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Bahnhofsviertel, Koalition, Soziales: Viele setzen große Hoffnung in neuen OB

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Mike Josef wird neuer Oberbürgermeister von Frankfurt. Die Römer-Koalition freut sich auf die Zusammenarbeit – auch andere sind optimistisch.

Frankfurt – Die SPD feiert, die CDU nicht. Was sagen Prominente und Funktionäre, die gestern im Römer waren? Wir haben uns umgehört. „Ich bin enttäuscht“, sagt Daniela Birkenfeld (CDU). „Wir hatten den besten Kandidaten und haben alles gegeben“, sagt sie, und dass sie die Partei seit Jahrzehnten nicht mehr so geschlossen erlebt habe. „Das gibt Hoffnung für die Landtagswahl.“

Die jetzige Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) hingegen ist sichtlich erleichtert. „Für die Zusammenarbeit in der Koalition ist das Ergebnis gut. Ich bin froh, dass wir jetzt überhaupt wieder ein Stadtoberhaupt haben. Es kann ja nur besser werden.“ Auf die Frage, ob Mike Josef die zerstrittene Koalition zusammenführen könne, runzelt sie die Stirn. „Ich empfinde es gar nicht so, dass wir viel streiten.“

Arno Börzler, Vorsitzender des Regionalrats Bahnhofsviertel, ist froh, dass Mike Josef gewonnen hat. „Er hat das Talent, näher an den Menschen zu sein, und ihre Ideen und ihre Power aufzunehmen.“ Das sei vor allem im Bahnhofsviertel wichtig, wo nur alle Beteiligten zusammen etwas bewirken könnten. Beckers Pläne seien eher theoretischer Natur gewesen. Zudem sei Josefs Präsenz im Wahlkampf im Bahnhofsviertel viel höher gewesen.

Prost auf den neuen Frankfurter Oberbürgermeister: Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner-Gölbasi (Grüne).
Prost auf den neuen Frankfurter Oberbürgermeister: Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner-Gölbasi (Grüne). © Salome Roessler

Grüne aus Frankfurt: Zusammenarbeit in der Koalition mit Josef als OB einfacher

Neutral bleibt IHK-Präsident Ulrich Caspar. „Die Wählerinnen und Wähler haben entschieden und wir freuen uns, denn Mike Josef hat schon im Wahlkampf betont, dass eine soziale Stadt mit einer hohen Bildungsleistung nur mit einer starken Wirtschaft möglich ist. Wir rechnen damit, dass unsere Anliegen ernstgenommen werden.“

Auch Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Aslaner-Gölbasi (Grüne) sieht die Sache pragmatisch. Persönlich könne sie mit beiden. „Aber mit Uwe Becker wäre alles etwas durchgerüttelt worden. Mike Josef hat den Koalitionsvertrag unterschrieben und ist an ihn gebunden. Das macht die Zusammenarbeit einfacher.“

Das sieht auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer, Dimitrios Bakakis, so. „Die Grünen haben noch viel vor in der Stadt und dafür brauchen sie einen OB, der sich zum Koalitionsvertrag bekennt“, sagt er. Er sei erleichtert über das Ergebnis. „Alles andere hätte der Stadt nicht gut getan.“

Mit Wahlerfolg kommen auf Josef auch Erwartungen zu

Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) ist „erleichtert, dass es weitergeht und wir endlich wissen, wer unser neuer Oberbürgermeister ist“. Sie habe mit Josef in den vergangenen Jahren „sehr gut“ zusammengearbeitet, sagt die Stadträtin. „Er hat den Koalitionsvertrag maßgeblich mit erarbeitet und wird die Arbeit der Koalition fortführen“, ist Wüst überzeugt und hofft, dass der neue OB seine Versprechen hält. Das City- und Stadtteilmanagement solle wieder ins Wirtschaftsdezernat. „Das hat er fest zugesagt“, so Wüst.

Daniela Mehler-Würzbach, OB-Kandidatin der Linken, die wegen Krankheit nicht im Römer erscheint, wünscht Josef per Twitter alles Gute und kündigt an: „Ich wünsche ihm den Mut, an der Spitze der Stadt für die Veränderungen zu streiten, die wir brauchen, damit Frankfurt zu einer Stadt für alle wird, sozial, ökologisch und gerecht.

Mit Herz und Identität: Viele positive Stimmen für Mike Josef

„Bahnbabo“ Peter Wirth hatte sich im Vorfeld für Josef ausgesprochen. „In einer Stadt mit 186 Nationalitäten sendet Mike die Botschaft: Egal, woher ihr kommt, ihr könnt es schaffen. Das ist eine ganz wichtige Sache.“ Auch für die Zusammenarbeit in der Koalition sei Josef der bessere Kandidat. „Der Mike weiß, wie er die Stadt stabil hält, auch wenn der Bizeps nicht ganz so groß ist.“

Die Autorin Paula Macedo Weiß hat vor einigen Monaten eine Unterstützer-Initiative für Mike Josef gegründet. „Beim Empfang im Römer hat man gemerkt, dass er die ganze Stadt mitgenommen hat, mit seinem Herz und seiner Identität“, sagt sie. Sie hofft, dass jetzt „eine neuer Anfang“ gelingt.

„Wir hatten uns gewünscht, dass es die Frau wird, aber mit Mike Josef sind wir auch zufrieden“, sagt Nico Wehnemann von der Satirepartei „Die Partei“. „Er hat uns versprochen, dass der Bembel immer voll sein wird, daran werden wir ihn messen.“ Uwe Becker wünsche er alles Gute in Wiesbaden, „er muss auch nicht so bald wiederkommen“. Immerhin habe er dort auch Ministerpräsident Boris Rhein. „Der kann dann Trauerarbeit leisten, schließlich hat er auch schon gegen einen Sozi verloren.“ (Sarah Bernhard, Florian Neuroth)

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