Schlangen vor der Notaufnahme

Volle Kliniken in Frankfurt: Kein Bett ist mehr frei

  • Stefanie Liedtke
    vonStefanie Liedtke
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Die Krankenhäuser der Stadt sind voll. Übervoll. Das gilt vor allem für die Intensivstationen, aber auch für die Innere Medizin. Die Kliniken können viele Patienten nicht mehr aufnehmen. Diese werden stattdessen in anderen Krankenhäusern der Region untergebracht – in Offenbach, im Hochtaunus- und im Main-Taunus-Kreis.

Seit drei Wochen geht das so: Vor der Notaufnahme stehen die Rettungswagen Schlange, drinnen reihen sich die Betten auf dem Flur aneinander. „Allein heute hatten wir zeitweise acht Rettungswagen pro Stunde – normalerweise fangen wir bei fünf schon an zu weinen“, sagt Dr. Peter-Friedrich Petersen, Leiter der Notaufnahme des Klinikums Höchst. Das städtische Krankenhaus ist kein Einzelfall. Überall in der Stadt platzen die Kliniken aus allen Nähten, müssen immer wieder Patienten in Krankenhäuser im Umland schicken. Vor allem die Intensivstationen sind dicht, aber auch auf den internistischen Stationen sind keine Betten mehr frei. Das zeigt auch der Blick in die Ivena-Datenbank, die die Rettungsdienste nutzen, um zu sehen, welche Kliniken sie mit ihren Patienten ansteuern können. „Am Montag gab es die nächsten freien Intensivbetten in Gießen und Freiburg“, schildert Petersen die Situation. „Sobald ich zwei frei werdende Intensivbetten melde, habe ich sofort sechs Rettungswagen, die uns ansteuern. Der Rettungsdienst pfeift auf dem letzten Loch.“ Wann sich die Lage entspannt? Petersen zuckt mit den Schultern: „Wenn ich das wüsste . . .“

„Wir hatten tatsächlich in den letzten Tagen zunehmend Engpässe, insbesondere bei den Intensivbetten und im Bereich der Inneren Medizin“, bestätigt Alexandra Chmielewski, Sprecherin von Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Am Montag sei es witterungsbedingt zu einer „etwas krümeligen Situation“ gekommen, da der Hubschrauber nicht habe fliegen und ein Intensivpatient nicht habe verlegt werden können. „Aber auch das haben die Ärzte gut hinbekommen“, sagt Chmielewski.

Derzeit suche man gemeinsam mit den Experten der Leitstelle des Rettungsdienstes nach einer Lösung, wie die Situation entschärft werden könne. Zwar könne niemand genau sagen, wie sich die Lage entwickele, aber „wir gehen jetzt erst mal davon aus, dass es nicht gleich morgen zu einer Entspannung kommt“, sagt Chmielewski. Als Grund für die Überlastung nennt der Leiter der Höchster Notaufnahme Petersen die aus seiner Sicht zu geringe Zahl an internistischen und an Intensivbetten in Frankfurt. Für die Welle an Patienten, die es jedes Jahr im Winter gebe, sei die Kapazität schlicht nicht ausreichend. „Ich beobachte die Situation in Frankfurt jetzt seit dreieinhalb Jahren, und es wird jedes Jahr schlimmer“, sagt Petersen. Zwar sei dies – verglichen mit anderen Regionen der Welt – Klagen auf hohem Niveau, „aber für eine europäische Metropole sind die aktuellen Zustände schon heftig“.

Mehr Lungenentzündungen

Zusätzlich zu den „normalen“ Notfällen – Unfälle, Knochenbrüche, Schlaganfälle und Ähnliches – sind es laut Petersen aktuell vor allem schwere Lungenentzündungen, Erkältungskrankheiten, Magen-Darm-Infekte und die Grippe, die die Ärzte in den Notaufnahmen auf Trab halten. Engpässe bei den Krankenhausbetten gebe es immer mal wieder, sagt der Leiter des Gesundheitsamts, Prof. René Gottschalk. Bisher habe man jedoch alle Patienten in den Krankenhäusern der Region unterbringen können – in Offenbach, im Hochtaunus- und im Main-Taunus-Kreis. Geplante Operationen hätten nicht verschoben werden müssen, anders etwa als 2009/2010 bei der Schweinegrippe, als zeitweise keine Herzoperationen mehr durchgeführt werden konnten, weil Beatmungsgeräte und Intensivbetten fehlten.

Die Jahreszeit und der Zufall

Woran es liegt, dass die Frankfurter Kliniken derzeit so überlastet sind – so genau könne man das gar nicht sagen: „Natürlich hat es mit der Jahreszeit zu tun: Um diese Zeit sind immer mehr Menschen krank“, sagt Gottschalk. Frankfurt leide momentan sehr unter Atemwegserkrankungen. Diese bescherten vor allem Menschen mit Vorerkrankungen zuweilen schon mal einen Krankenhausaufenthalt. Das allein reiche jedoch nicht, um zu erklären, weshalb die Bettensituation aktuell angespannt ist. Hier spiele auch der Zufall eine Rolle: „Es sind einfach mehr Menschen krank, als statistisch zu erwarten wäre.“

Das hessische Sozialministerium kündigte an, weitere Kapazitäten auf Intensivstationen zu schaffen. Geplant sei das unter anderem im Zuge der Baumaßnahmen am Klinikum Höchst und am Bürgerhospital.

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