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Polizisten sichern nach dem Mord das Geschäftshaus in der Walter-Kolb-Straße.

Gericht

Verworrene Strukturen im Wettmilieu - Mordprozess geht in die Verlängerung

Seit Ende Juli läuft am Landgericht der Prozess um den Auftragsmord an einem Sachsenhäuser Geschäftsmann. Die Aufarbeitung der Tat, die mehr als vier Jahre zurückliegt, gestaltet sich als schwierig. Der Prozess, der unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen geführt wird, wird sich bis ins nächste Jahr ziehen.

Der Fall hatte für einiges Aufsehen gesorgt: Drei Schüsse sind es, mit denen Oliver F. (59) am 3. Januar 2014 vor seinem Wettbüro in Sachsenhausen niedergestreckt wird. Abgefeuert haben soll sie der Kroate Ivan M. (46). Er soll F. im Auftrag des serbischen Geschäftsmannes Sascha D. (47) getötet haben.

Ins Ausland abgetaucht

Während der Auftraggeber abgetaucht ist – er soll sich ins Ausland abgesetzt haben – muss sich Ivan M. seit Ende Juli vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Laut der Anklage geht es um heimtückischen Mord, hinzu kommt als zweites Mordmerkmal Habgier. Außerdem sind noch waffenrechtliche Verstöße angeklagt.

Die Beweisaufnahme in dem Verfahren gestaltet sich als schwierig. Zu verworren ist das Geflecht der Wettbüros, zu umfangreich sind die Beweise aus der Telefonüberwachung, zu widersprüchlich sind die Darstellungen der vielen Zeugen, die das Gericht in der Angelegenheit hört. „Die Ermittlungen waren sehr komplex und nicht einfach. Der Angeklagte agierte sehr konspirativ“, schildert auch einer der Ermittler der zuständigen Mordkommission vor Gericht. Schon jetzt ist klar, dass die 14 angesetzten Verhandlungstage nicht ausreichen werden und der Prozess nicht wie ursprünglich geplant bis September abgeschlossen werden kann. Die Kammer hat ihn deshalb bis zum 16. Januar verlängert.

Lesen Sie auch: Auftragsmord an Frankfurter Wettbüro-Besitzer: Mutmaßlicher Auftraggeber erscheint nicht im Zeugenstand

Als bisheriger Hauptbelastungszeuge im Prozess tritt Jürgen K. (63) auf, ein ehemaliger Geschäftspartner des Opfers. Auch er soll von dem Serben, der den Mord an Oliver F. in Auftrag gegeben haben soll, bedroht worden sein: „Er hat mir eine Pistole im Schuhkarton gezeigt“, sagt Jürgen K.. „Ich hatte richtig Angst und habe sie immer noch“, erklärt er. Er habe das Opfer 30 Jahre lang gekannt, sie seien Freunde und hätten 2003 gemeinsam die Sportwettenfirma aufgebaut. 2009 kam es zum Bruch.

Es ging um Geld

Auch der flüchtige Serbe soll sich von F. betrogen gefühlt haben, nachdem beide ihre Wettfirmen zusammengelegt hatten. Investorengelder sollen verschwunden sein, immer wieder kam es zum Streit. Dass Sascha D. laut, impulsiv und aggressiv sein soll, bestätigen im Verfahren sämtliche Zeugen. Noch am Tag nach dem Mord hatte Zeuge Jürgen K. nach eigener Aussage Kontakt zu ihm. „Er schuldete mir Geld, wollte, dass ich nach Serbien komme. Das hätte ich wohl nicht überlebt“, sagt K. Nach dem Mord habe er verstanden, was Sascha D.s Andeutungen bedeutet hätten, Sätze wie „Der kommt dran. Das ist kein Kindergeburtstag“ seien gefallen.

Dass der mutmaßliche Mörder, Ivan M., den Ermittlern überhaupt ins Netz ging, hat mit einem anderen Fall in Berlin zu tun, bei dem er einen Mann angeschossen haben soll. Für diese Gewalttat wurde er später zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

(bi,dpa,red)

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