Handynutzer sollten ihren Vertrag genau im Auge behalten. Einem Kunden aus Frankfurt wurden mehrere Verträge untergejubelt – und der sitzt jetzt auf tausenden Euro Schaden. (Symbolbild)
+
Handynutzer sollten ihren Vertrag genau im Auge behalten. Einem Kunden aus Frankfurt wurden mehrere Verträge untergejubelt – und der sitzt jetzt auf tausenden Euro Schaden. (Symbolbild)

Strafanzeige gegen Shopbetreiber

Vodafone-Kunde zahlt tausende Euro zu viel: Zehn Handyverträge untergejubelt

Ein Frankfurter Vodafone-Kunde zahlte in den vergangenen Jahren 15.000 Euro zu viel. Das Unternehmen betreibt eine Vogel-Strauß-Politik.

Frankfurt – Der Betrug bei Vertriebspartnern von Vodafone hat wohl auch Opfer im Rhein-Main-Gebiet. Ein Geschäftsmann aus Frankfurt berichtet der Frankfurter Rundschau, dass er in den vergangenen Jahren mehr als 16 000 Euro Telefonkosten zu viel abgebucht bekam. Im vergangenen Sommer war publik geworden, dass ein Vodafone-Berater in Bremen einer älteren Kundin einen Vertrag für deren Katze untergeschoben hatte. Mitte September ging Vodafone dann in die Offensive und vermeldete, selbst 15 Strafanzeigen gestellt, sich von zehn Partnerfirmen getrennt und 57 Ladenlokale geschlossen zu haben. Unklar blieb, wo sich die Machenschaften zugetragen hatten. Die Rede war von einer bestimmten Vertriebsregion.

Dieter de Haas hatte den FR-Artikel dazu unter der Überschrift „Vodafone räumt auf“* gelesen. „Das kam mir irgendwie bekannt vor“, meldete sich de Haas bei der Frankfurter Rundschau. Der 77-Jährige hat ein Geschäft in Bockenheim und bereits seit 2003 einen Vodafone-Vertrag. Dieser sah ursprünglich monatliche Handykosten in Höhe von knapp 76 Euro vor. Den Überblick über Abbuchungen und die Buchhaltung selbst übernimmt bei de Haas ein Steuerberater. Dieser schlug Ende 2020 Alarm und fragte, was da los sei. „Er meinte, es könne doch nicht sein, dass wir monatliche Telefonkosten von 1500 Euro haben“, so de Haas.

Vodafone-Kunde aus Frankfurt tausende Euro Telefonkosten zu viel berechnet

Der Geschäftsmann beauftragte Rechtsanwalt Marcus Müller-Dahlem damit, der Sache auf den Grund zu gehen. „Die Situation war für uns ausgesprochen unübersichtlich“, so Müller-Dahlem. Wie sich herausstellte, hatten sich die Handykosten bei Vodafone für seinen Mandanten sukzessive gesteigert. Müller-Dahlem konzentrierte sich bei seiner Recherche auf den nicht rechtsverjährten Zeitraum ab 2016. Da lagen die Handykosten bereits bei monatlich knapp 300 Euro, Ende 2017 bereits deutlich über 300 Euro. Im Jahr 2020 ist dann nochmal ein deutlicher Anstieg auf 500 bis 674 Euro monatlich zu verzeichnen, der im Dezember 2020 in Kosten von 900 Euro gipfelt – bei einem ursprünglichen Vertragsvolumen von knapp 76 Euro. „Insgesamt wurden allein seit Januar 2016 mehr als 16 600 Euro ungerechtfertigt berechnet“, so Rechtsanwalt Müller-Dahlem.

In seinem zuständigen Vodafone-Shop auf der Leipziger Straße in Bockenheim wird de Haas zunächst hingehalten. Der damalige Shopbetreiber versucht zu beschwichtigen. Vodafone selbst scheint indes völlig ahnungslos und präsentiert auf die Beschwerde hin zehn Verträge, die de Haas unterschrieben haben soll. „Das habe ich nie gemacht“, beteuert der langjährige Kunde. Offenbar hatte der damalige Shopbetreiber die untergeschobenen Verträge selbst unterschrieben.

Frankfurt – Vodafone-Kunde bleibt ein Verlust von 15.000 Euro

In der Verlautbarung im September hieß es bei Vodafone: „Mit den von uns identifizierten, betroffenen Kunden haben wir etwaige Unstimmigkeiten im direkten Dialog geklärt.“ Geklärt vielleicht, aber nicht reguliert. Im Falle von Herrn de Haas tilgte das Unternehmen nur die noch nicht beglichenen Außenstände in Höhe von rund 1700 Euro. Unter dem Strich blieb für den langjährigen Vodafone-Kunden allein seit 2016 ein Verlust von knapp 15 000 Euro stehen, weswegen Rechtsanwalt Müller-Dahlem im März 2021 Strafanzeige gegen den damaligen Shopbetreiber erstattete.

Die Staatsanwaltschaft bestätigt lediglich die Ermittlungen; die Polizei teilt auf Anfrage mit, es gebe in dem Ermittlungsverfahren bislang nur einen Geschädigten. „Dass es sich um einen Einzelfall handelt, kann ich mir kaum vorstellen“, sagt Müller-Dahlem. Noch wortkarger als die Ermittlungsbehörden ist nur Vodafone selbst. Das Düsseldorfer Unternehmen betreibt eine Vogel-Strauß-Politik und ließ eine schriftliche Anfrage trotz Nachfrage unbeantwortet, bei Telefonanrufen gibt es seit einem ersten Kontakt lediglich Bandansagen.

Dieter de Haas ist immer noch Vodafone-Kunde im Shop auf der Leipziger Straße. Unstimmigkeiten habe es zuletzt keine mehr gegeben, sagt er. (Oliver Teutsch)

Ende September kam es im Vodafone-Netz in Hessen zu massiven Störungen. Zahlreiche Regionen waren betroffen. *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare