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Große Glücksgefühle: Isabell Werth auf Bella Rose bei ihrem Sieg im Grand Prix Special bei den Weltspielen in den USA.

Dressur-Star

Vier Beine tragen die Seele von Isabell Werth

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Ihre neue Rolle als Buchautorin hält Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth derzeit von Turnieren fern. Beim Skyline Cup in Liederbach war sie trotzdem dabei.

Vier Wochen lang hatte Isabell Werth keinen Turnierplatz mehr betreten. Von den Weltmeisterschaften in Tryon zurückgekehrt, warteten auf die zweifache Goldmedaillengewinnerin ungewohnte Pflichten. Kurz vor den Titelkämpfen war ihre (Auto-)Biografie „Vier Beine tragen meine Seele“ veröffentlicht worden, die die Dressur-Olympiasiegerin zusammen mit der „F.A.Z.“-Redakteurin Evi Simeoni geschrieben hat. PR-Termine und Lesungen hatten für die seit zwei Jahrzehnten auf höchstem internationalen Niveau etablierte Rheinbergerin erst mal Vorrang.

„Ich habe schon länger den Gedanken an ein Buch im Kopf gehabt“, verriet Werth bei einem Besuch des Skyline Cups auf dem Hofgut Liederbach, mit dessen Besitzer Andreas Peiker und seinem Unternehmen für Kommunikationssysteme sie seit einigen Jahren kooperiert. Allerdings habe sie eher an ein Fachbuch gedacht, bevor die Journalistin sie auf andere Gedanken brachte.

Das Ergebnis war ein emotionaler Gang durch die Stationen ihres Lebens, bei dem „vieles Verschüttete“ wieder zutage kam. Und bei dem auch unangenehme Themen wie die beiden Verfahren gegen Werth wegen Dopings beziehungsweise verbotener Medikation ihrer Pferde Whisper und El Santo nicht ausgelassen wurden.

„Sie sind Teil meiner Vita“, erklärt die 49-Jährige. Das Werk habe ihr die Möglichkeit zu ausführlichen und differenzierten Betrachtungen gegeben, zu denen sie sich in der „Hochphase“ der Vorgänge nicht in der Lage sah. „Im Nachgang kann man das alles ganz anderes reflektieren.“

Im Nachgang wird jedoch auch deutlich, dass es das noch nicht gewesen war mit der Karriere der Ausnahmereiterin. Die Weltspiele in den USA bedeuteten selbst für eine wie sie, die schon zuvor alles, was im Dressursattel möglich ist, gewonnen hatte, „etwas ganz Besonderes“.

Bella Rose, ihre kongeniale Partnerin bei diesem Ereignis, stellt für die immer wieder mit herausragenden Bewegungstalenten arbeitende Spezialistin seit ihrer Entdeckung das absolute Traumpferd dar, weil sie all die Stärken der anderen in sich vereine. Doch lange hatte es nicht so ausgesehen, als würde sie die Stute in North Carolina oder sogar überhaupt noch einmal präsentieren können, nachdem sie sie während der WM vier Jahre zuvor mit Team-Gold dekoriert verletzungsbedingt zurückziehen musste.

Auch in diesem Jahr ging das Bangen weiter. Nach einer „Fieberodyssee“ im Februar im eigenen Stall und dem damit um sechs Wochen verspäteten Saisonstart musste Werth mit der kapriziösen Füchsin einen Umweg gehen, um am Ende doch noch in der WM-Equipe zu landen. Den überzeugenden Auftritt der beiden bei einem kleinen Turnier in Österreich hatte kaum jemand gesehen; selbst auf der fast omnipräsenten Videoplattform für Reitturniere war er nicht zu verfolgen.

Doch Bundestrainerin Monica Theodorescu hatte das Paar im Blick. „Wie ich wollte sie mit dem besten Pferd losfahren“, sagt Werth. Und da sich Bella Rose von Woche zu Woche steigerte, durfte sie ins Flugzeug steigen. „Das Risiko mit ihr war genauso groß oder klein wie mit einem anderen Pferd“, betont Werth. Mit einem so dominanten Auftreten in den entscheidenden Momenten hatte sie aber trotz Bestform ihrer Begleiterin selbst nicht gerechnet.

Dass es bei zwei Goldmedaillen blieb, da die finale Kür wetterbedingt abgesagt wurde, ärgert Werth vor allem, weil es Lösungen für das Problem gegeben hätte. Die „Unfähigkeit der Organisatoren“ und damit des Weltverbandes FEI seien für das Scheitern verantwortlich gewesen. Weder auf das Vorziehen des Wettbewerbs um einen Tag angesichts der schlechten Prognosen hätten diese sich eingelassen noch darauf, frühzeitig dafür zu sorgen, dass zwölf Pferde in den Flugzeugen die Plätze tauschen konnten. So mussten Kür-Teilnehmer am Montag nach Hause fliegen, statt im Viereck zu piaffieren, während längst aus dem Wettbewerb Ausgeschiedene noch auf ihre Abreise warteten. Ein „Chaos“, das die große Freude trübte.

Von „Wolke sieben“ wäre Werth aber sowieso schon längst wieder in den Alltag zurückgekehrt. Während Bella Rose trotz „vollen Tatendrangs“ noch ein bisschen Pause hat, plant die Titelverteidigerin ihren nächsten Auftritt mit Emilio beim Weltcup in drei Wochen in Lyon. Die Stallgenossin könnte Mitte November in Stuttgart oder im Dezember in Stockholm auf die Wettkampfbühne zurückkehren. Eine Teilnahme am Frankfurter Festhallenturnier ist für sie nicht geplant, für die Reiterin dagegen schon. Steht Werth doch erneut mit zwei Pferden, Quintus und Descolari, in den Finals der Nachwuchsprüfungen Louisdor-Preis und Burgpokal. „Mal seh’n, ob da auch noch für den Grand Prix Zeit ist.“

Zur Buchmesse in dieser Woche kommt die Neu-Autorin derweil nicht zurück. Einen Lehrgang am Wochenende in Kalifornien hatte sie schon früher zugesagt.

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