Vince Ebert ist zurück. Fast ein Jahr lang haben der Wissenschaftskabarettist und seine Frau Valerie in New York gelebt - einfach mal so. Entstanden ist dort Eberts Programm "Make Science Great Again".
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Vince Ebert ist zurück. Fast ein Jahr lang haben der Wissenschaftskabarettist und seine Frau Valerie in New York gelebt - einfach mal so. Entstanden ist dort Eberts Programm "Make Science Great Again".

Sprung in ein neues Leben

Vince Ebert und sein New-York-Experiment

  • vonEnrico Sauda
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Der Frankfurter Wissenschaftskabarettist und seine Frau Valerie trennten sich von ihrem Hausstand und zogen in ein kleines Appartement in Manhattan. Und dann kam Corona...

Das Ehepaar Vince und Valerie Ebert wollte es wissen. Schaffen sie es, sich von allem zu lösen und ein Jahr in New York zu leben. Der Wissenschaftskabarettist und seine Frau grübelten einige Jahre an diesem Plan, bis sie ihn schließlich vergangenes Jahr in die Tat umsetzten. Sie packten nicht nur ihre Siebensachen, sondern verkauften, verschenkten und verstauten ihr Hab und Gut, stiegen in Frankfurt in den Flieger und machten sich auf in ihr Abenteuer.

Experimentierfreudig ist er ja, der Vince Ebert, so als Physiker. Jetzt ist er zurück. Mit neuem Buch und neuem Programm - "Make Science Great again". "Ich versuche, Corona, den Lockdown und diese irre Zeit, die wir in New York erlebt haben, miteinander zu verbinden", so Ebert. "Das Lustige dabei ist, dass wir uns die Frage nach Prioritäten im Leben, die jüngst so akut war, schon vor einem Jahr gestellt haben", sagt Ebert. "Wollen wir Status anhäufen oder in Erlebnisse investieren?"

Letzteres war dem Paar wichtiger. So jetteten sie mit zwei großen Taschen über den großen Teich. "Und wir haben keine einzige Sache vermisst." Ein Jahr wollten die Eheleute dort im Big Apple verbringen. Wegen Corona sind es dann "nur" neun Monate geworden. Aber Vince Ebert blickt glücklich auf diese Zeit zurück. "Ich muss sagen, dass ich in neun Monaten die wichtigsten Projekte, die ich vorhatte, realisieren konnte", fasst er prägnant zusammen. "Traurig gemacht hat mich, dass ich diese lebendige Stadt im Lockdown gesehen habe. New York lebt wie keine andere Stadt, von vielen Menschen, die eng zusammen sind. Das ist auf unvorhersehbare Zeit weg. Vielleicht verändert es sich. Und das macht mich traurig. Es ist für die ganze Welt fürchterlich, aber ich glaube, dass es New York, die wie keine andere Stadt von der Zusammenballung von unterschiedlichsten Menschen lebt, sehr verändern wird", schätzt er. "Was ich an Amerika mag, ist, dass die Leute etwas wagemutiger sind", sagt er. "Allerdings habe ich gemerkt, wie Deutsch ich bin. Wie können die auf den Mond fliegen, aber keine gescheite Duscharmatur herstellen?"

Heimweh habe er nie verspürt. "Es ist so viel passiert. Da blieb mir gar keine Zeit dafür", erzählt Ebert, der in Amerika auch oft auf der Bühne stand. "Ich wollte mir da schon eine Karriere aufbauen - man weiß ja nie." Aus diesem Grund genoss er die Stadt, "aber ich habe auch wahnsinnig viel gearbeitet". Auftritte, Netzwerken und, und, und. Über seine Erlebnisse hat er ein Buch verfasst - "Brooklyn statt Jakobsweg". Auch als Paar hat es funktioniert. "Wir haben uns selbst auf engstem Raum sehr gut verstanden", so Ebert, der mit seiner Valerie auf 30 Quadratmeter lebte in der Stadt, die niemals schläft. "Ich habe gemerkt, dass ich im Kern Europäer bin, so gern ich auch Amerika mag. Ich komme gerne wieder zurück, aber ganz drüben zu leben, das hat mir die Zeit gezeigt, dazu bin ich nicht amerikanisch genug."

Auch seiner Frau Valerie hat der Aufenthalt einiges gebracht. Die Schauspielerin nutzte die Zeit, um bei Stella Adler Workshops zu belegen. "Das war für sie eine super Erfahrung, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die schon mit Hollywood-Stars gearbeitet haben", berichtet Vince Ebert.

Und wie geht es weiter? "Wir versuchen, die Tour zum laufen zu bringen. Man muss sehen, wie die Lockerungsmaßnahmen, wenn es welche gibt, umgesetzt werden", sagt Ebert. "Ich habe 20 Jahre lang brav zurückgelegt, aber die Unsicherheit ist da", sagt Ebert. "Ich habe keine Ahnung, wie das wird." Vince Ebert verschlug es aber nicht von Manhattan zurück nach Mainhattan, sondern ihn zog es in die Ferne: nach Wien. Wo er mit seiner Frau nun in einer 40 Quadratmeterwohnung lebt.

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