Viola Matthei kehrte mit ihrem Mann Klaus zurück an die Orte ihrer Kindheit. Doch das neue Haus Braubachstraße 29, in dem sie mit ihrer Mutter lebte, sieht ganz anders aus als der Vorgängerbau.
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Viola Matthei kehrte mit ihrem Mann Klaus zurück an die Orte ihrer Kindheit. Doch das neue Haus Braubachstraße 29, in dem sie mit ihrer Mutter lebte, sieht ganz anders aus als der Vorgängerbau.

In der Braubachstraße

Viola Mattheis früheres Wohnhaus wird wieder aufgebaut

  • vonGünter Murr
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Mit den Häusern, die derzeit zwischen Dom und Römerberg auf dem alten Stadtgrundriss neu entstehen, sind viele Erinnerungen verbunden. Nicht alle stammen aus der Vorkriegszeit. Das Haus Braubachstraße 29 zum Beispiel, in dem Viola Matthei lebte, wurde erst 1972 abgerissen.

Sie erinnert sich noch genau: „Hier war früher auch eine Treppe“, sagt Viola Matthei, als sie den Rohbau des Hauses Braubachstraße 29 betritt. „Als Kind bin ich da nämlich mal runtergefallen.“ Auf den Holzstufen tat das nicht sehr weh. Heute aber ist die Treppe zeitgemäß aus Beton.

Es ist eine Rückkehr an den Ort ihrer Kindheit und Jugend. Die heute 70 Jahre alte Frankfurterin kannte das alte Haus „Zum Glauburger Hof“, das 1913 nach dem Durchbruch der Braubachstraße in der Altstadt errichtet wurde, ziemlich gut. Ihre Großeltern lebten ab 1933 im zweiten Stock. Nach der Renovierung des Hauses bezog sie selbst 1956 mit ihrer Mutter eine Zwei-Zimmer-Wohnung im dritten Stock. Anfang der 70er Jahre mussten sie ausziehen. „Wir sind nicht freiwillig gegangen“, sagt Viola Matthei. Doch das Haus mit den markanten Jugendstil-Ornamenten wurde abgerissen, um Platz zu machen für das Technische Rathaus.

Auch dieses Gebäude ist bereits wieder Geschichte. 2010 wurde es abgerissen. Auf dem Grundstück Braubachstraße 29 entsteht ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Es ist keine originalgetreue Rekonstruktion, aber der Entwurf des Architekturbüros Knerer und Lang orientiert sich am Vorgängerbau. So wurde zum Beispiel der große Schriftzug „Zum Glauburger Hof“ wieder an der Fassade angebracht.

Andere Nutzungen

Innen sieht das Gebäude natürlich anders als früher, wie Viola Matthei und ihr Mann Klaus bei einem Rundgang feststellen. Im Erdgeschoss wird voraussichtlich ein Café eingerichtet. Das gab es im Vorgängerbau nicht. Viola Matthei erinnert sich noch an das Korbwarengeschäft Schlegel. „Die hatten sich ganz schön ausgebreitet.“ Selbst in dem engenen Durchgang zwischen Braubachstaße und der Gasse „Hinter dem Lämmchen“ seien Waren gelagert worden. Dieser Durchgang wurde wieder hergestellt. Waren werden hier nicht mehr gelagert, in der engen Gasse ist der neue Hauseingang mit den Briefkästen.

Eine großzügige Wohnung gibt es in jedem Stockwerk. Die im dritten Stock sei noch zu haben, sagt Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der Städtischen Dom-Römer GmbH. Für 113 Quadratmeter muss man rund 500 000 Euro anlegen. Früher seien die Wohnungen kleiner gewesen, es habe drei auf jedem Stockwerk gegeben, erinnert sich Viola Matthei.

Doch die Situation zu der Zeit, als sie mit ihrer Mutter in der Braubachstraße lebte, war ohnehin ein völlig andere. Im Krieg war das Haus schwer beschädigt worden. Als die Brandbomben fielen, war Violas Mutter die einzige, die noch im Haus war. Sie überstand den Angriff unverletzt und reparierte später das Dach, damit es nicht mehr reinregnete.

Erst in den 50er Jahren wurde das Gebäude renoviert. Im Hinterhaus zog Viola Matthei mit ihrer Mutter ein. Vom Küchenfenster aus hatten sie freien Blick auf den Dom und das Hauptzollamt – die Reste der zerstörten Altstadthäuser waren längst abgetragen. Zwischen Dom und Römerberg wurde die Brachfläche als Parkplatz genutzt – und für die Dippemess, bevor diese an den Ratsweg verlegt wurde. „Das Pferdekarussell stand unter unserem Schlafzimmerfenster.“ 1956 konnte die kleine Viola von der Wohnung aus den Evangelischen Kirchentag beobachten. Ihr Großvater Karl Ruck, der als Maskenbildner bei den Städtischen Bühnen arbeitete, hat solche Szenen mit der Kamera festgehalten, das Album hat seine Enkelin sorgfältig aufgehoben.

Der Ausblick fehlt heute

Heute gibt es den Ausblick in Richtung Süden nicht mehr. Nur im obersten Stockwerk kann man erkennen, wie der Dom hinter dem Treppenturm des Hauses „Klein Nürnberg“ hervorragt. Dieses Gebäude, das derzeit rekonstruiert wird und künftig von der evangelischen Paulsgemeinde genutzt wird, steht an der Stelle des früheren Hinterhauses. Mit der Braubachstraße 29 ist es verbunden, beide Gebäude teilen sich den Aufzug, der heute unverzichtbar ist. Früher gab es nur das Treppenhaus. Die Kinder nutzen es mangels anderer Möglichkeiten in den kleinen Wohnungen als Spielfläche, erinnert sich Viola Matthei.

Später dann wurde neben dem Haus die U-Bahn gebaut. „Da hüpften die Tassen im Schrank.“ 1972 heiratete Viola, zusammen mit ihrem Mann Klaus zog sie ins Ostend. Das Haus Braubachstraße 29 wurde abgerissen. Was nun an dessen Stelle entstanden ist, gefällt dem Ehepaar Matthei, das heute im Mertonviertel wohnt. „Ich finde das Nebeneinander von alter und neuer Architektur ganz gut“, meint Klaus. Und auch Viola ist von den Altstadthäusern angetan. „Aber wohnen wollte ich hier nicht mehr.“ Denn der Blick aus dem Fenster, denn sie als Mädchen hatte, lässt sich nicht rekonstruieren.

Der Dom-Römer-Ausschuss des Stadtparlaments berät heute, wie es auf dem Altstadt-Areal weitergeht (17.30 Uhr, Römer). Unter anderem geht es um die Vergabe der Gastronomieflächen.

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