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Hier und da sind aus der Luft Kräne in der Bürostadt auszumachen. Doch der große Bauboom hat noch nicht begonnen. Das liegt aber auch an einem noch fehlenden Bebauungsplan.

Bebauungsplan für die Bürostadt

Ein Viertel in der Warteschleife

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Die Umwandlung von der Bürostadt in ein Wohnquartier geht nur schleppend voran. Das liegt auch an dem noch fehlenden zweiten Teil des Bebauungsplans. Die Investoren werden immer ungeduldiger. Doch nach der Sommerpause im September soll der Plan vom Stadtparlament abgesegnet werden.

„Das Geld ist da, der Bedarf ist da, nur den Bebauungsplan gibt es noch nicht.“ So drückt Klaus Franken, Geschäftsführer des Projektentwicklers Catella, seinen Frust darüber aus, dass er in der Bürostadt – oder wie er lieber sagt: im Lyoner Viertel – immer noch nicht bauen darf.

Der Investor aus Düsseldorf hat im Januar 2015 ein Grundstück an der Rhonestraße/Ecke Lyoner Straße gekauft. Doch seither ist nichts passiert. Denn für das Areal, auf dem noch ein seit Jahren leerstehendes Gebäude steht, fehlt noch der Beschluss für den angekündigten Bebauungsplan mit der Nummer 872, der die Lyoner Straße, die Rhone- sowie die Herriotstraße umfasst. Lediglich der Bebauungsplan mit der Nummer 885, der die Hahn- und die Saonestraße betrifft, ist seit 2014 in Kraft. 2010 wurde die Aufstellung eines Bebauungsplans durch die Stadtverordneten beschlossen. 2012 wurde er in zwei Pläne unterteilt.

„Wir hatten eigentlich gehofft, dass das alles schneller geht“, sagt Klaus Franken. Doch auch die letzte Sitzung des Magistrats sowie der Stadtverordneten vor der Sommerpause ist über die Bühne gegangen, ohne die Bürostadt zu thematisieren. „Wir sind ja nicht die einzigen Investoren, die hier in den Startlöchern stehen“, so Klaus Franken. Das moniert auch die Standortinitiative Neues Niederrad (SINN), die jüngst in Gesprächen mit ihren Mitgliedern – Projektentwickler und Firmen in dem Quartier – herausgefunden hat, dass alle Beteiligten immer ungeduldiger werden.

„Derzeit wirkt das Viertel noch wie im Wartestand“, sagt SINN-Geschäftsführer Detlef Franke. Das Thema, die monostrukturelle Bürostadt in ein interessantes Wohnquartier umzuwandeln, habe in der Stadt noch nicht den Stellenwert, den es haben sollte. „Da muss noch mehr Power investiert werden“, sagt Detlef Franke. Ständig werde davon geredet, dass man mehr Wohnungen brauche. „Wir haben hier ein großes Quartier, in dem man Wohnungen schaffen kann, dafür braucht man gar nicht gleich ein neues Baugebiet“, so Franke. In Zukunft sollen bis zu 10 000 Menschen in der Bürostadt wohnen. Immerhin hat der neue Planungsdezernent Mike Josef (SPD) gestern bei der Standort-Initiative angerufen, um einen Vorschlag für einen Gesprächstermin zu machen. „Das hat uns natürlich sehr gefreut“, sagt Detlef Franke.

Lange müssen sich die Investoren auch nicht mehr gedulden. Dr. Martin Neitzke, Leiter Sonderprojekte beim Stadtplanungsamt, versichert, dass der Bebauungsplan nach der Sommerpause vom Planungsdezernenten im Magistrat und anschließend in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht wird. Zieltermin ist die erste Sitzung nach den Ferien am 15. September.

Und warum hat’s so lange gedauert? „Der Bebauungsplan 872 ist das größere Planungsverfahren und dementsprechend komplexer“, sagt Neitzke. Das Areal liege zum Teil in der Nähe der Autobahn 5 und der Kläranlage. Das seien mehr Emissionen zu berücksichtigen, wenn es um den Wohnungsbau geht. „Wir sind jetzt aber fertig“, sagt er. Alles sei juristisch geprüft. Nur noch kleine Änderungen müssten eingearbeitet werden. „Aber schon jetzt“, sagt Neitzke, „sind mit der Entwicklung in der Bürostadt zufrieden.“

Bisher sind 700 Wohnungen fertiggestellt, 900 sind im Bau und etwa 1000 in der Planung – dazu zählen zwei Projekte von der städtischen Wohnbaugesellschaft ABG Holding in der Lyoner Straße (118 Wohnungen) und der Herriotstraße (226 Wohnungen), ein Projekt des Immobilieninvestors 6B47, ehemals PDI, (500 Wohnungen) sowie eben das von Catella.

Der Düsseldorfer Investor will auf seinem Grundstück 250 Mietwohnungen für den Normalverdiener realisieren – mit zwei, drei und vier Zimmern. Doch für Franken braucht es mehr in dem Quartier als Wohnungen, um die Wandlung zu schaffen. Der öffentliche Raum müsse freundlicher gestaltet werden, so dass man sich dort auch abends aufhalten will. Die Lyoner Straße müsse von einer vierspurigen Fahrbahn in eine zweispurige zurückgebaut und mehr Grünflächen geschaffen werden. „Und dann“, so sagt er, „werden hier in zehn Jahren Familien gerne leben.“

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