Bereits 2015 untersuchten Fahnder Mordkommission die Deponie in Flörsheim nach Leichenspuren (Symbolbild)
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Bereits 2015 untersuchten Fahnder Mordkommission die Deponie in Flörsheim nach Leichenspuren (Symbolbild)

Erinnerung an Fall der Jessica B.

Fall Iryna U.: Nicht die erste Leichensuche im Frankfurter Hausmüll

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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  • Sascha Kröner
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Der Fall Iryna U. erinnert an den Tod der Frankfurterin Jessica B. im Sommer 2015. Auch dort wurden Müllberge und Müll-Reste in Flörsheim untersucht.

  • 43-jährigeIryna U. aus Frankfurt seit Oktober vermisst
  • Fahnder durchsuchen Müllberge in Flörsheim
  • Fall erinnert an die getötete Jessica.B. aus Frankfu rt

Frankfurt/Flörsheim - Auf der Suche nach der Leiche der seit dem 23. Oktober vermissten Iryna Usenko (43) aus Nied durchkämmen Fahnder derzeit den Rhein-Main-Deponiepark in Flörsheim-Wicker (Main-Taunus-Kreis). Die Ermittler müssen sich durch 20 000 Tonnen Schlacke kämpfen. Die Suche könne mehrere Wochen dauern, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Doch der Aufwand könnte sich lohnen. Schon einmal wurden Fahnder der Mordkommission in Wicker fündig. Und es gibt durchaus Parallelen zwischen den beiden Fällen.

Fall Jessica B. aus Frankfurt: 2015 Vermisst gemeldet

Es war im Sommer 2015, als die 22 Jahre alte Jessica B. aus dem Frankfurter Nordend als vermisst gemeldet wurde. Schnell kristallisierte sich damals heraus, dass die Mutter eines einjährigen Sohnes wohl einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Einschlägige Spuren fanden die Ermittler damals in der Wohnung der Frau, als Hauptverdächtiger rückte deren 23 Jahre alter Ex-Freund in den Fokus der Fahnder. Doch von Jessicas Leiche fehlte jede Spur.

Auch im Fall der vermissten Iryna Usenkos geht die Frankfurter Polizei von einer möglichen Beziehungstat aus. Der 37 Jahre alte Ehemann der Vermissten ist bereits am 14. November festgenommen worden und steht unter Tatverdacht. "Er hat widersprüchliche Angaben gemacht, in der gemeinsamen Wohnung wurden Blutspuren gefunden", zitiert die Bild-Zeitung Oberstaatsanwältin Nadja Niesen.

Fall Jessica B aus Frankfurt: Knochenteile von der Wirbelsäule gefunden

Nun hoffen die Ermittler, auf der Deponie in Wicker erneut fündig zu werden. Im Fall Jessica B. war ihnen dies 2015 gelungen. Damals fanden Polizeibeamte bereits am zweiten Tag ihrer Suche in Wicker Knochenteile von der Wirbelsäule des Opfers inmitten von 20 000 Kubikmetern Schlacke. Eine DNA-Untersuchung lieferte dann Gewissheit. Zuvor allerdings hatten die Fahnder vergeblich das Müllheizkraftwerk in der Frankfurter Nordweststadt nach Überresten der Vermissten durchkämmt.

Frankfurt: Der Deponiepark Flörsheim-Wicker

In der Schlackeaufbereitung in Wicker landen unter anderem Abfallreste aus Frankfurt, Offenbach, Mainz, Darmstadt und Mannheim, erläutert Deponiepark-Geschäftsführer Gerd Mehler. Er beziffert die verarbeitete Müllmenge mit 2000 Tonnen pro Tag und rund 450 000 Tonnen pro Jahr. Der Sinn der Anlage sei es, verwertbare Materialien, die den Verbrennungsprozess überdauern, aus der Schlacke zu filtern. Dazu laufen die verbrannten Überreste über Siebe und vorbei an Magneten. Das größte Interesse gelte den Metallen, sagt Mehler. In der Asche finde sich aber auch anderes Material, dass zurückbleibe, weil die Verbrennungsanlagen nicht heiß genug seien. Holzbalken, dicke Telefonbücher oder auch Knochen seien Dinge, die nicht vollständig zerfallen. "Eine Müllverbrennung ist kein Krematorium", betont Gerd Mehler.

Fall Jessica B. aus Frankfurt: Suche führte zu Gewissheit

Für die Ermittler der Polizei bedeutete dies, dass sie die verbrannten Deponiereste genau unter die Lupe nehmen müssen. Im Fall der vermissten Jessica B. war es damals grob möglich gewesen, zu bestimmen, welcher Bereich der Schlacke aus dem Zeitraum stammte, als die 22-Jährige verschwand. Die Ermittler hatten damals eine hochauflösende Kamera über dem ersten Sieb der Aufbereitungsanlage installiert, um auffällige Stoffe zu identifizieren. Sobald das Bild Unregelmäßigkeiten zeigte, wurde die Anlage gestoppt und der Müll von Hand durchsucht. Jeweils drei Beamte überwachten damals die Anlage in Schichten von acht Stunden.

Damals hat sich der Aufwand gelohnt, Jessica B.s Exfreund konnte die Tat nachgewiesen werden. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts verurteilte den Mann im Juli 2016 wegenTotschlag zu zwölfeinhalb Jahren Haft. Der Mann hatte zugegeben, das Opfer erwürgt und in die Tonne gesteckt zu haben. 

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