An einigen Haltestellen - wie hier an der Galluswarte - müssten Fußgängerüberwege verlegt werden, da die längeren Bahnen beim Halten in diese hineinragen würden.	Foto: Rainer Rüffer
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An einigen Haltestellen - wie hier an der Galluswarte - müssten Fußgängerüberwege verlegt werden, da die längeren Bahnen beim Halten in diese hineinragen würden. Foto: Rainer Rüffer

Öffentlicher Nahverkehr

Frankfurt macht Straßenbahnen länger: Eine Linie profitiert besonders

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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In Frankfurt erhalten 20 Wagen der Straßenbahn ein zusätzliches Element, um mehr Fahrgästen Platz zu bieten. Eine Tram-Linie profitiert besonders.

  • Die Stadt Frankfurt verlängert die Wagen der Straßenbahn
  • 20 Trams der Linie 11 sollen 8,5 Meter länger werden.
  • Stadt Frankfurt hat zudem 45 neue Straßenbahnen bestellt

Frankfurt -Die Wagen der Straßenbahn in Frankfurt werden länger. Damit reagiert die Stadt aufs starke Wachstum bei den Fahrgastzahlen. Deshalb sollen die längeren Trams als erstes auf der schon heute am stärksten frequentierten Linie eingesetzt werden: der Linie 11 von Höchst nach Fechenheim.

Die Entscheidung dafür soll der Aufsichtsrat der Verkehrsgesellschaft (VGF) in seiner nächsten Sitzung fällen, kündigt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) an. Er ist auch der Vorsitzende des Aufsichtsrats. Über die Möglichkeit, längere Straßenbahnfahrzeuge einzusetzen, macht man sich im Verkehrsdezernat und bei der städtischen VGF schon seit vergangenem Sommer Gedanken. Über diese Option hatte Oesterling erstmals in dieser Zeitung gesprochen.

Frankfurt macht Straßenbahn länger

"Die Nachfrage steigt, aber der Bau neuer Linien dauert recht lange", erklärt der Dezernent jetzt. Die Trams in dichterem Takt fahren zu lassen, sei ebenfalls recht teuer - nicht nur, weil dafür mehr Fahrzeuge nötig sind, sondern auch weil der Personalbedarf steigt. Und die VGF leidet wie Bahnen und Busunternehmen bereits unter der bundesweiten Personalknappheit. "Deshalb geht der Trend zu größeren Transportgefäßen", sagt Oesterling.

Und zwar auch in Frankfurt: Aus den Gedankenspielen vom vergangenen Sommer soll nun Realität werden. Denn die Stadt hat bei Hersteller Alstom bereits 45 Straßenbahn-Fahrzeuge vom neuen Typ T bestellt. Aktuell geht es ums Feintuning dieser Bestellung.

Frankfurt: Einsatz auf Straßenbahn-Linie 11 geplant

Und das will Oesterling nutzen, um 20 der 45 Fahrzeuge in einer längeren Version zu bekommen. Üblicherweise bestehe der Typ T aus drei Teilen, 20 der Bahnen sollten aber einen zusätzlichen Mittelteil erhalten und dann vierteilig werden. Statt 30 sind die Bahnen dann 38,5 Meter lang.

Auf die Auslieferung der ersten beiden T-Wagen hofft Oesterling noch bis Jahresende. "Aber bei neuen Baureihen kann man nie sicher sein, ob das klappt." Ab Dezember solle Alstom je zwei Bahnen pro Monat liefern. In den ersten Monaten würden die neuen Fahrzeuge genutzt, um die Fahrer sowie die Mitarbeiter in der Werkstatt zu schulen. Die ersten planmäßigen Einsätze auf den Linien seien zum "kleinen Fahrplanwechsel" im Juni 2021 realistisch, schätzt Oesterling.

Dann würden die neuen Fahrzeuge zunächst die Oldtimer der Baureihe P ersetzen. Die Schätzchen aus den 1970er-Jahren sind aktuell wegen der Fahrzeugknappheit im Einsatz und helfen in der Hauptverkehrszeit aus. Anders als anfangs geplant, werde die Baureihe T auch nicht die älteren Niederflurtrams der Baureihe R aus den Neunzigerjahren eins zu eins ersetzen. Zwar nicht alle dieser Fahrzeuge werde die VGF behalten, sagt Oesterling, aber jene, die technisch besser in Schuss seien, besonders aus der seinerzeitigen zweiten Liefertranche.

Wagen der Straßenbahn Frankfurt sollen mehr Platz bieten

Die Langversion der T-Wagen soll von etwa Anfang 2022 an kommen. Sie macht die letzten rund 20 Fahrzeuge der Bestellung aus. Die 38,5-Meter-Fahrzeuge würden sogleich "sukzessive" eingesetzt, kündigt der Dezernent an. Dafür ist schon die Linie 11 auserkoren: Sie ist nicht nur die Route mit den meisten Fahrgästen, besonders westlich der Galluswarte und östlich der Ostendstraße ist sie oft auch sehr voll.

Entlang der Elf seien zudem in den nächsten Jahren starke Fahrgastzuwächse zu erwarten, erinnert Klaus Oesterling. Entlang der Linie reihen sich diverse Bauvorhaben: das ehemalige VGF-Busdepot in der Höchster Palleskestraße, das "Nieder Loch", das Gebiet um den Güterplatz im Gallus, im Ostend das Areal am Danziger Platz sowie das Honsell-Dreieck an der Hanauer Landstraße. "Die Notwendigkeit, dass wir mit größerer Kapazität im Nahverkehr darauf reagieren müssen, ist unzweifelhaft", findet der Stadtrat.

Für die längeren Trams wird es nicht ohne Anpassungen an der Infrastruktur gehen. An einigen Haltestellen - wie an der Galluswarte - müssten Fußgängerüberwege verlegt werden, da die längeren Bahnen beim Halten in diese hineinragten. "Kurzfristig und vorübergehend lässt sich das aber auch über eine Anpassung der Ampelschaltung regeln", schätzt Oesterling. Keine Probleme mache dagegen die Endhaltestelle Zuckschwerdtstraße in Höchst - anders als vermutet. Diese sei lang genug, damit auf jedes der zwei Gleise ein T-Wagen passe.

Deren größere Länge sei aber "prinzipiell kein Problem" im Straßenbahn-Netz, sagt Klaus Oesterling. Mit 30 Metern seien die schon ausgebauten Haltestellen zwar kürzer als die Bahnen. Weil die Türen aber - wie bei der aktuellen Baureihe S - nicht an den Spitzen der Fahrzeuge liegen, sondern fünf Meter weiter hinten, könnten die Bahnen "gerade so" an den Bahnsteigen halten. Wenn in Zukunft Haltestellen ausgebaut werden, werde das dennoch, kündigt der Dezernent an, auf ein neues Standardmaß von 40 Metern Länge geschehen. Dennis Pfeiffer-goldmann

Stadt Frankfurt setzt auf längere Straßenbahn-Wagen

Frankfurt ist eine Stadt der Pragmatiker. Das gilt besonders für den Verkehr. Der grüne Stadtrat Lutz Sikorski machte das weiland mit der Verlängerung der U4 nach Enkheim über die Gleise des Betriebshofs Ost vor. Sein roter Nach-Nachfolger Klaus Oesterling geht nicht minder pragmatisch vor, siehe die Umlegung und Verlängerung der Straßenbahn-Linie 14, um die Nahverkehrskapazität auf der Mainzer Landstraße zu erhöhen.

Die Verlängerung zumindest der Hälfte der Fahrzeuge der nächsten Tram-Generation führt diese Tradition fort. Die Baureihe T um ein Mittelteil zu verlängern, ist eine mehrfach kluge Lösung. Sie ist zwar nicht so sexy wie das Durchschneiden eines roten Bandes bei der Eröffnung einer neuen U-Bahn-Tunnelstrecke. Aber dafür viel günstiger mit überschaubarer Investition und ohne zusätzlichen Personalaufwand. Bei zugleich gutem Nutzen: Sehr bald schon wird den Fahrgästen mehr Platz geboten.

Die verlängerten Trams sind aber nur eine Zwischenlösung. Um den Bau neuer Strecken kommt die Stadt angesichts des Bevölkerungswachstum nicht herum. Die Ring-Straßenbahn ist mehr als überfällig, der U4-Lückenschluss und die U5-Verlängerung zum Frankfurter Berg sind es noch viel mehr. Der Süden Sachsenhausens muss endlich per Schiene erschlossen werden, ebenso Seckbach, Bergen, Nied-Nord, die westliche Nordweststadt und Zeilsheim. Hier muss die Politik eilig das Tempo erhöhen. Pragmatismus allein bringt keine neue Stadtbahn in Fahrt.

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Ein besserer Anschluss für den Riedberg: Was VGF und Traffiq in Frankfurt bald ändern.

Ein Lichtblick in der Außendarstellung des Frankfurter ÖPNV‘s ist hingegen der Bahnbabo. Der berühmteste Straßenbahnfahrer der VGF versteigert jetzt für den guten Zweck einen stylischen Strickpulli, den seine Frau für ihn gefertigt hat. Die Straßenbahnen in Frankfurt sind oft überfüllt. Die „Super-Tram“ soll das ändern. Das Straßenbahnnetz in Frankfurt soll ausgebaut werden. Dafür sollen zunächst zwei alte Strecken reaktiviert werden.

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