Auftritt möchte sich Fernandes freilich auch für den Schweizer Kader für die Weltmeisterschaft in Russland empfehlen.

„Es wäre für mich ein Traum, wenn ich zum dritten Mal dabei wäre“, betont der 31-Jährige, der bei der Eintracht bis Sommer 2019 unter Vertrag steht. „Hoffentlich erreichen wir unsere Ziele. Wir wollen auf jeden Fall besser als beim letzten Mal abschneiden“, blickt Fernandes voraus. Vor vier Jahren überstand die Schweiz die Gruppenphase, scheiterte dann aber im Achtelfinale etwas unglücklich am späteren Finalisten Argentinien. Derzeit gilt seine volle Konzentration aber der Eintracht, für die Fernandes am Samstag zum letzten Mal in dieser Spielzeit aufläuft. Eine Woche später muss er im Pokalfinale draußen bleiben. Als aussichtslose Mission sieht er das Kräftemessen mit dem deutschen Rekordmeister aus München keineswegs. „Vielleicht geht das Spiel über mehr als 90 Minuten. Vielleicht.“

Auf der Tribüne des Berliner Olympiastadions wird er verfolgen, wie seine Teamkollegen für eine Sensation kämpfen. Und wahrscheinlich wird er dabei wehmütig werden. „Vielleicht wird es etwas wehtun“, räumt Fernandes ein. Eine Träne werde er aber nicht verdrücken. „Es gibt Schlimmeres im Leben“, sagt Fernandes – und grinst wieder. Wenig später bringt er die Journalistenschar erneut zum Lachen.

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