Planungsdezernent Mike Josef (SPD)
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Planungsdezernent Mike Josef (SPD)

Immobilienmarkt

Vermieter investieren lieber im Umland

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Der Verband Haus & Grund warnt die Stadt vor weiteren Regulierungen.

Frankfurt. Mit mehr Fördergeld für Sozialwohnungen will die Stadt auf die zurückgegangene Investitions-Motivation privater Eigentümer reagieren. Das kündigt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) an. Zuvor hatte der Eigentümerverband Haus & Grund berichtet, dass private Eigentümer in Frankfurt aktuell kaum noch in weitere Mietwohnungen investieren wollen. Lediglich 20 Prozent der privaten Eigentümer und Vermieter können sich laut Haus &Grund noch vorstellen, in weitere Mietwohnungen zu investieren, hatte der Verband bei einer Umfrage unter 1300 Mitgliedern herausgefunden. Fast 45 Prozent der Befragten gaben als Grund an, dass sie Sorge vor einer noch weiter verschärften Regulierung des Mietmarktes durch die Stadt hätten. Das ist auch der Hauptgrund, warum 40 Prozent der Befragten künftig lieber im Umland investieren wollen.

Und wie reagiert die Stadt darauf? Das will der planungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, Albrecht Kochsiek, wissen. Schließlich sei es angesichts des Wohnungsmangels nötig, dass private Eigentümer und Vermieter wieder stärker in Wohnungen investierten, erklärte er unlängst in der Fragestunde der Stadtverordnetenversammlung. "Der Magistrat plant die Bereitstellung von Fördermitteln für den geförderten Wohnungsbau unvermindert, auf dem bisher hohen Niveau beizubehalten", erläutert Dezernent Josef. "Bei entsprechender Nachfrage" solle das Fördergeld auch aufgestockt werden - allerdings mit der Einschränkung "sofern es der städtische Haushalt zulässt". Und der ist momentan wegen in Corona-Zeiten ausgebliebener Gewerbesteuerzahlungen völlig leer.

Erreiche ein Investor einen energetisch hochwertigen Standard wie ein Passivhaus, erhöhe sich der Zuschuss für die Sozialwohnung nochmals, wirbt Josef dennoch unverzagt. Die "attraktiven Fördermittel" könnten private Investoren ebenso in Anspruch nehmen wie etwa Wohnungsgesellschaften.

In diesem Jahr habe es schon bis Oktober Förderanträge für 450 Wohnungen für den sozialen Wohnungsbau gegeben und für mehr als 400 Wohnungen, die preisreduziert vermietet werden an Menschen, die mit ihrem Haushaltseinkommen etwas über Sozialhilfeniveau liegen, sagt der Dezernent. Letzteres nennt die Stadt "Mittelstandsprogramm".

Mit einem eigenem Programm fördert die Stadt zudem die Modernisierung von Wohnungen. Das richte sich vor allem an private Hauseigentümer, die wahlweise Zuschüsse in Höhe von bis zu 30 Prozent der förderfähigen Kosten oder äußerst zinsgünstige Darlehen für bis zu 85 Prozent der förderfähigen Kosten erhalten können. Nutzen kann das zum Beispiel, wer seine vermiete Wohnung barrierefrei umbaut, Balkons ergänzt oder das Wohnumfeld verbessert. Seit Einführung des Förderprogramms 2010 hätten mehr als 1100 Wohnungen modernisiert werden können.

Hier kündigt Josef jedoch nicht ausdrücklich ein Aufstocken an. Er erklärt lediglich: "Der Magistrat plant, die Eigentümer und Vermieter auch weiterhin mit den entsprechenden Fördermöglichkeiten von Modernisierungsmaßnahmen zu überzeugen." Dazu habe das Stadtplanungsamt Haus & Grund schon 2016 - also vor fünf Jahren - angeschrieben "hinsichtlich der Information seiner Mitglieder zu den Rahmenbedingungen einer entsprechenden Förderung". Das sei "leider ohne Rückmeldung" geblieben, betont Mike Josef.

Nach der Umfrage unter den eigenen Mitgliedern hatte der Verband Haus & Grund die Stadtpolitik vor noch weiteren Eingriffen gewarnt. "Wenn man das noch stärker stranguliert, kippt der Markt", erklärte Vorsitzender Jürgen H. Conzelmann Anfang November. Denn 80 Prozent der privaten Eigentümer hätten ihre Investitionen gestoppt. Als Ursache nennen diese vor allem die Unsicherheit durch die starke städtische Regulierung.

Bei Projekten ab einer gewissen Größe müssen Investoren seit Mai vergangenen Jahres in Summe 70 Prozent der Wohnungen nach städtischen Nutzungsvorgaben errichten. Bis dahin gab es Vorgaben nur für 30 Prozent. 57 Prozent aller rund 360 000 Wohnungen in Frankfurt gehören Privateigentümern, davon sind 38 Prozent privat vermietete Wohnungen.

Dennis Pfeiffer-Goldmann

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