Die Anwohner des Oberen Kalbacher Wegs haben sich mit Ortsvorsteher Robert Lange (CDU, Dritter von rechts) getroffen, um auf ihre Probleme mit den Saatkrähen aufmerksam zu machen: (v.li.) Walter Emmerich, Sabine Wohlrab, Patricia Breitling, Robert Lange, Walter Wolff und Michael Breitling. foto: Enrico sauda
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Die Anwohner des Oberen Kalbacher Wegs haben sich mit Ortsvorsteher Robert Lange (CDU, Dritter von rechts) getroffen, um auf ihre Probleme mit den Saatkrähen aufmerksam zu machen: (v.li.) Walter Emmerich, Sabine Wohlrab, Patricia Breitling, Robert Lange, Walter Wolff und Michael Breitling.

Bonames

Ekliges Problem löst Albträume für Autobesitzer in Frankfurt aus

  • vonFriedrich Reinhardt
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Anwohner in Frankfurt-Bonames klagen über Kot der geschützten Saatkrähen, die dort brüten.

Frankfurt - Im Bonameser Osten färbt sich der Gehweg am Oberen Kalbacher Weg weiß und so auch die Autos und Unterstände an der U-Bahn-Station Kalbach. Spätestens jetzt merken die Anwohner: Der Frühling ist da - und damit auch die Brutzeit der Saatkrähen, deren Kot den Gehweg einfärbt. Und manchmal auch die Jacken und Köpfe der Passanten, die am Bahnsteig warten, die Straße entlang hetzen, weil sie wissen, was da von oben kommen könnte. Manchmal trifft es sogar Autofahrer, die bei offenem Fenster an der Schranke warten.

Albtraum in Frankfurt: Problem wächst mit der Population

Seit vier Jahren beklagen sich Anwohner wie Patricia Breitling, Walter Wolff oder Walter Emmerich über die Belästigungen durch den Kot der Saatkrähen. Das Problem wachse noch mit der Population der geschützten Vogelart. In diesem Frühjahr sind auch Krähennester auf zwei Platanen jenseits der Mühlackerstraße entdeckt worden. Auch unter ihnen sieht man nun die zahlreichen weißen Flecken und die kleinen Äste, die beim Nestbau heruntergefallen sind. Direkt daneben wohnt die Familie Breitling - sie kann den Frühling in ihrem Garten nur bedingt genießen.

Die Krähen und deren Kot haben etliche negative Nebeneffekten für die Anwohner. Parkplätze unter Bäumen fallen weg, die Säure kann den Lack verätzen. Wolff wird nach dem Gespräch das Auto seiner Tochter waschen müssen. Nur eine Nacht hatte es draußen gestanden und ist schon wieder übersät von Flecken.

Emmerich stört sich vor allem daran, dass die Krähen andere Vogelarten verdrängen. Singvögel seien verstummt und auch ein Turmfalke, der in der Nähe nistete, sei nicht wiedergekommen. Frau Breitling findet den Vogelkot am schlimmsten. Er sei ekelhaft, und sie habe Angst, er könnte Krankheiten übertragen. Corona macht die Lage nicht besser. Aber das waren ja Fledermäuse.

Albtraum in Frankfurt: Hinterlassenschaft ist nicht gefährlich

Sind die Hinterlassenschaften der Vögel tatsächlich gefährlich? Das Gesundheitsamt ist der Frage schon 2019 nachgegangen. Ergebnis: "Trotz der saisonalen Belastung des Bahnsteiges und des Park-und-Ride-Parkplatzes durch die Krähenpopulation und deren Hinterlassenschaften ist nicht von einer Gesundheitsgefährdung auszugehen." Die Keimbelastung im Kot übersteige nicht wesentlich jene, die ohnehin in der Umwelt vorkommen. "Eine signifikant erhöhte Gefahr einer Infektion ist durch einen Aufenthalt am U-Bahnhof Kalbach durch Krähenkot nicht zu erwarten."

Unangenehm ist der Kot dennoch. Um dagegen vorzugehen, fehlt es der Stadt aber offenbar an Wille und Möglichkeit. Die Saatkrähe steht in Hessen auf der "Roten Liste" der bestandsgefährdeten Brutvogelarten. Wie lange noch, ist unklar. Im jüngsten Bericht des Hessischen Umweltministeriums heißt es, dass die Saatkrähe "aufgrund der fortgesetzt positiven Bestandsentwicklung" in der nächsten Fassung der Roten Liste darum möglicherweise nicht mehr aufgeführt werde.

Doch unabhängig davon, generell sind alle Vogelarten in Europa durch die EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt. Die Tiere zu vergrämen, ist also verboten. Ebenso verboten ist es, Nester umzusetzen, zu zerstören oder die Saatkrähen gar abzuschießen. Letzteres fordert auch keiner der Anwohner.

Albtraum in Frankfurt: Als Nistplatz unattraktiv machen

Sie schlagen vielmehr vor, die Bäume so zu beschneiden, dass sie als Nistplätze unattraktiv werden. Von diesem Ansatz hält man im Umweltamt wenig. Zum einen sei das allenfalls bei Bäumen möglich, in denen noch keine Nester gebaut wurden. Die bewohnten Bäumen seien als die Fortpflanzungs- und Ruhestätten geschützt, sagt Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Zum anderen sei es nicht mit dem Baum- und Klimaschutz in einer sich aufheizenden Stadt vereinbar. "Für die Anwohner ist es nicht wünschenswert, die Bäume zu verhunzen." Denn sie binden Staub und bieten Schatten.

Aus seiner Sicht sollten die Anwohner den Vogelkot als "natürliche Begebenheit" hinnehmen, so wie auch im Herbst das Laub herab fällt. Rothenburger plädiert dafür, sich an der Natur zu erfreuen, die in der Stadt "glücklicherweise noch existiert". Darüber hinaus hätten Vergrämungsmaßnahmen nur zur Folge, dass sich die Population aufteilt (siehe Box). "Die Vögel ziehen ja nicht plötzlich in die Wetterau."

Dem Ortsvorsteher Robert Lange (CDU) bereitet hingegen die Aussicht, dass sich die Krähenpopulation in den Ortskern ausweitet, durchaus Sorgen. Der Vogelschutz müsse auch die Menschen mitdenken und für die Probleme der Anwohner eine Lösung gefunden werden. Friedrich Reinhardt

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