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Michael Kohl leitet die Vermögensverwaltung der Commerzbank.

Commerzbank

Die Vermögensverwaltung als Wachstumstreiber

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Die Vermögensverwaltungs-Sparte der Commerzbank hofft auf deutliches Wachstum durch die immer striktere Regulierung sowie das Zins- und Börsenumfeld.

Die Sparte ist bedeutend: Schon heute steuert die Vermögensverwaltung rund 40 Prozent zu den 100 Milliarden Euro bei, die die Commerzbank insgesamt an Vermögenswerten verwaltet; ein Teil davon wird gemeinsam mit der Fondstochter der Allianz (AGI) betreut. „Und das wichtigste: Das Geschäft wächst signifikant“, sagte der zuständige Bereichsleiter Michael Kohl in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Im Vorjahr kamen netto – also ohne Kursschwankungen – 2,3 Milliarden Euro neu hinzu; 2016 waren es erst 0,6 Milliarden gewesen. Die Vermögensverwaltung entwickelte sich damit auch deutlich besser als das Wertpapiergeschäft des Instituts insgesamt. Seit Kohl 2013 seinen Posten antrat, hat er das für Kunden betreute Volumen fast verdoppelt.

Als einen Grund des Wachstums sieht Kohl die Regulierung, zuletzt die neue EU-Finanzmarktrichtlinie „MiFID 2“. „Weil deswegen eine erhebliche Menge an Formularen ausgefüllt werden muss, sind Privatanleger zunehmend überfordert.“ Und das Nullzins-Umfeld erschwere Entscheidungen: Wer früher schlicht in Bundesanleihen investieren konnte, müsse heute zum Vermögenserhalt komplexe Wertpapiere kaufen und Risikomanagement beherrschen. Lange Zeit hätten Anleger noch hochrentierliche Anleihen von früher in den Depots gehabt, doch die liefen nach und nach aus. „Seit zwei Jahren spüren wir diese verstärkte Nachfrage.“

Und die Zinswende? In den USA bringen zehnjährige Staatsanleihen schon wieder rund drei Prozent Rendite, doch in der Eurozone rechnet Kohl nur mit einer geringfügigen Anhebung der Zinsen, und zwar frühestens Ende nächsten Jahres: „Es sollte noch Jahre dauern, bis die Zinsen in Europa zumindest wieder die Inflation ausgleichen. Das heißt, die Geldvernichtung geht weiter.“

Auch am Aktienmarkt seien „die Wolken – trotz weiterhin positiver Konjunkturaussichten – zuletzt dunkler geworden“. Schlimmer als der Streit im Unionslager belaste der drohende Handelskrieg mit den USA. „Aber wenn man mit einer Vermögensklasse noch Geld verdienen kann, dann sind das Aktien.“ Allein die Erträge dividendenstarker Aktien brächten deutlich mehr ein als jedes festverzinsliche Wertpapier. Und sollte es zu einer deutlichen Korrektur der Börsenkurse kommen, „dann ist unser Anspruch, deutlich weniger zu verlieren als der Markt“.

Angesichts eines derart komplizierten Umfelds vertrauen nach Kohls Worten immer mehr Investoren auf die Profis von der Commerzbank. Das Angebot ist für Summen über 250 000 Euro verfügbar (bzw. ab 100 000 Euro nur für ETFs), es wird dann auf 30 bis 60 verschiedene Wertpapiere, aktiv gemanagte Fonds oder börsengehandelte Indexfonds (ETFs) sowie Rohstoffe oder Gold verteilt. Aber geht nicht der Trend, getrieben von FinTechs, hin zur computergestützten Geldanlage, sogenannten „Robo-Advisors“? Die Commerzbank hat –anders als beispielsweise die Deutsche Bank – kein solches Angebot, sondern verweist auf die Tochter Comdirect. Noch kämen die FinTechs nicht auf signifikante Volumina an Anlagegeldern. Und man glaube daran, mit aktiver Auswahl der Einzeltitel und einer Einschätzung der Konjunkturzyklen einen Mehrertrag schaffen zu können. Bei zehn bis fünfzehn Prozent der Aktienanlagen vertraut die Bank aber inzwischen auf Computersignale: Warnen diese vor einem Kurssturz, dann reduzieren die Vermögensverwalter den Aktienanteil rasch und ohne dass ein Mensch noch eingreift. Die Commerzbank will dieses Vorgehen noch etwa eineinhalb Jahre erproben und dann über eine Erhöhung des entsprechenden Anteils entscheiden – auf mehr als ein Viertel laut Kohl aber nicht. Aktuell warnt das Commerzbank-System übrigens vor Gefahr von Kursverlusten – sowohl in den USA als auch in Europa.

Immerhin können Kleinanleger bei FinTechs auch geringere Summen anlegen als bei der Commerzbank – quasi eine Demokratisierung der Vermögensverwaltung. Kohl: „Und das ist auch gut so.“ Dennoch müsse man zwar die Entwicklung genau beobachten, aber aktuell noch nicht dabei sein: „VW hat auch lange den Markt für Mini-Vans beobachtet, bevor sie den Touran gebaut haben. Und was ist heute das meistverkaufte Modell?“

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