Ein Apfelwein-Tasting im Freien wie hier mit Andreas Schneider kann das Online-Angebot des Obsthofes Schneider nicht ersetzen - aber Genuss und Kenntnisreichtum verschafft es wohl. Man trinkt zuhause das Gelieferte und lauscht den Expertisen am PC.
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Ein Apfelwein-Tasting im Freien wie hier mit Andreas Schneider kann das Online-Angebot des Obsthofes Schneider nicht ersetzen - aber Genuss und Kenntnisreichtum verschafft es wohl. Man trinkt zuhause das Gelieferte und lauscht den Expertisen am PC.

Freizeitvergnügen

Virtuelle Stadtführungen und Tastings bringen Spaß

  • vonUte Vetter
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Es gibt in Frankfurt zahlreiche Online-Angebote speziell für Senioren, Genuss- und Kulturfreunde oder Hobby-Kommissare.

Frankfurt -Die Pandemie, der zweite Lockdown und das graue Winterwetter treffen die meisten Menschen hart. (Fast) alles hat zu, (fast) alles ist dicht, Kunst, Kultur, Kino, Gastronomie, Sport, Treffen mit anderen Menschen - fast sämtliche Ablenkungen vom Alltag sind unmöglich geworden. Doch es gibt Abhilfe, wenn auch nur virtuell: Führungen, Konzerte, Sport, Theaterpremieren. Und wozu hat man denn seine Computer? Los geht's!

Schon seit November kooperiert "Frankfurter Stadtevents" (ein Stadtführungsportal in Frankfurt und Rhein-Main des Stadtmagazins Journal) mit dem Live-Stream Wimroo, um virtuelle Live-Führungen zu ermöglichen. Das Prinzip ist simpel: Die Touren können online unter www.frankfurter-stadtevents.de gebucht werden und werden live gestreamt. Dabei sind die Teilnehmer aber nicht "live" vor Ort dabei, sondern Corona-konform in ihren Wohnzimmern. Das Angebot kommt nach Angaben der Veranstalter gut an: Alleine im Dezember haben sie 35 Touren mit knapp 1000 Teilnehmern durchgeführt. Sie erleben etwa "Bornheim, das lustige Dorf", oder (neu) hören von ehemaligen Obdachlosen, wie es war, auf der Straße zu leben.

Museen bieten längst Kunstbegegnungen

Auch jenseits der Pandemie können solche virtuellen Events interessant sein für Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht vor Ort sein können. Das gilt insbesondere für jene, die nicht mehr sehr mobil sind: Senioren etwa, die ohnehin zu den von der Corona-Krise am stärksten betroffenen Gruppen zählen.

Gerade Bewohnern von Senioren- und Pflegeheimen wollen Anbieter wie "Stadtevents" mehr Teilhabe und Abwechslung ermöglichen - gerade jetzt, in der Phase des verlängerten Lockdowns und der verschärften Maßnahmen. Deshalb bieten sie spezielle Senioren- und Pflegeheimen eine kostenfreie Live-Tour durch Frankfurt an.

Bei Interesse können sich die Zuständigen der Senioren-Einrichtungen bei "Stadtevents" melden. "Es ist uns ein Anliegen, diejenigen zu unterstützen, die in besonderer Weise unter der Pandemie leiden", sagt "Wimroo"-Gründer Frank Kübler.

"Das Schöne ist, dass wir mitten in der Krise Gutes tun können: auf der einen Seite den Bewohnern der Senioren- und Pflegeheime und auf der anderen Seite natürlich auch unseren Stadtführern", sagt Michelle Weise, Geschäftsleiterin von "Stadtevents". Jeder kann an den virtuellen Touren teilnehmen, zu buchen unter www.frankfurter-stadtevents.de/online. Anfragen für Altenheime und individuelle Events für Privatpersonen oder Firmen sind zu richten an "Frankfurter Stadtevents", E-Mail info@frankfurter-stadtevents.de, Telefonnummer (069) 9 74 60-3 27.

Längst bieten auch Frankfurts Museen Besuche online an. Neben digitalen Sammlungen, in denen Werke mit Beschreibungen abgerufen werden können (etwa die Modellsammlung des Deutschen Architekturmuseums) stellen einige Häuser auch ausführliche 3 D-Rundgänge zur Verfügung. Das Städel-Museum, das Jüdische Museum/Museum Judengasse, das Museum für Kommunikation und das Senckenberg-Naturmuseum sind so zu erleben, Gäste können virtuell durch die Gänge streifen. Das Historische Museum bietet ebenfalls einen ausführlichen Multimedia-Guide an, begleitet von Audio-Kommentaren. Auch das Deutsche Filmmuseum hat sein virtuelles Angebot weiter ausgebaut.

In einem Gemeinschaftsprojekt haben das Städel, die Schirn und das Liebieghaus kostenlose multimediale Digitorials für Tablet, Smartphone und Personal-Computer konzipiert, mit denen interaktiv alles über Ausstellungsinhalte und wissenswerte Hintergründe zu erfahren ist. Ähnlich geht das mit den "Expotizern" des Museums für Kommunikation, die Informationen zu Ausstellungen und spannenden Themenwelten in Bildern, Videos und Texten bereitstellen.

Das Angebot der Museen umfasst auch Online-Magazine und -blogs, Spiele-Apps für die Kleinsten oder interaktive Angebote, die sich über die ganze Stadt erstrecken. Wie etwa das "Stadtlabor" des Historischen Museums oder der virtuelle Stadtführer "Unsichtbare Orte" des Jüdischen Museums.

Stets schnell ausgebucht sind die Online-Führungen im Städel. Kunstvermittler führen die Touren, Teilnehmer können die Kunstwerke entdecken und gemeinsam mit anderen diskutieren. Es gibt also Kunstbegegnungen, Einführungen in Sonderausstellungen und überraschende Verbindungen zwischen den Meisterwerken der Städel-Sammlung sowie Themen unserer Zeit. Maximal 25 Personen sind pro Session dabei, das kostet 5 Euro pro Nase. Voraussetzung ist ein internetfähiges Gerät (vorzugsweise PC oder Laptop) mit Kamera und Mikrofon - und eine stabile Internetverbindung.

Lukullische Tastings und Grusel-Touren

Wer hingegen eher lukullische Events schätzt, findet im Internet eine große Auswahl von Online-Tastings - mit Bieren (auch Craft), Cocktails, Weinen und Apfelweinen, Whiskys oder Gins. Und natürlich zahlreiche Kochkurse. Bei vielen Angeboten werden vorher die entsprechenden Zutaten in einer Koch- oder Getränkebox nach Hause geliefert.

Der Obsthof Schneider in Nieder-Erlenbach etwa bietet am 15. und 20. Februar jeweils von 18 bis 19.30 Uhr Online-Tastings an. Andreas Schneider präsentiert die Proben, die jeder Teilnehmer vorher nach Hause geschickt bekommen hat (69 Euro). Das Paket kann man aber auch selbst am Vortag zwischen 14 und 18 Uhr im Hofladen abholen. Bis 16 Uhr am Tag des Online-Tastings gibt es den Link zur Teilnahme.

Dazu empfiehlt Schneider seine leckere "Apfel-Raclette-Kiste" für zwei, vier oder sogar sechs Personen. Sie kann zusammen mit dem bestellten Wein-Paket am Vortag zwischen 14 und 18 Uhr im Hofladen abgeholt werden. Eine Lieferung ist hier nicht möglich. In der Tasting-Kiste sind je eine Flasche (0,75 Liter) Goldparmäne mit Karcherbirne, Ananasrenette Kaiser Wilhelm und Goldparmäne mit Wilder Viezbirne, eine Packung salziges Gebäck. Die fachkundige und unterhaltsame Moderation dieses Online-Tastings dauert rund eineinhalb Stunden.

Wer Spannung liebt und gar selbst Kriminalfälle lösen will, kann auch das virtuell erleben. Wer den Spaß etwa bei "Stadthelden" bucht, macht sein Heim zum Tatort, erhält Kriminalakten per Mail und löst mit einem Team als Ermittler den Fall. Live werden "Zeugen" befragt, echte Schauspieler machen das Ganze zu einem Mitmach-Krimi. Und wem das nicht gruselig genug ist, der bucht einfach "Henker des Grauens" - eine Online-Grusel-Tour durch Frankfurt. Ute Vetter

Auch "Grusel-Touren" samt Henker und Scharfrichter gibt es inzwischen online. Wem's gefällt...

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