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Streitthema Loch an der Hauptwache: Verzögerung statt Verschönerung

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Das ewige Loch an der Hauptwache bleibt auch weiterhin völlig unverändert, die Politik debattiert nur darüber.
Das ewige Loch an der Hauptwache bleibt auch weiterhin völlig unverändert, die Politik debattiert nur darüber. © Peter Jülich

Das Stadtparlament debattiert über Loch an Hauptwache. Eine Verschönerung scheint nicht in Sicht – auch keine kurzfristige. Die Statik trägt keine Blumenkübel.

Frankfurt – In der Diskussion um die Zukunft über den Platz an der Hauptwache sind neue Argumente aufgetaucht, warum selbst eine Verschönerung nicht einfach so möglich sei. Das unterirdische Bauwerk sei „statisch sehr filigran“, weshalb Pflanzkübel „nicht überall“ stehen könnten, erklärte Planungsdezernent Mike Josef (SPD) in der Fragestunde der jüngsten Plenumssitzung der Stadtverordnetenversammlung.

Die Umgestaltung des zentralen Platzes in der Innenstadt kommt bisher nicht über Debatten hinaus. 2010 hatten die Stadtverordneten beschlossen gehabt, das große Loch mit den ausladenden Treppenabgängen zur B-Ebene hinunter mit einem Deckel zu verschließen. Das aber setzten die Stadtregierungen nicht um - seit 2016 konkret Dezernent Josef, wie der planungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, Albrecht Kochsiek, anmerkt.

Als zentrales Argument wird stets bemüht: Die Lösung könne die Stadt erst angehen, wenn die Verkehrsgesellschaft (VGF) das unterirdische Bauwerk saniert habe. Darin befinden sich Ladenpassagen sowie U- und S-Bahn-Station mit 96 000 Fahrgästen am Tag. Das erwähnt Mike Josef auch diesmal, ebenso Planungspolitikerin Julia Moniri von der größten Regierungsfraktion, den Grünen.

Frankfurt: VGF wartet auf Grünes Licht für Sanierung

Damit die VGF das Bauwerk sanieren kann, bräuchte sie zunächst Grünes Licht der Politik. Darauf aber wartet die städtische Gesellschaft seit Jahren - vermutlich auch, weil die Sanierung des 1968 eröffneten Baus zig Millionen Euro verschlingen wird. Diese Kosten schiebt die Politik mit der Köpenickiade vor sich her.

Der Ärger über die zusehends unansehnliche Stadtmitte lässt jedoch nicht nach, woraufhin die Koalition von Grünen, SPD, FDP und Volt - auch mit Stimmen der oppositionellen CDU - im Herbst 2021 die teure Deckellösung kippte. Nun sollen Platz und Loch nur umgestaltet und begrünt werden. Doch selbst davon ist nichts zu sehen. Es würden derzeit 17 temporäre Projekte realisiert, die aus 50 Ideen von Bürgern ausgesucht worden seien, erläutert Planungsdezernent Josef - wie aktuell die Pop-Up-Aktion „Wohnzimmer Hauptwache“. Man müsse aber bedenken, dass der Platz „vor allem ein Transitraum“ sei, weshalb Verkehrsflächen frei bleiben müssten. „Ideen, die Planungsbüros gemacht haben, sind nicht überall umsetzbar“, schränkt er ein, etwa weil sie Flächen für die Feuerwehr überplant hätten. Und wegen der Statik des darunter liegenden Bauwerks werde „nicht überall Begrünung möglich“ sein.

Umbau der Hauptwache in Frankfurt: „Wieder ist ein Jahr lang nichts passiert“

Vorschläge für die Umgestaltung hatte auch die Stiftung Altes Neuland gemacht. Mit ihr sei der Magistrat „in Austausch“, sagt Josef. „Die Ideen sind gut, aber wir prüfen sie zurzeit noch.“ Zur konkreten Umsetzung kündigt der Stadtrat eine „Aufwertung zum Beispiel durch Sonnensegel“ an. Die leerstehenden Räume im „Apothekerhügel“ sollten für die Technik einer Zwischennutzung verwendet werden oder als Interimsunterkünfte für Läden aus der B-Ebene bei deren Sanierung.

Wieso aber noch nichts umgesetzt ist, „ich kann es nicht nachvollziehen“, sagt Albrecht Kochsiek. „Wieder ist ein Jahr lang nichts passiert“, kritisiert der CDU-Politiker. „Es wäre gut, wenn es wenigstens nächstes Jahr endlich umgesetzt würde.“

Umbau der Hauptwache in Frankfurt: „Eine unendliche Leidensgeschichte“

Gegen diese Kritik nimmt der planungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Simon Witsch, seinen Parteifreund Josef in Schutz. „Die Hauptwache wurde auch unter Verantwortung der CDU vernachlässigt.“ Tatsächlich regierte die CDU bis 2021 - dabei seit 2016 mit der SPD. Josef ist seit 2016 Planungsdezernent, davor war es seit 2012 der Grüne Olaf Cunitz, davor Edwin Schwarz (CDU).

Derzeit aber und schon länger sei Mike Josef zuständig, erinnert Albrecht Kochsiek. Es gebe auch keinen Austausch mit der Stiftung Altes Neuland. „Die Stiftung hat vor einem Monat um einen Termin bei Herrn Josef gebeten und wartet bisher auf eine Antwort“, schildert der CDU-Planungspolitiker. Die Verschönerung der Hauptwache sei „eine unendliche Leidensgeschichte“. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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