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Kaum zu erkennen ist der Eingang zum Westbahnhof, Fahrräder versperren die Sicht. Der Eingang wird nun umgebaut und der Vorplatz neu angelegt.

Nach jahrzehntelangem Warten

Im vierten Quartal 2019: Frankfurter Westbahnhof wird barrierefrei

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Im vierten Quartal 2019 will die Deutsche Bahn AG mit der Sanierung des Bahnhofes Frankfurt West beginnen. Die Arbeiten dauern neun Monate. Ziel der Maßnahme ist es, Barrieren in der Station zu beseitigen.

Die Orientierung am Bahnhof Frankfurt West fällt ortsunkundigen Fahrgästen schwer. Das ist tagtäglich zu beobachten. Denn der Haupteingang in der Kasseler Straße ist erst nach langem Suchen zu finden. Fahrräder, die kreuz und quer auf dem Vorplatz an Verkehrsschildern und Masten angeschlossen sind, versperren die Sicht. Allerdings ist der Eingang auch relativ unscheinbar. Das hat auch die Deutsche Bahn AG erkannt. Und so ist die Umgestaltung des Bahnhofsentrees eine von zahlreichen Maßnahmen im Gesamtpaket „Sanierung Westbahnhof“. Die Arbeiten beginnen im vierten Quartal 2019 und sollen neun Monate dauern.

Das erklärten Stefanie Rieder und Damla Yildirim von der DB in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald). In der Bürgerfragestunde stellten sie den aktuellen Planungsstand vor. Ziel der Sanierung ist es, alle Barrieren in der Station zu beseitigen, so dass sie Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte sowie Mütter und Väter mit Kinderwagen nutzen können. Und natürlich soll die Station auch ein attraktiveres und moderneres Kleid erhalten.

Komplett neu gebaut wird laut Yildirim der Eingang in der Solmsstraße. Er soll breiter werden. Zwei bis drei Wochen kann der Zugang während der Bauphase nicht genutzt werden. Insgesamt drei Aufzüge werden in der Station nachgerüstet – einer am Eingang Solmsstraße, einer in der Empfangshalle, der Personenunterführung, Mittel- und Hochbahnsteig sowie den Hausbahnsteig bedient. Ein neuer Treppenzugang zum Hochbahnsteig ist zudem in der Hamburger Allee geplant. Auch der Haupteingang wird großzügiger gestaltet und bekommt eine Überdachung sowie eine neue Fassade. In der dunklen Unterführung sollen Oberlichter für Helligkeit sorgen. Wände und störende Ecken werden herausgerissen, so dass der Durchgang von der Kasseler Straße zur City West auf direktem Weg möglich wird. In der Station wird ein taktiles Leitsystem umgesetzt, damit sich Sehbehinderte besser zurecht finden. Und auch die beiden Vorplätze an den Eingängen zur Station sollen umgestaltet werden.

„Es geschehen noch Wunder“, kommentierte ein Zuhörer die Nachricht. Seit mehr als 20 Jahren schon setzen sich Politiker und Bürger für den barrierefreien Umbau des Westbahnhofes ein. Und wurden immer wieder vertröstet, weil sich Bahn, RMV, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen als Projektpartner abzustimmen hätten. Dass sich nun endlich etwas bewegt, wurde als positiv bezeichnet – auch wenn die Arbeiten laut dem Seniorenbeauftragten Georg Gabler zwei Jahre später beginnen als ursprünglich von der Bahn angekündigt.

Nach Angaben von Rieder stehen die Entwurfsplanungen kurz vor dem Abschluss – erst in einem zweiten Schritt beginnt die Detailplanung. Im dritten Quartal 2017 sollen alle Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt und dem Regierungspräsidium Darmstadt eingereicht werden. Zuvor ist noch eine Bürgeranhörung angesetzt, bei der jeder seine Einwendungen und Vorschläge zum geplanten Umbau äußern kann. Ein Termin steht aber noch nicht fest.

Die verantwortlichen Planer werden bei der Anhörung viel zu notieren haben. Das wurde am Montagabend schnell deutlich. Kritik gab es, dass in der Planung keine Toilette berücksichtigt ist. „Ohne Toilette geht gar nichts“, sagte Maria-Christina Nimmerfroh (FDP). Ralf Jack Hoang, Sprecher der Grünen in Bockenheim erklärte, dass die

Planung nicht zeitgemäß

sei. Barrierefreiheit ohne Behinderten-WC sei nicht gegeben. Rieder versprach, das Thema Toiletten in der Planungsgruppe nochmals anzusprechen.

Suzanne Turré (CDU) erklärte, dass sie keinen Mehrwert in der Planung erkennen könne und sprach von „Kosmetika“. Scharf kritisierte sie, dass am Zugang Solmsstraße keine Rampen für Rollstuhlfahrer vorgesehen seien. Laut Yildirim sei diese Option zwar geprüft worden, aber mangels Platz dann verworfen worden. „Das wären ellenlange Rampen geworden, die keinem Rollstuhlfahrer zuzumuten sind“, erklärte sie.

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