Eine Gruppe Schüler geht mit ihrem Gepäck an einer Unterkunft im Schullandheim Wegscheide vorbei. Generationen von Frankfurter Schülern und Schülerinnen haben ihre Klassenfahrt auf dem 35 Hektar großen Gelände mit Wiesen, Wald, Spiel- und Sportplätzen verbracht.
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Eine Gruppe Schüler geht mit ihrem Gepäck an einer Unterkunft im Schullandheim Wegscheide vorbei. Generationen von Frankfurter Schülern und Schülerinnen haben ihre Klassenfahrt auf dem 35 Hektar großen Gelände mit Wiesen, Wald, Spiel- und Sportplätzen verbracht.

Pandemie

Corona-Regeln zu Klassenfahrten sorgen für Verwirrung: Schulleiter fordern Klarheit

  • Mark-Joachim Obert
    VonMark-Joachim Obert
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Schulleiter in Frankfurt sind ratlos, wann Reisen stattfinden dürfen und wann nicht. Das Hessische Kultusministerium äußert sich.

Update vom Freitag, 03.09.2021, 13.40 Uhr: Wie das Hessische Kultusministeriums mitteilte, wird es erst in der Zeit nach den beiden Präventionswochen Neuregelungen für Klassenfahrten geben. Bis dahin gelte die aktuelle Verordnung, die vorsieht, dass weder im Ausgangs- noch im Zielgebiet die Inzidenz am Tag des Beginns der Fahrt drei Tage nacheinander den Wert von 100 überstiegen haben darf.

Da das in Frankfurt - und auch in Offenbach - aktuell der Fall ist, haben die Schulen hier derzeit keinerlei Aussicht auf Klassenfahrt fahren zu können. Für den Zeitraum nach den beiden Präventionswochen werde laut Ministerium eine Neuregelung ausgearbeitet, die auch neue Kriterien zur Beurteilung der Pandemie berücksichtigen wird.

Corona-Regelung zu Klassenfahrten sorgt für Verwirrung: Schulleiter fordern Klarheit

Erstmeldung vom Donnerstag, 02.09.2021: Frankfurt - Die Corona-Pandemie und die Politik sorgen einmal mehr für Verwirrung. Und einmal mehr sind es Schulen und Eltern, die nicht durchblicken. Mit Ende der Ferienzeit sind zwei drängende Fragen aufgetaucht: Dürfen Klassenfahrten stattfinden, oder nicht? Welche Kriterien sind entscheidend? Vorab so viel: Das Hessische Kultusministerium sagte am Donnerstag (02.09.2021) auf Anfrage dieser Zeitung, dass es so schnell wie möglich eine rechtsverbindliche und vor allem einfache Ad-hoc-Regelung veröffentlichen werde. Die aktuell gültige Verordnung stamme von Juni und entspreche nicht mehr der gegenwärtigen Bedeutung von Inzidenzen, räumte das Ministerium ein.

Auch ein Elternbrief von Kultusminister Alexander Lorz (CDU), abgeschickt vor den Ferien, macht das Problem eher deutlich als dass er es löst: Schulfahrten innerhalb Deutschlands könnten grundsätzlich durchgeführt werden, schrieb der Minister seinerzeit, schränkte aber ein: „Sofern die Entwicklung der Pandemie dies zulässt.“ Lorz spielte dabei auf die im Juni verfasste Landesverordnung an: Die besagt, dass Klassenfahrten nicht durchgeführt werden dürfen, wenn im Abfahrtsort und im Zielort* die Sieben-Tage-Inzidenzen in den drei Tagen vor Reisebeginn über 100 liegen. In Frankfurt lag sie gestern bei 120,5, und auch in vielen anderen Regionen in Hessen ist die 100er-Grenze überschritten.

Frankfurt: Dürfen Klassenfahrten stattfinden oder nicht? Schulleiter verlangen Klarheit

Im Kultusministerium standen deshalb in den vergangenen Tagen die Telefone nicht still, Schulleiter verlangten Klarheit. Gilt nun die Inzidenz im Heimatort und im Zielort? Gilt sie nur für den Heimatort oder den Zielort? Gelten überhaupt noch die Inzidenzen, wo die Bundesregierung sie doch bald nicht mehr als alleiniges Kriterium heranziehen will? Wer übernimmt die Kosten, wenn gebuchte Reisen zu kurzfristig abgesagt werden müssen?

Auch manche ratlosen Eltern versuchten beim Ministerium ihr Glück - so wie Julia Hanauer. Sie ist Elternbeirätin an der Schule am Ried, wo für nächste Woche eine Klassenfahrt nach Heppenheim an der Bergstraße geplant ist. Ob die Schüler reisen dürfen oder nicht, wusste ihr ein Mitarbeiter am Elterntelefon des Ministeriums nicht zu sagen. Auch Philipp Bender, Sprecher des Kultusministeriums, konnte die Frage gestern nicht beantworten. Wie auch? Gestern lag die Inzidenz im Landkreis Bergstraße bei 98,5. Würde sie ab heute bis Montag bei über 100 liegen, müsste die Klassenfahrt am Sonntag gestrichen werden. Wohlgemerkt: Es gilt der Grenzwert für Abfahrtsort und Zielort. Ist nur ein Ort betroffen, darf gefahren werden.

Frankfurt: Verwirrung um Regelung zu Klassenfahrten – „Unlogische Verordnung“

Das ist nicht nur kompliziert, sondern epidemiologisch betrachtet so unlogisch wie viele Entscheidungen zur Pandemie, räumt auch Ministeriumssprecher Bender ein. Missverständlich formuliert ist es in der Verordnung obendrein. Auch er habe sich das von einem Juristen erklären lassen müssen, sagte Bender und kündigte bereits erwähnte Ad-hoc-Regelung an. In ihr würden die Inzidenzwerte keine große Rolle mehr spielen - ganz so, wie es Berlin wohl bald auch im Bundesinfektionsschutzgesetz ändern wird. Der Plan ist, die Regelungslücke für Klassenfahrten noch im Laufe des heutigen Freitags zu schließen. Versprechen wollte das Ministerium das nicht.

Für die Schule am Ried könnte das noch reichen. Am Donnerstag hat deren Leiter zwar bereits eine Absage-Mail an die Herberge formuliert, aber Elternbeirätin Hanauer wollte ihn noch davon abbringen, sie abzuschicken. Für den Schulleiter ein Konflikt: Schickt er sie zu spät ab, bleiben die Eltern auf den Kosten sitzen. Die erstattet das Land nicht. Julia Hanauer verärgert das alles sehr: Das Kultusministerium habe mal wieder Zeit vergeudet, sagt sie. Im Ministerium sieht man das ähnlich: „Wir hätten das voraussehen und früher handeln sollen“, so Sprecher Bender.

Dieter Clemens, Leiter der Leibnizschule, hat gehandelt. Er hat gestern die Fahrten der fünf zehnten Klassen abgesagt. Dass eine Ad-hoc-Regelung kommen wird, hat er erst im Gespräch mit dieser Zeitung erfahren. Aus dem Ministerium kam bis Donnerstagnachmittag (02.09.2021) nichts. (mjo)

*Sehr geehrte Leserinnen und Leser, in einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass Klassenfahrten nicht stattfinden dürfen, wenn die Inzidenz im Abfahrtsort und im Zielort über 100 liegt. So hatte es fälschlicherweise das Hessische Kultusministerium am Donnerstag (02.09.2021) unserer Zeitung mitgeteilt. Die Regel tritt aber bereits in Kraft, wenn die Inzidenz nur in einem der beiden Orte über 100 liegt. Das Ministerium berichtigte am Freitag (03.09.2021) seinen Fehler. Die Information wurde im Text hinzugefügt.

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