+

Zuwanderer als Drogendealer

Viele Rauschgiftdelikte im Bahnhofsgebiet wurden zuletzt von Migranten begangen

  • schließen

Zuwanderer, die mit dem Flüchtlingsstrom nach Deutschland gekommen sind, spielen bei der Rauschgiftkriminalität im Bahnhofsgebiet eine dominierende Rolle. Nach Polizeiangaben machten sie im Jahr 2016 gut 71 Prozent der Tatverdächtigen aus. Vor allem junge Männer aus den Maghreb-Staaten arbeiten als Drogenhändler.

Der Frankfurter Polizeipräsident möchte die Flüchtlinge nicht mit den Drogendealern im Bahnhofsgebiet in einen Topf werfen. Im Hinblick auf die Tatverdächtigen, die dort mit Betäubungsmitteldelikten auffielen, spricht Gerhard Bereswill lieber von „Zuwanderern“. Mit den Flüchtlingen, die tatsächlich vor Krieg und Verfolgung flohen, seien nämlich auch Menschen nach Frankfurt gekommen, deren Aussicht auf Asyl „gegen Null“ tendiere. Sie versuchten nun, so lange wie möglich hier zu bleiben, um Geld zu verdienen. Viele von ihnen stünden im Bahnhofsgebiet und handelten mit Crack und anderen Rauschgiften.

Polizeipräsident Bereswill kam gestern zu einem „Sicherheitsspitzengespräch“ in den Römer. Auf Einladung des Sicherheitsdezernenten Markus Frank (CDU) trafen sich Vertreter von Polizei, Justiz, Bahn und Stadt, um zum zweiten Mal über den Kampf gegen die Drogendealerszene im Bahnhofsgebiet zu beraten (siehe unten). Mit Blick auf die Zuwanderer hatte Bereswill Zahlen im Gepäck, die er selbst „erschreckend“ nannte: Von den 2161 Tatverdächtigen, die die Polizei im Jahr 2016 im Bahnhofsgebiet festgestellt habe, seien nämlich 41 Prozent Zuwanderer gewesen.

Noch erschreckender fällt die Bilanz aus, wenn man den Fokus auf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz im Stadtteil legt: An den gut 1240 Tatverdächtigen in diesem Deliktsbereich hatten die Zuwanderer nach Bereswills Angaben einen Anteil von 71,5 Prozent. Bei mehr als der Hälfte der Verdächtigen habe es sich um „junge Männer aus den Maghreb-Staaten“, also um Nordafrikaner gehandelt.

Der Polizeipräsident führte aus, dass der Großteil der Tatverdächtigen 2016 aus dem Bahnhofsgebiet nicht in Frankfurt wohnte. Im Hinblick auf die allgemeine Kriminalität seien drei Viertel der mutmaßlichen Täter von außerhalb gekommen. In vielen Fällen handele es sich um Personen, die „aus hessischen Aufnahmeeinrichtungen, teils auch aus anderen Bundesländern“ nach Frankfurt gereist seien. Die Fluktuation sei aber „sehr hoch“. Die meisten Personen, gegen die ein Aufenthaltsverbot verhängt werde, tauchten nicht wieder auf.

Die Arbeit der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) Bahnhofsgebiet, die die Frankfurter Polizei am 23. November 2016 bildete, nannte Bereswill gestern „alternativlos“. Mit 100 Beamten und Bereitschaftskräften habe die Landespolizei bislang 101 655 Einsatzstunden im Stadtteil geleistet, 29 000 Personenkontrollen und 13 600 Durchsuchungen gemacht. Aus den Maßnahmen resultierten nach Angaben des Polizeichefs mehr als 1500 Sicherstellungen von Betäubungsmitteln und beinahe 3150 Strafanzeigen, von denen 1680 auf Rauschgiftdelikte entfielen.

Bereswill berichtete, dass bei den Dealern eine „sehr starke Orientierung an den polizeilichen Maßnahmen“ festzustellen sei. Die Zeiten und Orte für die Geschäfte würden täglich gewechselt. Auch Fälle, in denen sich Rauschgifthändler mit Koffern als Touristen tarnen, gebe es. Die Mobilität der Szene sei höher als früher, auch Straßenbahnen würden genutzt. Bereswill berichtete, dass es viel Lob für die Polizeiarbeit gebe, merkte aber an: „Trotz des enormen Kontrolldrucks wird unbeeindruckt weiter gehandelt.“

Albrecht Schreiber, Leiter der Frankfurter Staatsanwaltschaft, sagte nach dem „Spitzengespräch“, dass im Zusammenhang mit Drogendelikten seit dem 1. Oktober 2016 genau 162 Haftbefehle ergangen seien, in 61 Fällen drehten sich die Verfahren um den Crackhandel. Schreiber sagte auch, dass die juristische Grenze für eine „geringe Menge“ Crack im Januar von fünf auf zwei Gramm gesenkt worden sei. Das werde sich voraussichtlich auf die Strafrahmen auswirken.

Stadtpolizeichef Matthias Heinrich schätzte die Zahl der bislang abgeschobenen Drogendealer auf etwa 50. Sicherheitsdezernent Frank betonte, dass die Maßnahmen im Bahnhofsgebiet zwar zu „ersten Erfolgen“ geführt hätten. Gleichwohl sei man noch „mitten in der Arbeit“. Polizeipräsident Bereswill schloss sich dieser Einschätzung an: Das Ziel einer „Befriedung“ des Bahnhofsgebiets sei bei weitem noch nicht erreicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare