Doppelt hält besser: Ein riesengroßes Piktogramm auf der Fahrbahn zeigt an, dass Radfahrer nicht überholt werden dürfen. Exakt das gleiche Verkehrszeichen hängt jeweils an den Zufahrten zur Schloßstraße.
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Doppelt hält besser: Ein riesengroßes Piktogramm auf der Fahrbahn zeigt an, dass Radfahrer nicht überholt werden dürfen. Exakt das gleiche Verkehrszeichen hängt jeweils an den Zufahrten zur Schloßstraße.

Jahresrückblick

Fahrrad-Regeln in Frankfurt: Viel Flickschusterei in der Schloßstraße

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Dem Fahrrad soll es in der Stadt Frankfurt einfacher gemacht werden. Auf dem Weg zu fahrradfreundlichen Verkehrsregelungen ist immer wieder auch die Schloßstraße Thema.

Frankfurt – In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten – aus Sicht unserer Redakteure. Was war das Thema, das den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt hat? Heute ist der Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) und die Schloßstraße an der Reihe.

Als überflüssige Malerei bezeichnen Kritiker die Markierungen auf der Fahrbahn der Schloßstraße. Ja gar als Schikane für Autofahrer wird die neue Verkehrsregel auf dem 750 Meter langen Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Rödelheimer Straße - Autofahrer dürfen Radler nicht überholen - empfunden. Befürworter hingegen sprechen von "überlebenswichtigen" Maßnahmen zum Schutz der Radfahrer. Mancher Autofahrer fühlte sich da als Verkehrsrowdy abgestempelt.

Fahrrad-Frankfurt: Der Kampf der Autofahrer und der Radler

Eins hat das abgelaufene Jahr im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) aber gezeigt: Die Stimmung ist aufgeheizt. In fast jeder Sitzung war die Schloßstraße Thema. Der neutrale Zuhörer bekam da den Eindruck, der Machtkampf Radler gegen Autofahrer oder Autofahrer gegen Radler sei entbrannt und werde teils unter der Gürtellinie ausgetragen.

Im Ton vergriffen sich manchmal aufgebrachte Gäste aus Sorge, dass die Parkplätze in der Schloßstraße entfallen könnten. Die Vertreter der Fraktionen blieben besonnen, diskutierten zwar hart in der Sache, jedoch stets sachlich und fair. Denn grundsätzlich ist allen Parteien im Stadtteilparlament klar: An der Situation in der Schloßstraße muss sich etwas ändern, nur über die Maßnahmen herrscht Unstimmigkeit.

Frankfurt: Für Fahrrad-Regelungen jahrelang keine Lösung gefunden

Seit Jahren ringt der Ortsbeirat um eine Lösung der Verkehrssituation in der Schloßstraße. Weil der Mindestabstand zu Radfahrern nicht einzuhalten ist, hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Alarm geschlagen. Das Ergebnis: Autofahrer dürfen aktuell Zweiradfahrer nicht überholen. Das Verbot wird aber oft missachtet. Deshalb fordern Kritiker weitgehendere Maßnahmen – auch Parkplatzstreichung.

In einem gemeinsamen Antrag hatten Grüne und Linke vorgeschlagen, den Parkstreifen auf dem Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Rödelheimer Straße auf die Breitenbachbrücke zu verlegen und im Gegenzug einen baulich getrennten Radstreifen auf dem Teilstück anzulegen. Der Antrag wurde aber mehrheitlich abgelehnt.

Der SPD war das zu drastisch. Mit Stimmen von CDU, FDP und BFF wurde ihr Alternativpapier verabschiedet. Die SPD regte an, die in der Mitte verlaufenden Straßenbahngleise und die Fahrbahn anzugleichen, so dass die Trasse von Autos befahren werden kann. Dann könnten auch ein Radstreifen angelegt und das Überholverbot für Radfahrer aufgehoben werden. „Die Schloßstraße wird seit Jahrzehnten vernachlässigt, das ist das eigentliche Problem“, erklärt Fraktionsvorsitzender Martin Völker.

Fahrrad-Frankfurt: Endgültige Lösung erst ab 2025 umsetzbar?

Laut Hans-Jürgen Hammelmann (Linke) hat auch das einen Pferdefuß: „Der Antrag setzt auf eine Lösung, die laut Aussage der Stadt nicht vor 2025 umsetzbar ist.“ Von dann an soll die neue Tramlinie 13 in der Schloßstraße fahren und ein Radschnellweg in den Taunus durch die Schloßstraße führen. Demnächst sollen für beide Projekte konkrete Planungen beginnen. Unter anderem ist vorgesehen, dass Autos und Straßenbahn sich wie in der Eckenheimer Landstraße die Trasse teilen. „Das kann man auch vorziehen“, meint Völker.

Wird es aber nicht. Kaum Aussichten auf Umsetzung dürfte auch ein Prüfantrag der CDU haben. Sie wollte das Überholverbot für Zweiräder durch die Gestaltung der bestehenden Fahrspur besser umgesetzt wissen. Denkbar seien Quer- statt Längsparkplätze. Dadurch entstünden sogar zusätzliche Parkflächen. Außerdem könnte das Tempo gedrosselt werden, indem das Parken abschnittsweise auch links am Gleisbett zugelassen werde.

Frankfurt: Fahrrad-Regelungen bleiben zunächst Flickwerk

Und so wird bis zum großen Wurf in der Schloßstraße wohl weiter Geld für Flickwerk ausgegeben. Vor wenigen Wochen wurden zwei große Piktogramme auf die Fahrbahn gepinselt, die das Überholverbot für Radfahrer anzeigen. Es gibt zwar schon die identischen Blechschilder, aber sicher ist sicher. Zuvor waren Aufsteller mit Verhaltensregeln am Straßenrand platziert worden. Noch früher war ein Radstreifen markiert und wieder durchgestrichen worden, weil Radler ihn falsch interpretierten und sie in der Türöffnungszone unterwegs waren.

Das alles hat seinen Preis: Laut Stefan Lüdecke vom Verkehrsdezernat wurden insgesamt 56.000 Euro ausgegeben. 9000 Euro fielen für die Aufsteller (Banner, Schlosserei, Betonklötze, Transport) an. 43.000 Euro wurden für Markierungsarbeiten, 4000 Euro für Beschilderung ausgegeben. Viel Geld. Dabei wird doch oft die Devise „weniger ist mehr“ ausgegeben. Das gilt auch für Markierungen, Schilder und Piktogramme. Denn: Verzicht schärft mitunter den Blick fürs Wesentliche. (Matthias Bittner)

Auch der Ausbau des Oeder Wegs zu einer fahrradfreundlichen Zone sorgte bereits für Diskussionen. Ansässige Unternehmer und Fahrradfahrer vertreten dabei gegensätzliche Interessen. Damit sich Radfahrer und Fußgänger nicht in die Quere kommen, gibt es auch Vorschläge, Auto-Fahrspuren zu Fahrrad-Spuren umzubauen.

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