Forschungsprojekt

Vermisste Kinder finden: Professorin entwickelt Analyse-Werkzeug

Allein in der EU werden jedes Jahr 250 000 Kinder als vermisst gemeldet. Bei der Suche will nun Barbara Klein helfen.

Barbara Klein hat einen Auftrag. Sie will helfen, vermisste Kinder zu finden, mit Hilfe des Internets und einer noch zu entwickelnden App. Das ist der Plan der Professorin für Organisation und Management der Sozialen Arbeit an der Frankfurter University of Applied Sciences (UAS). Unterstützt wird sie dabei von der Kriminologin Isabelle Brantl von der Universität Vechta. Noch steht das internationale Forschungsprojekt ganz am Anfang.

Verschiedene Kategorien

Wird ein Kind vermisst, ist die Verzweiflung bei den Eltern groß und der Erfolgsdruck für die professionellen Ermittler, die nach dem Kind suchen, ist es auch. „Wir unterscheiden unterschiedliche Kategorien von Vermisstenfällen“, erklärt Klein. Da seien die Kinder, die in höchster Not, etwa nach erlebten Misshandlungen, von zu Hause wegliefen und diejenigen, die von einem Elternteil als vermisst gemeldet würden, weil der andere Elternteil das Kind gleichsam entführt habe. Zwei weitere Kategorien seien die Kinder, die vermisst würden, weil sie Opfer krimineller Entführungen wurden und schließlich Kinder, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterwegs seien und plötzlich verschwänden. Barbara Klein: „Jedes Jahr werden in der EU mehr als 250 000 Kinder als vermisst gemeldet.“

Ein internationales Forschungsprojekt will nun eine Software entwickeln, um die Suche nach ihnen zu verbessern. Die Frankfurter UAS ist Mitglied in dem Forschungsverbund. Das von der EU mit zwei Millionen Euro für drei Jahre geförderte Projekt „ChildRescue“ soll ein Analyse-Werkzeug entwickeln, um vermisste Kinder schneller und effektiver finden zu können. Bisher sind Ermittlungsverfahren und -instrumente in Europa sehr unterschiedlich, erklärt Klein. Dabei seien die ersten Stunden nach dem Verschwinden für die Fahndung entscheidend.

Das Projekt „ChildRescue“ erforsche Interaktions- und Wahrnehmungsmuster vermisster Kinder und Jugendlicher durch die Verknüpfung von sozialen Netzwerken und mobilen Standorten, erläutert die Professorin. So könnten Persönlichkeitsprofile erstellt werden, um den Aufenthaltsort zu bestimmen. Das Projekt entwickele ein Analysewerkzeug, das Informationen über Eigenschaften und Verhaltensweisen der Kinder mit Daten der öffentlich zugänglichen Online-Präsenz verbinde.

Beteiligte verbinden

„ChildRescue“ soll die Beteiligten an der Suche nach vermissten Kindern, darunter die Strafverfolgungsbehörden, die Hotline 116000 für vermisste Kinder, das Alarmsystem für vermisste Kinder „AmberAlert“ und das Rote Kreuz, unterstützen und verbinden. Außerdem soll das Projekt Bürgern mit einer App ein Instrument zur Verfügung stellen, um bei der Suche zu helfen.

Gemeinsam mit Bartl will Klein in einem ersten Arbeitsschritt Interviews mit unterschiedlichen Organisationen führen. Anhand der dabei gewonnen Informationen und Erkenntnisse würden die nächsten Schritte entwickelt.

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