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Der ehemalige Musterschüler Victor Plumettaz tritt mit seinem Cello weltweit auf ? auch in Krisenregionen. Denn der Einsatz für Frieden und Verständigung ist dem Musiker wichtig.

Ehemaliger Musterschüler

Victor Plumettaz will die Musik und die Welt verändern

Klassische Musik und neues, experimentelles Musizieren sind für Victor Plumettaz keine Widersprüche. Deshalb hat der Cellist vor zehn Jahren mit Gleichgesinnten die Band „Spark“ gegründet. Gerne bringt der ehemalige Musterschüler jungen Leuten die klassische Musik nahe.

Das Violoncello ist für Victor Plumettaz mehr als ein Streichinstrument zur Interpretation klassischer Meister. Zwar spielt er als professioneller Cellist bei internationalen Konzerten, die er auch in Krisenregionen gibt. Und wie viele seiner Kollegen ist er mit seinem Instrument „verheiratet“. „Mein Cello habe ich von meinem Vater geerbt, es hat seinen eigenen Klang und seine eigene Geschichte“, unterstreicht er.

Doch wer die raue Hornhaut an seinen Fingern fühlt und einige seiner auch selbst komponierten Stücke wie „Scotch Club“ hört, bekommt eine Vorstellung davon, wie oft Victor Plumettaz sein Cello durch hartes Zupfen oder Schlagen auf den Holzrahmen in eine Gitarre, Beatbox oder Holztrommel verwandelt. Denn zusammen mit Gleichgesinnten wagt er in der klassischen und auch zeitgenössischen Musik gerne eigene Experimente – und sucht nach seinem eigenen Weg zwischen Rock und Rokoko.

Deshalb ließ sich der gebürtige Ginnheimer und frühere Musterschüler vor zehn Jahren dazu bewegen, eine klassische Band zu gründen und klassische „ernste“ Musik in neuem Gewand zu präsentieren. „Wir wollten einfach, dass der Funke überspringt“, erklärt er den englischen Bandnamen „Spark“. Das Repertoire umfasst Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart ebenso wie zeitgemäße Vertreter der Minimal Music wie Michael Nyman, Fazil Say und eigene Werke, die Plumettaz zusammen mit den übrigen Bandmitgliedern Andrea Ritter (Flöte), Daniel Koschitzki (Flöte), Stefan Balazsovics (Violine) und Arseni Sadykov (Klavier) schreibt.

Schon in seiner Schulzeit, so erinnert sich Plumettaz, übte er nicht immer nur die Stücke ein, die ihm seine Cellolehrer aufgaben, sondern spielte und improvisierte zusammen mit seinen Freunden. „Wenn ein klassischer Komponist ein Werk für ein Streichquartett komponiert hat, dann hätte er sicher nichts dagegen, wenn man es mit Streichern und Bläsern zusammen variiert und etwas aufpeppt“, ist er überzeugt. Und ein paar moderne Klangschleifen, genannt Loops, wären im 21. Jahrhundert sicher auch erlaubt – die Musterschüler im Nordend jedenfalls waren beim jüngsten Auftritt der Band „Spark“ für das Projekt „Rhapsody in School“ davon ebenso begeistert wie von dem Solostück „Stonehenge“, das Plumettaz für sie spielte.

Wobei es Plumettaz kaum überrascht, dass sich an seinem ehemaligen Gymnasium, das sich der Förderung von Musik verschrieben hat, nur wenige an das Violoncello wagen. „Klar, die meisten beginnen mit Flöte oder Klavier, denn das Cello ist schwer und verlangt Haltung“, sagt er. Denn anders würde man dieses sensible Instrument mit seinem Stachel (Perno) gar nicht zwischen seinen Beinen balancieren können.

Plumettaz wurde 1986 als Sohn einer ungarisch-schweizerischen Musikerfamilie geboren. Er wuchs dreisprachig auf – Schweizerdeutsch mitgerechnet – und trat anders als seine beiden Brüder in die Fußstapfen seiner Eltern. Cello spielt er seit seinem zehnten Lebensjahr, der Besuch der Musterschule ergab sich folgerichtig, außerdem nahm er Unterricht an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Doch der junge Victor probte auch gerne die Revolution: „Ich habe mit meinem Musiklehrer Kämpfe ausgefochten, warum man Schumann eigentlich zu den Romantikern zählt“, berichtet er lachend. Zunächst sei das jugendliche Opposition gewesen, wie er heute bekennt. Und doch drückt sich auch etwas von der Einstellung aus, die er mit seinen Bandmitgliedern teilt: Menschen und Epochen sollte man nicht in Schubladen stecken, um sie angeblich besser zu verstehen.

Unkonventionell ging die Laufbahn des jungen Musikers weiter: Plumettaz verließ die Musterschule ohne Abschluss und bewarb sich direkt an der Musikhochschule von Karlsruhe. Hier lernte er Andrea Ritter und Daniel Koschitzki kennen, mit denen er 2007 die Band „Spark“ gründete. Seine internationalen Konzerte führen ihn immer wieder in Krisengebiete wie Israel, Palästina oder dem Kosovo, denn der Einsatz für Frieden und Völkerverständigung ist Plumettaz ein wichtiges Anliegen.

Doch wer so viel in der Welt erlebt, zieht sich privat auch gerne mal zurück: „Deshalb wohne ich mit meiner Freundin im Bad Nauheimer Rosendorf Steinfurth.“ Doch mit Frankfurt bleibt er über seine Familie verbunden und über Freunde, mit denen er gerne mal im Gallus ausgeht. Und natürlich über seine alte und andere Frankfurter Schulen, die er gerne mit der Band besucht.

Übrigens: Als besonders sportlich bezeichnet sich Victor Plumettaz nicht. Aber er macht stets eine gute Figur und versteht es, Haltung zu zeigen. Warum ihm das so leicht fällt? „Das lernt man, wenn man Cello spielt“, stellt er fest und muss grinsen.

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