+
Ließ sich erst mit Keksen locken: Ferkel auf Abwegen.

Jahresrückblick

Das sind die kuriosen Polizeieinsätze in 2018

Zum klassischen Kerngeschäft von Polizisten im Einsatz zählen Mord, Totschlag, Raub und Einbruch. Manchmal aber ist es auch ganz anders. Etwa weil Südfrüchte zur Bedrohung eingesetzt wurden oder eine herrenlose Badehose Ursache für den Notruf waren. Ein Jahresrückblick auf kuriose Polizeieinsätze in Frankfurt und Umgebung.

Die Polizei, dein Freund und Helfer - nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere, wie ein Mäusebussard Ende Dezember erleben durfte. Einmal in die Stadt mit dem berühmten Adler, musste sich der Bussard gedacht haben. Doch der Ausflug endete mit einer Rettungsaktion auf der A3, wo der hilflose Vogel strandete.Die Polizisten päppelten ihn ein wenig auf und brachten ihn anschließend zu einem Vogelkundler. „Ob er und Atilla noch Bekanntschaft schließen werden...“, twitterten sie anschließend in den sozialen Medien. Und die Antwort der Eintracht kam postwendend: „Wir geben Attila Bescheid.“ Ob es ein Happy End gab, ist nicht bekannt.

Manchmal scheitert das große Ding an Kleinigkeiten, zum Beispiel an untauglichem Werkzeug oder ungeeignetem Schuhwerk. Wer sich im Dezember in Badelatschen auf den Weg zum Supermarkt macht, hat ziemlich viel dafür getan, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Wer dann noch versucht, ein Seitenfenster bei einem Auto auf dem Parkplatz des Discounters mit Adiletten am Fuß aufzutreten, überschätzt sich selbst und unterschätzt das Aufsehen dieser Aktion. Es kam also, wie es kommen musste: Augenzeugen alarmieren die Polizei, der verhinderte Autoaufbrecher (28) sprintet davon, springt beherzt auf den Anhänger eines zufällig anhaltenden Autos, verliert das Gleichgewicht und fällt den Polizisten direkt vor die Füße. In Badelatschen wandert der junge Mann, weil noch mehr auf dem Kerbholz, in Untersuchungshaft.

Spezial-Sortiment

Zu den Vorzügen von Wasserhäuschen und Kiosken gehören außergewöhnliche Öffnungszeiten und manchmal auch eine verblüffend vielfältige Warenauswahl. Mit einem besonders bizarren Sortiment wartete der Betreiber (28) eines Kiosks in Bonames auf: Neben Gummibärchen und Dosenbier gab es Drogen aller Art. Polizeibeamte durchsuchen den Laden Ende November, unterstützt von Finni, einem Drogenspürhund. Finni findet 750 Gramm Haschisch, 400 Gramm Marihuana und 73 Gramm Amphetamine. Die Polizisten entdecken außerdem eine Machete, ein Messer, eine Kollektion Baseballschläger und Pfefferspray. Finni bekommt zur Belohnung ein Hundeleckerli, der Kiosk muss erst mal schließen.

Tierischer Einsatz: Dieser Mäusebussard wurde von der Polizei auf der Autobahn gerettet.

Eine Bratpfanne wurde einem jugendlichen Räuber (18) zum Verhängnis, der Anfang November einen Kiosk in der Borsigallee überfallen wollte. Bis an die Zähne mit Schusswaffe, Elektroschocker und Pfefferspray bewaffnet und zuvor mit reichlich Alkohol in Schwung gebracht, fordert er von der Besitzerin die Tageseinnahmen. Statt Bares kassiert er allerdings Saures vom Bruder der Kioskbesitzerin. Während die beiden Herren mit Handgreiflichkeiten beschäftigt sind, schlägt die Frau dem Räuber eine Bratpfanne auf den Kopf, bis er herniedersinkt. Die Polizei sammelt den verhinderten Räuber ein, Endstation Haftzelle.

Blaulicht am Badesee

Der zurückliegende Sommer war lang, vor allem aber war er heiß. Die Frankfurter drängte es ans Wasser, bevorzugt an den Langener Waldsee. Die Badefreuden von rund 10 000 Badegästen beendete eines Sonntagnachmittags im August jäh ein Großalarm: Blaulicht und Sirenen, mehr als 50 Polizisten und Feuerwehrleute, Taucher, ein Helikopter – das ganz große Besteck also. Eine Frau wird vermisst.

Ein Mann in der FKK-Zone hat zuvor eine badende Person in Gefahr gesehen und das dem Schwimmmeister gemeldet. Kurz darauf vermisst ein anderer Mann seine Begleiterin. Damit ist Alarmstufe eins perfekt. Und ein großer Irrtum ist es auch. Während der Helikopter über dem Waldsee kreist, Polizei und Wasserretter zu Lande und unter Wasser nach der vermeintlich Vermissten suchen, sitzt diese puppenlustig und ahnungslos zu Hause. Bleibt anzumerken, dass der nackte Mann Gefahr vermutet hatte, wo keine war.

Herrenlose Hose

In den heißen Tagen des August genügten eine herrenlose Sporthose und ein paar Handtücher am Strand des Waldsees, um Polizei und Taucher der Feuerwehr in Marsch zu setzen. Ein Mann in Seenot, hilflos, kraftlos untergegangen im hessischen Mittelmeer – so fürchten die Profi-Helfer und suchen fieberhaft. Ihr Bemühen bleibt ergebnislos. Vermisst wird niemand, nicht einmal die aufgefundene Hose.

Weniger der sommerlichen Hitze Anfang August als vielmehr seiner sehr persönlichen Neigung wegen präsentierte sich ein Mann (44) in Niederrad einer Frau weitgehend hüllenlos. Des Exhibitionisten Ergötzen liegt bekanntlich im Erschrecken des Gegenüber. Das freilich bleibt ihm in diesem Falle vollkommen verwehrt. Als die Frau ihm klar macht, wie wenig erbaulich, ja eklig sie den Anblick finde, trollt sich der Kerl.

Zwei Orangen in der Hand eines leicht alkoholisierten Mannes (48) reichten aus, um Mitte Mai einen SEK-Einsatz auszulösen. Nun gut, neben den übrigens sorgfältig in Alufolie gewickelten Südfrüchten hat der Mann noch eine Eisenstange dabei, als er ein Café in Höchst betritt, erklärt, dessen Besitzer nebst einer Angestellten des Kaffeehauses umbringen zu wollen. Dafür habe er eigens zwei Handgranaten mitgebracht und zeigt die verpackten Obststücke vor.

Reichlich Respekt

Die Frauen sind dermaßen eingeschüchtert, dass sie die Drohungen ernst nehmen. Bald darauf lässt der Mann überraschend eine der beiden Frauen gehen und noch eine Weile später auch die zweite. Ob die Erkenntnis, dass Vitaminbomben kein Bedrohungspotenzial haben, den Mann umgestimmt hat oder der Respekt vor den inzwischen alarmierten Spezialkräften, bleibt ein Geheimnis. Hintergrund der eigenwilligen Episode sollen private Streitigkeiten unter den drei Beteiligten gewesen sein.

Zu den Gewissheiten des Lebens gehört: Der Baumarkt ist eines der letzten Rückzugsgebiete des Mannes. Dachte sich womöglich auch ein elfjähriger Bengel aus Griesheim, der Anfang März nach der Schule statt nach Hause lieber in einen Heimwerkerbedarfsladen ging und es vorzog, dort auch zu übernachten, statt zu Hause seine schulischen Probleme zu besprechen. Die Eltern, in heller Aufregung, melden ihren Sohn am Abend als vermisst. Feuerwehr, Polizei samt Spürhunden suchen nach dem Jungen, der sich derweil zwischen Sanitärartikeln und Tapetenrollen provisorisch eingerichtet hat. Am nächsten Morgen macht sich der Knabe dann doch lieber auf den Weg nach Hause.

Schöne Schweinerei

Und dann war da noch das kleine Hängebauchschwein, das am Sonntag vor Weihnachten über eine vielbefahrene Straße lief. War zwar nicht in Frankfurt, sondern in Darmstadt, ist aber trotzdem bewegend. Als Polizisten, ein Jäger und einige Tierschützer sich in seltener Einigkeit zusammentun, um das Ferkel einzufangen, flüchtet es in ein Waldgebiet und lässt sich auch mit Futter nicht herauslocken. Inzwischen verstärken auch Spaziergänger den Ferkel-Bergungstrupp und fahren schweres Geschütz auf: Weihnachtskekse und Katzenleckerli. Da kann das kleine Schwein nicht widerstehen. Der Besitzer des putzigen Grunzers ist bislang wohl nicht ausgemacht.

Da das Schwein unstreitig ein Glücksbringer und gerade zum Jahreswechsel, vor allem in der Darreichungsform Marzipan, allgegenwärtig ist, darf Zuversicht walten, dass dem vorwitzigen Ferkelchen keine Borste gekrümmt wird. In diesem Sinne: Frohes Neues Jahr und viel Glück!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare