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Eckhard Gathof und Margit Krämer drücken die Schulbank, allerdings nur für unseren Fotografen.

Gruneliusschule in Oberrad

Gut vernetzt im Hier und Jetzt

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Die Oberräder Gruneliusschule feierte am Wochenende ihr 125-jähriges Bestehen, vor allem aber die beispielhafte Gemeinschaft im „Gärtnerdorf“. Noch wichtiger als der Blick in die Vergangenheit ist nach Auffassung der Schulleitung nämlich das Hier und Heute.

Wie Oberrad damals war, im Jahr 1890, als die Gruneliusschule eröffnet wurde, das könne man sich überhaupt nicht vorstellen, sagte Schulleiterin Margit Krämer vor einigen 100 Zuhörern in der proppevollen Turnhalle. Fast alle der aktuell 382 Schüler, dazu ihre Eltern, Großeltern und Freunde, Lehrer und Schulförderer waren am Samstag gekommen, um das 125-jährige Bestehen der Ganztags-Grundschule zu feiern.

Oberrad sei im Jahr der Gründung noch ein Dorf gewesen, von Landwirtschaft und Feldarbeit geprägt – auch die Kinder hätten gearbeitet, sagte Krämer. Man habe sich wenig darum geschert, weshalb Katharina Elisabeth Grunelius (1810-1892), die aus einer Bankiersfamilie mit Oberräder Landsitz stammte, gesagt haben soll: „Es muss sich doch jemand um die Kinder kümmern.“

Schon im Jahr 1828 hatte die Familie Grunelius die erste Kleinkinderschule im „Gärtnerdorf“ errichtet, zunächst im Dienerschaftsgebäude der eigenen Villa. 1878 folgte der Bau einer evangelischen Mädchenschule an der Ecke Bleiweißstraße-Gruneliusstraße, 1890 wurde sie eröffnet, 1907 nach der Stifterin benannt, später mit zwei katholischen Schulen zusammengeschlossen. Alle Kinder sollten Bildung erhalten, lautete Grunelius’ Gedanke schon vorher – ein Leitbild, das damals wie heute Gültigkeit besitzt und das Selbstverständnis der Lehreinrichtung prägt.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) äußerte lobende Worte: „Hier wird Vorbildliches geleistet und vorgeführt, wie unsere Stadt in Zukunft aussehen wird“, sagte er und verwies auf die Quote von mehr als 50 Prozent Frankfurter Schülern mit Migrationshintergrund. Gemeint waren daher die großen Mühen der Schule, des Elternbeirats und des Fördervereins, eine „Schule für alle“ zu betreiben: Kinder jeder Herkunft und körperlicher oder geistiger Gesundheit sollen gemeinsam unterrichtet werden. In der Gruneliusschule sei daher jede zweite Klasse eine Inklusionsklasse, berichtete der stellvertretende Schulelternbeirat Eckhard Gathof. Die Schule versammelt zudem Kinder, die zu Hause über 30 Sprachen sprechen.

Nicht von ungefähr betonten Gathof und Krämer, das Besondere an der Schule sei weniger die Historie und mehr das Hier und Heute: die funktionierende Gemeinschaft innerhalb des Quartiers. „Wir sind eine Stadtteilschule und stolz darauf“, betonte Krämer. Und Gathof erklärte: „Wir sind alle gut vernetzt im Stadtteil, der noch dörflichen Charakter hat. Man kennt und hilft sich untereinander.“

Der Förderverein der Schule, der seit der Jahrtausendwende Nachmittagsangebote, ausgedehnte Betreuung und das inzwischen langjährige Ganztagsangebot vorantrieb, leiste eine „hervorragende Arbeit“– stets unter Mitwirkung zahlreicher Oberräder Vereine. „Es gibt einen besonderen Zusammenhalt“, hebt Eckhard hervor.

Dieser werde aber in den kommenden drei Jahren auf die Probe gestellt: Die Schulsanierung für 15 Millionen Euro und die darin begriffene Auslagerung des Schulbetriebs in Container – wahrscheinlich auf dem Pfaffenacker – steht ab 2016 an. In dieser Zeit soll die Turnhalle ein zweites Feld erhalten, eine Mensa gebaut werden und vor allem endgültige Barrierefreiheit entstehen.

„Aktuell sind die Bedingungen gut“, befand Margit Krämer, „aber die Schule soll auch Lebensraum sein“. Diesem müssten die Räumlichkeiten entsprechen, zumal die Schülerzahlen bis zum Jahr 2018 auf 469 ansteigen werden. „Wir scheitern zum Beispiel an Funktionsräumen für Musik oder Computer“, so Krämer weiter. Diese lägen in oberen Stockwerken und wären für Rollstuhlfahrer nicht zu erreichen. „Daher können die Bedingungen verbessert werden.“

Gemessen an der Historie der Schule sind das allerdings Kleinigkeiten: Nachdem Weltkriegsbomben die Schule 1944 zerstörten, wurde der noch heute genutzte Neubau erst 1959 eröffnet. „Das waren lange Jahre unmögliche Bedingungen“, betonte Krämer.

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